Arbeiten – und das Kind ist dabei

Grit Hübener vom Rockzipfel e.V. mit ihrer Tochter. Künftig bietet der Verein in Werder am Plessower See ein Eltern-Kind-Büro an. Foto: wsw

Werder (Havel), 3. Juni 2017 – Der Verein Rockzipfel e.V. bezieht in diesen Tagen seine neue Räumlichkeiten im Nebengebäude der so genannten „Kyservilla“ am Plessower See 25-27. Der Rockzipfel e.V. bietet hier künftig im Eltern-Kind-Büro die Möglichkeit des Arbeitens mit Kinderbetreuung vor Ort. Die Betreuung erfolgt durch die Eltern selbst, Praktikanten und ehrenamtlichen Helfern. In der um- und ausgebauten Villa selbst unterhalten Mitglieder der Gemeinde Maria Meeresstern bereits den Katholischen Familientreff „Maria am See“.

„Ich bin unserem Vermieter, Dr. Hansjoachim Bals, sehr dankbar, dass wir hier künftig arbeiten können. Haus und Garten hier am Plessower See – das passt perfekt.“ Auch Bals ist zufrieden: „Die Vereinsziele von Rockzipfel entsprechen auch unserem Ansatz“.

Die Rockzipfel-Vereinschefin Grit Hübener freut sich jetzt auf viele Anfragen, denn es gibt noch freie Plätze. Das Eltern-Kind-Büro, das bereits in Potsdam ein entsprechendes Projekt betreibt, eröffnet den Nutzern ganz neue Möglichkeiten, Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. „Mütter oder Väter arbeiten in den gleichen Räumen, in denen ihre Kinder spielen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich zur Mittagsruhe mit seinem Kind zurückziehen zu können“, erläutert Hübener, die selbst ihre Tochter auf diese Art und Weise immer um sich hat. „Wir hatten in den Jahren seit der Vereinsgründung 2014 verschiedenste Nutzer. Das Betreuungsmodell richtet sich u.a. an Selbstständige, Freiberufler, Gründer, Eltern in Weiterbildung oder beruflicher Neuorientierung, Eltern mit Homeoffice oder Telearbeit oder auch Studierende“. Gerade in Zeiten, in denen Kita-Plätze knapp sind, ist das Angebot ein alternativer Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Außerdem sei durch den technischen Fortschritt die feste Anwesenheit in Firmenbüros immer weniger wichtig. Immer mehr Menschen arbeiten selbständig von zu Hause aus.

Grit Hübener fand als Mitbegründerin des Vereins genau den Weg, den sie mit ihrer Tochter gehen wollte. Die Journalistin, Buchautorin (Grenzwege. Lebensgeschichten aus einem geteilten Land) und Kursleiterin entschied sich bewusst gegen das Leben in einem zwar finanziell abgesicherten aber in hohem Maße arbeits- und überstundenreichen festen Job, um großen Anteil am Aufwachsen ihrer Tochter zu haben. „Das ist wirklich nicht leicht“, hat sie erfahren und möchte das dennoch keinesfalls wieder aufgeben.

Nutzung des Eltern-Kind-Büros

Die Kinder werden bei nicht abgegeben, es findet keine Fremdbetreuung statt, die Aufsichtspflicht liegt immer bei den Eltern. Geboten wird ein Raum, in dem die Eltern arbeiten können und die Kinder idealerweise miteinander spielen, begleitet von Helfern oder den Eltern selbst. Es wird versucht, die Umgebung möglichst kindgerecht zu gestalten, großer Wert wird auf einen nach Emmi Pikler orientierten Umgang mit den Kindern gelegt. Kosten pro Monat: 160 Euro, darin enthalten sind Betreuung, Strom, Wasser, Heizung, Internet W-Lan, Reinigung und die Nutzung der gesamten Infrastruktur (Küche, Kaffeemaschine, Drucker).

„Wir verstehen uns nicht als Dienstleister“, betont Hübener. Funktionieren könne das Projekt nur mit Menschen, die das Angebot als Gemeinschaftsprojekt begreifen. „Ich wünsche mir, dass wir Entscheidungen miteinander besprechen, hier auch gemeinsam kochen und essen“, umreißt sie einige Möglichkeiten des Miteinanders, von dem alle profitieren würden. Gerade in den ersten Jahren der Kinder sei die Bindung an die Mütter – oder Väter – sehr stark, außerdem ist es für die Eltern auch wichtig, diese Zeit mit ihren Kindern zu erleben. Die Kinder im Eltern-Kind-Büro haben die Möglichkeit, mit anderen Kindern Erfahrungen zu machen, die sie vielleicht als Einzelkind nicht hätten. Gerade auch für Alleinerziehende wäre das wie eine große Familie. Vorgesehen ist auch, sich gegenseitig in der Betreuung zu unterstützen, so dass jeder auch mal in Ruhe arbeiten kann. „Eltern und Kinder profitieren von der Gemeinschaft. Man trifft hier bei uns Gleichgesinnte, mit denen man auch Probleme besprechen kann.“ Möglich sind Nutzer, die hier am PC arbeiten oder auch nähen, lesen, lernen oder auch ihren Hobbys nachgehen. „Und das alles, ohne sich von seinem Kind trennen zu müssen“.

„Schön wäre es ja, wenn sich noch eine ‚Oma‘ finden würde, die kochen kann. Oder basteln oder vorlesen“, träumt Grit Hübener von ehrenamtlicher Unterstützung durch Senioren, denen zu Hause „die Decke auf den Kopf fällt“. Interessierte könnten auch Mitglied im Förderverein werden, um das ambitionierte Projekt der modernen Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung monatlich ganz konkret mit einem Beitrag (ab fünf Euro) zu unterstützen. Die Bundestagskandidatin Saskia Ludwig ist schon dabei, die CDU-Landtagsabgeordnete macht sich seit jeher stark für die Belange der Familie.

Hansjoachim Bals vom Katholischen Familientreff „Maria am See“ berichtete von einer Studie, der zufolge Frauen zwischen 18 und 60 Jahren im Durchschnitt der Meinung sind, dass eine Mutter drei Jahre und zwei Monate nach der Geburt ihres Kindes wieder in Teilzeit erwerbstätig sein kann. Eine Vollzeiterwerbstätigkeit können ‎Mütter den Befragungsergebnissen zufolge ‎aufnehmen, wenn das Kind sieben Jahre alt ist.

Grit Hübener kündigt die offizielle Eröffnung des Eltern-Kind-Büros zum 1. Juli 2017 an. Am 30. Juni veranstaltet sie am Plessower See ein Treffen aller bundesweit agierenden Rockzipfel-Vereine. Wer sich jetzt schon für einen Platz am Plessower See interessiert, meldet sich bei ihr per E-Mail hallo@rockzipfel-potsdam.de oder telefonisch unter 0171 7614642. (low)