700 Jahre Stadtgeschichte auf der Bühne des Comedie Soleil

Werder (Havel), 22.11.2017 Skurril, bewegend, historisch korrekt: Comédie Soleil bringt 700 Jahre Stadtgeschichte von Werder (Havel) auf die Bühne

Der Markgraf Waldemar mit Prinzessin Kunigunde, ein dichtender Scharfrichter, ausgebuffte Schmuggler, bodenständige Obstbauern und täppische Polizisten – all diese Figuren der Werderaner Stadtgeschichte sind in einer neuen Inszenierung der Comédie Soleil zu erleben. Am Freitag, den 24. November, ist Premiere für „Die Freuden und Leiden des jungen Werder“. Es ist der theatralische Beitrag von Werders kleiner Bühne zum 700. Stadtjubiläum.

Für Autor und Regisseur Julian Tyrasa, der die Comédie Soleil mit Karoline Hugler leitet, war das Thema eine besondere Herausforderung. „Zum ersten Mal habe ich ein Stück auf Basis von Fakten entwickelt“, erzählt er. Es sollte unterhaltsam und dennoch historisch korrekt werden. Glücklicherweise sei er bei seiner Recherche auf so viele skurrile Begebenheiten und bewegende Momente, auf interessante Personen und absurde Ideen gestoßen, dass sich die 700 Jahre zur repräsentativen Szenenfolge verdichten ließen.

Als Beispiel nennt er die lange gehegten aber nie umgesetzten Pläne für eine fast 500 Meter lange Brücke nach Wildpark West aus dem 17. Jahrhundert. Oder das vermeintliche Ende des Bürgermeisters Schönemann im 18. Jahrhundert: Weil man dachte, dass Schönemann verstorben war, wurde ein Nachfolger bestimmt. „Als sich herausstellte, dass der alte Bürgermeister doch noch lebte, wurde die Nachfolgefrage nochmal verschoben.“

Ähnlich skurril sei die Geschichte des Bürgers Martin Schultz, dem im 19. Jahrhundert in mehreren Gerichtsverhandlungen die Vormundschaft für insgesamt 13 verwaiste Kinder übertragen wurde. Offenbar galt er als besonders fürsorglich, so wird es im Stück jedenfalls ironisch vermittelt. Bei allen künstlerischen Freiheiten hätten die Szenen der Inszenierung alle ihren wahren Kern bewahrt. „So unglaublich das teilweise erscheinen mag“, so Julian Tyrasa.

Karoline Hugler, Edward Scheuzger, Gerhard Gutberlet und Lorenz Pilz sind als Schauspieler an der temporeichen Inszenierung beteiligt. In den 14 Szenen sind insgesamt 50 verschieden Rollen von ihnen zu besetzen. Die Kostüme wurden von Kostümbildner RUDI so gestaltet, dass sie schnell gewechselt werden können. „Statt historisch korrekten Verschnürung sind bei Kunigundes Kleid zum Beispiel Druckknöpfe verwendet worden“, so Karoline Hugler. Das Bühnenbild wurde, ebenfalls flexibel, von Jens-Uwe Behrend gestaltet.

Als Quellen für das Stück dienten die neue Stadtchronik, das Gedenkbuch „Jüdische Schicksale“ und Gespräche mit Ortschronist Baldur Martin. Die Stadt hat die Inszenierung mit 10.000 Euro gefördert. Jährlich bekommt die Comédie Soleil von der Stadt einen Zuschuss von 20.000 Euro. Hinzu kommen Mittel des Landkreises, des Landes und der EMB als Sponsor. „Werder (Havel) kann stolz auf seine kleine Bühne sein“, so Bürgermeisterin Manuela Saß,  die sich schon auf die Premiere am Freitag freut.

 

Premiere (ausverkauft) am 24. November um 19.30 Uhr, weitere Aufführungen bis 17. Dezember immer Freitag und Samstag um 19.30 und Sonntag um 17 Uhr. Karten für 18/12/8 Euro im Kartenhaus im Werderpark oder unter Tel. (03327) 57 46 41.

Text und Bilder: hkx