700 Jahre – 700 Flaschen: Weißwein aus Werder zum Stadtjubiläum

Werder (Havel), 29. März 2017 – Einen ganz besonderen Tropfen können die Werderaner und alle Weinliebhaber jetzt genießen. Zum 700. Jubiläum der Stadt gibt es 700 Flaschen einer Sonderedition Wein von zwei Weinbergen Werders. Der Jubiläumswein wurde von Dr. Manfred Lindicke, dem Winzer vom Wachtelberg, heute der Bürgermeisterin Manuela Saß vorgestellt.

Bei dem Wein handelt es sich um einen Cuvée, das heißt, bei der Herstellung wurden ein Cabernet blanc vom Galgenberg und ein Sauvignon blanc vom Wachtelberg verschnitten. Beide Weine liegen, so Lindicke, mit hervorragenden über 90 Grad Oechsle im Spätlesebereich.

Einige Varianten wurden probiert, bis der am besten mundende Verschnitt aus beiden Weinen gefunden war, erinnert sich Christian Kruft, Kellermeister in der Kelterei Lindicke. Gekostet wurden die Varianten natürlich auch vom Winzer selbst und auch von Familienangehörigen. Ziel war, wie Kruft und Lindicke betonten, einen Wein zu präsentieren, der möglichst vielen Menschen gut schmeckt. Ein Qualitätswein von den beiden innerstädtischen Weinbergen – „Ich wollte einen gut trinkbaren, süffigen Wein mit einem ausreichenden Restzuckergehalt“, so Lindicke. Das sei sehr gut gelungen.

Gemeinsame Idee zum Stadtjubiläum

Eine gleich mehrfache Premiere nach einem überaus gutem Weinjahr 2016: Erstmals wird ein Verschnitt von zwei Weinbergen der Stadt und eine Sonderedition präsentiert.
Die Idee wurde, wie Lindicke berichtet, im Gespräch mit der Bürgermeisterin und Christian Große, dem 1. Beigeordneten, geboren.

Die Bürgermeisterin, die, wie sich bei dem Termin herausstellte, mit Weinkenntnissen punkten kann, zeigte sich vom Geschmack sehr angetan. „Der Weinbau ist wie der Obstbau und die Fischerei fest in der Werderaner Stadtgeschichte verwurzelt“, sagte die Bürgermeisterin. „Die Werderaner können stolz sein, dass inzwischen wieder auf vier Reblagen in der Stadt und den Ortsteilen ganz hervorragende Weine angebaut werden.“

Die Cuvée erscheint rechtzeitig zur (ausverkauften) Werderander Jungweinprobe im Schützenhaus am 7. April, zu der Gastronomie und Handel  den neuen Jahrgang vom Werderaner Wachtelberg, vom Werderaner Galgenberg und vom Phöbener Wachtelberg verkosten werden. 35 Weine aus einem hervorragenden Jahrgang werden präsentiert.

Winzer Lindicke spricht vom besten Weinjahr, das er seit der Übernahme des Wachtelbergs im Jahr 1996 erlebt hat: „Die Blüte war in fünf Tagen durch. Da das Wetter mitspielte, hatten wir 14 Tage Vorsprung. Im Juli waren die Trauben blau“. Zwar hätte es im August auch mal ein paar Regentage gegeben, aber im Gegensatz zu den Kollegen in westlichen Anbaugebieten gebe es bei dem hiesigen Sandboden damit kaum Probleme. „Wir müssen dann höchstens einige Ladungen Sand wieder hoch auf den Berg fahren“, ist der Werderaner Winzer pragmatisch.

Die Weinlese des Müller-Thurgau begann pünktlich am 12. September. In der eigenen Kelterei, die Lindickes seit 2012 betreiben, war alles startklar für die Weiterverarbeitung der Trauben. „Und dann ging drei Tage später die Presse kaputt!“, erinnert sich Lindicke an einen großen Schreck. „Glücklicherweise konnten wir das Kühlhaus nebenan bei meinem Sohn nutzen“. Also wurde weiter geerntet, das kleine elektronische Bauteil neu bestellt, aus der Schweiz nach Frankreich geschickt, wo es programmiert wurde, und dann über die Mosel nach Werder geholt.

Ohne weitere „Zwischenfälle“ wurde die Weinlese und die Verarbeitung beendet – geerntet wurden knappe 80 Tonnen – damit erreichten Lindickes die zulässige Höchstmenge nach den strengen gesetzlichen Vorgaben. 1996 waren es keine zehn Tonnen, 1998 bereits über 40, 2008 gab es erneut eine Spitzenernte mit über 70 Tonnen. Nun wurden erstmals die 80 Tonnen erreicht. Auch das Mostgewicht – eines der wichtigsten Kriterien für die Weinqualität – war mit 90 bis 107 Grad Oechsle so hoch wie nie. Der Cuvée sei ausgezeichnet haltbar, bestätigt Lindicke. „Fast wäre es töricht, ihn gleich zu trinken“, lächelt er. Denn: „Nach einem Jahr ist er richtig toll“. Älter als drei Jahre sollte er allerdings nicht werden.

Aber Winzer Lindicke plagen auch Sorgen: „Größere Weinmengen wollen auch verkauft werden“, verweist er darauf, dass nicht alle Gastronomen der Blütenstadt die heimischen Weine auf ihrer Karte hätten. Zudem fehle es ihm an Personal in der „Weintiene“.

Zu kaufen gibt es den Jubiläums-Wein bei Lindickes am Plessower Eck im Hofladen und in der „Weintiene“. Demnächst soll noch ein exklusiver Partner in der Stadt dazu kommen. Zudem wird die Stadt Werder einen Teil des Weines erwerben: „Wir erwarten viele Gäste in unserem Jubiläumsjahr, beispielsweise aus den Partnerstädten“, erläutert Bürgermeisterin Saß. Als besonderes Präsent sei der Wein auch für verdiente Werderaner geeignet. (low)


Informationen: http://weinbau-lindicke.de