139. Baumblütenfest in Werder (Havel)

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß, die amtierende Baumblütenkönigin Christin Schiffner, Fritz Puppel von City und die neue Baumblütenkönigin Peggy Sinning. Alle Fotos: wsw

Werder (Havel), 13. April 2018 – Sie hat nicht gut geschlafen in der letzten Nacht, verrät uns Peggy Sinning. Die neue Baumblütenkönigin 2018/19 wurde heute auf der Pressekonferenz der Stadt Werder (Havel) vorgestellt. Dennoch freue sie sich über die Maßen auf ihr Jahr als Blütenkönigin.
Die Werderanerin wird am 27. April auf der Bismarckhöhe beim Eröffnungsball feierlich gekürt. Dann trägt sie auch das Königinnenkleid – es ist nicht rosa – Peggy verneinte unsere provokante Frage, ob es schön und rosa sei. „Schön auf jeden Fall – und in einer Blütenfarbe“, sagt sie und verweist darauf, dass das ein Geheimnis bis zum Ball bleiben wird.

Ihre Auflegung legte sich schnell, Peggy ist ein fröhlicher Mensch und lacht gern. Ihre zwei Jungs wussten bis heute nicht, dass ihre 36-jährige Mama die neue Baumblütenkönigin wird. Ihr Mann, mit dem sie seit elf Jahren in der Blütenstadt wohnt, hat ihr allerdings zugeraten, sich zu bewerben. „Als ich las, dass die Bewerbungsfrist verlängert wurde, hat er mich ermuntert, es endlich mal zu versuchen“, erzählt sie. Daran gedacht habe sie schon öfter. Inzwischen hat sie sich auch mit der ehemaligen Blütenkönigin Cindy Linke getroffen, um sich ein bisschen erzählen zu lassen, was auf sie zukommt. Peggy Sinning arbeitet als Pharmareferentin. Zusätzlich hat sie ein Nebengewerbe im Bereich Schmuck und Accessoires angemeldet und feiert mit ihren Kundinnen Stylepartys. Aber sie wird mit dem Zeitaufwand in ihrem Jahr als Blütenkönigin gut zurechtkommen, versichert sie.

„Die Stadt Werder (Havel) braucht eine neue Baumblütenkönigin und ich bin der festen Überzeugung, dass die Zeit reif ist, dieses Amt mit einer zweifachen, voll berufstätigen Mittdreißiger Mutter und Ehefrau zu besetzen“, hieß es in Peggys Bewerbungsschreiben.

Das lobt auch die Bürgermeisterin Manuela Saß, die sich bei der Pressekonferenz im Schützenhaus bei der noch amtierenden Blütenkönigin Christin Schiffner bedankte: „Liebe Christin, vielen Dank, es war ein tolles Jahr mit Dir!“ Als ein schönes Signal bewertet sie Peggys Bewerbung: „Wir haben eine Königin, sonst hatten wir ja eher Tendenz Prinzessin. Peggy, die 1. – wir freuen uns auf Dich und auf das Jahr mit Dir!“

„Der Baumblütenball ist ausverkauft!“ verkündete die Bürgermeisterin anschließend stolz. „Sicherlich freuen sich viele Werderaner darauf, die Songs von Chris Norman aus ihrer Jugend zu hören und dabei ein wenig in Erinnerung zu schwelgen“.

Manuela Saß und die neue Baumblütenkönigin werden nach der Krönung beim Blütenball in den Blütenfesttagen viele Termine absolvieren. Der Termine-Reigen beginnt mit dem Festumzug, zu dem Klaus-Dieter Bartsch informierte und deren Ankunft er auf der Insel wie gewohnt auch wieder launig moderieren wird.
Der Festumzug geht demnach um 13 Uhr los, Ecke Brandenburger Straße/Moosfennstraße. Es 1546 Teilnehmer, 70 Vereine und 790 Meter Stellfläche mit 42 Fahrzeugen. Angeführt wird der Umzug aus Sicherheitsgründen von der Polizei, gefolgt von der Fußgruppe Werder über den Obst- und Gartenbauverein. Die Bürgermeisterin wird mit der neuen Blütenkönigin im Umzug sein, um den Zug aufzulockern nicht gleich zu Anfang. „Natürlich wird viel Musik dabei sein, buntes Treiben, drei Spielmannszüge werden dabei sein“, kündigt Bartsch an. Gegen 13.30 Uhr werden die ersten Teilnehmer des Umzuges auf der Insel eintreffen. Die offizielle Eröffnung des Baumblütenfestes 2018 ist gegen 14.30 Uhr geplant. Bartsch: „Wir freuen uns, dass alle Teilnehmer wieder so motiviert und engagiert dabei sind – vielen Dank“.

Am Sonntag folgt der traditionelle Baumblütenlauf. „So schnell vergeht die Zeit, das ist schon der 25.“, sagt Bartsch. Natürlich wird die Bürgermeisterin und die Blütenkönigin den Lauf eröffnen. „Bestimmt gibt es dann auch wieder Autogramme von der Blütenkönigin“, hofft er, denn die teilnehmenden Kinder freuten sich darauf immer sehr. In diesem Jahr gibt es zum Jubiläum des Laufes für jeden Teilnehmer sogar ein kleines Präsent, wie Bartsch ankündigte. Für Essen und Trinken ist auch gesorgt. „Alle Freizeitsportler sind herzlich eingeladen“, auch zum Insellauf eine Woche später, auch hier werden Bürgermeisterin und die Blütenkönigin dabei sein. „Wir haben Handballspiele, die Kegler richten ein Turnier aus – wir haben ein schönes sportliches Angebot“. Und wer am 1. Mai noch nicht weiß, was er machen soll, sei herzlich in den Hohen Weg zum Wettbewerb der krähenden Hähne eingeladen.

Christian Große informierte zur Sicherheitsplanung des Blütenfestes. „Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben uns unvorbereitet erreicht, dennoch haben wir gut reagiert. Auch in diesem Jahr hat die Zusammenarbeit wieder außerordentlich gut funktioniert, man merkt, dass es inzwischen eingespielte Mechanismen sind“. An dem bewährten Konzept des vergangenen Jahre werde man festhalten. Es wird wieder zwei Sicherheitsringe geben. Zu den Haupttagen an den beiden Wochenenden, am Brückentag sowie am 1. Mai wird die Innenstadt komplett fahrzeugfrei sein. Ordnungsamt und Polizei werden in ausreichender Anzahl flächendeckend unterwegs sein, die Bundespolizei wird wie gewohnt den Bahnhofsbereich sichern. „Wir sind gut aufgestellt, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, so der 1. Beigeordnete. Der Landkreis unterstützt wie üblich beim Sanitätskonzept. „Wir hoffen auf ein ruhiges Fest mit blühenden Bäumen“.

Die Berliner Agentur Wohlthat gestaltet seit vielen Jahren das Blütenfest. Chef Rainer Wohlthat: „Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre in Sachen Qualität setzt sich auch in diesem Jahr fort“. Die Entwicklung seit zehn Jahren zum Familienfest, das gute Veranstaltungskonzept mit einem guten Verteilungskonzept der Besucherströme sowie das Sicherheitskonzept auf hohem Niveau seien die Ursachen dafür.

In der Stadt werden es 413 Händler sein, informiert Wohlthat, davon 78 Einheimische. „Wenn man dazu rechnet, dass außerhalb – ob nun im Garten, in der Plantage oder am Panoramaweg auch noch Stände von Einheimischen sein werden, sind das weit über 100“.
166 Stände werden Wein anbieten, 36 Bierwagen kommen dazu, so Wohlthat. 63 Schausteller aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland werden die Blütenbesucher unterhalten. Highlight wird beispielsweise der spektakuläre Tower sein: „90 Meter hoch, freier Fall, 140 Stundenkilometer – das sind weltweit gefragte Attraktionen, die wir hier nach Werder holen konnten“. Natürlich gebe es auch alle traditionellen Attraktionen. Auch Neuigkeiten wird es bei der vielfältigen Versorgung geben: Auf dem Marktplatz wird ein „Eifelturm“ stehen, eine Creperie, außerdem wird es eine Lachsbar mit frischem Lachs geben.

Beim Baumblütenball habe man erstmals die Gelegenheit genutzt, die komplette Bismarckhöhe umzustellen auf regionale Produkte. „Wir haben in den vergangenen Wochen mit vielen Anbietern gesprochen. Warum soll es nicht auf der Höhe Fleisch von Joppe, den Fisch aus der Havel von Fischer Mai und Produkte aus dem Obstanbau von hier geben?“. Zudem habe man mit dem Weinbau Lindicke einen eigenen Wein kreiert – den „Landfürst“. Auch ein Obstwein wird künftig dauerhaft auf der Karte stehen – von Obstbauer Manfred Seidel aus Schmergow.

Beim Baumblütenball will das Konzept bereits umsetzen. „Wir haben uns entschieden, das gesamte Menü des Baumblütenballes in einem Extra-Zelt zubereiten und servieren“, so Wohlthat. „Die einheimischen Produkte werden dabei bei einem Showcooking präsentiert. Das einheimische Schnitzel wird vor Ort vom Koch gebraten und auf den Teller gelegt, ebenso der Spargel aus Klaistow und die Kartoffel aus der Region“. Wie das gelingt, wird spannend – serviert wird bis 23 Uhr. Dieses Konzept wird auch mit der heutigen Eröffnung der Außengastronomie auf der Bismarckhöhe umgesetzt, kündigte Wohlthat an.

Sieben Bühnen wird es im Festbereich geben, kündigt Karl-Heinz-Horn an, der ebenso seit vielen Jahren für die Veranstaltungen des Baumblütenfestes zuständig ist. „Dank der Sponsoren – und wir können diesen Sponsoren gar nicht oft genug danken – sind alle Veranstaltungen eintrittsfrei“. Horn: „Mit dem Mix aus bewährten und neuen Bands ist uns wieder gelungen, ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen“. Es sei so, dass sich das Publikum beschwere, wenn eine bestimmte Band mal ein Jahr nicht dabei war, so Horn. Also richte man sich danach. 41 Bands, 12 DJ’s, die auch als Moderatoren agieren, 72 Auftritte, zählt er auf. Medienpartner seien die Radiosender RTL, Antenne Brandenburg, BB Radio und Radio Teddy.

Ein Highlight – auch wenn das gesamte Programm toll wäre – sei der Auftritt der Band City, kündigt Horn das Konzert mit der Kultband für den 3. Mai ab 20 Uhr auf der Bühne am Markt an. „Unser letztes Konzert hier war 2. Mai 2008 – fast auf den Tag genau also nach zehn Jahren“, ergänzt Fritz Puppel, Gründer der legendären DDR-Rockband. „Ich höre hier viel von Produkten aus der Region – das sind wir eigentlich auch“, sagte Puppel und hatte natürlich die Lacher auf seiner Seite. „Wir haben ja auch den Untertitel ‚Kings vom Prenzlauer Berg‘ – das passt ja auch super zur Königin hier“. Hatte die Band in den 80er Jahren den Slogan „Ohne Bass und ohne Haare – mit City durch die 80er Jahre“, jetzt haben wir den Slogan „Andere gehen zur Kur, City geht auf Tour“.

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Das Programm sei überschrieben mit „40 Jahre am Fenster – die Hymne auf Tour“, so Puppel. Die Seelenlandschaft des Songs erneuere sich immer wieder bei den Konzerten. Es wurde 1974 von City komponiert und 1977 auf Schallplatte veröffentlicht. Arrangeur war Georgi Gogow, der Text stammt von der Dichterin Hildegard Maria Rauchfuß. Die ist im Jahre 2000 verstorben, zwei Jahre hätte sich herausgestellt, dass die Stadt Leipzig finanziell nicht in der Lage war, den Nachlass aufzukaufen. Mit zwei Benefizkonzerten der Band hätte man Unterstützung geleistet. Später erhielt die Band einige Aufzeichnungen aus diesem Nachlass, unter anderem eine Art Testamentsentwurf in poetischer Form. Diesen Text hat City vertont und „Marias Worte“ ist jetzt als Verbeugung und Dankeschön im Programm der Band und zentrales Thema auf der neuen Platte. „Alle anderen Hits und Songs kommen natürlich auch auf die Bühne“, sichert Puppel zu. „Auch der King vom Prenzlauer Berg“.

Die Bürgermeisterin hatte zu City eine kleine Anekdote parat. Sie hätte 1979 ihrer Jugendliebe zur Jugendweihe die LP „Am Fenster“ geschenkt. Sie erinnere sich genau an das Cover. Zum Konzert bringe sie aber nicht ihre Jugendliebe mit, sondern ihren Mann.

Walter Kassin als Chef des Werderscher Obst- und Gartenbauvereins merkte an, dass es in diesem Jahr sein 65. Baumblütenfest sein wird. „Mit acht Jahren habe ich am Dampferanleger Blumensträuße verkauft. Abends gab es dafür was hinter die Ohren, denn wir hatten gar keine Blumen im Garten. Mit 14 habe ich meinen ersten Obstwein getrunken und die Gefahr verkannt. Von da an habe ich gelernt – aber der Obstwein hat mich nicht mehr losgelassen“. Nach der Verkostung der diesjährigen Weine im Wettbewerb um die Kruken am Mittwoch – 234 Weine von 30 Erzeugern waren es – habe man heute morgen die Ergebnisse bekommen. Die wollte er noch nicht verraten, der Termin für die Auszeichnung mit den Kruken findet in der kommenden Woche Mittwoch statt. „Nur soviel, wir haben einen Neuling dabei, der brachte eine Flasche, einfach zum Probieren – die bekommt eine Kruke!“ Das sei selbst für ihn eine Überraschung gewesen.

Die Standorte der Erzeuger aus dem Verein am Panorama-Weg seien identisch mit denen aus dem Vorjahr. Es kommen allerdings zwei weitere dazu, seit dem Festumzug habe man vier neue Mitglieder gewinnen können. Insgesamt werden 18 Stände am Panorama-Weg stehen. „Unser Werdersänger Karsten Perenz wird mit seinen Liedern an verschiedenen Stellen zu hören sein“, so Kassin. Neu wird der erste Versuch mit Mehrwegbechern sein. Jeder Standort wird sein Logo und das Logo des Obst- und Gartenbauvereines auf einem Becher präsentieren. Der Becher soll verkauft werden, als Trinkgefäß, als Sammlerstück mit Werbeeffekt.

Nach der Pressekonferenz gab es den obligatorischen Foto-Termin mit der neuen Baumblütenkönigin. Und damit hatte Peggy ihren ersten wichtigen Termin als künftige Repräsentantin der Stadt überstanden und hervorragend gemeistert. Die amtierende Baumblütenkönigin Christin Schiffner blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf ihr Jahr zurück: „Es war selten richtig anstrengend, auch wenn es doch viele Termine waren. Ich habe sehr viel erleben und kennenlernen dürfen. Das war ein schönes Jahr. Und wer wird schon im Leben mit einem Cabrio zum Blütenfest durch Werders Straßen chauffiert?“, lacht sie. Auch wir bedanken uns bei Christin und freuen uns auf ein tolles Jahr mit Peggy! (wsw)


Das Programm zum 139. Baumblütenfest gibt es hier und hier die Übersicht der Sperrungen in der Stadt.