Auf bildliche Darstellung des Zeitraums 1933 bis 1989 im Festumzug wird verzichtet

Werder (Havel), 5. Juli 2017 – Nach einer Entscheidung des ehrenamtlichen Festkomitees zur 700-Jahr-Feier wird die Stadt Werder (Havel) auf die bildliche Darstellung des Zeitraums 1933 bis 1989 im Festumzug zur 700-Jahr-Feier verzichten. Das teilte die Stadt heute mit.

Ausgelöst durch eine populistische Pressemitteilung des Werderaner Stadtverbands der Linken habe es in Teilen der Öffentlichkeit eine völlig unsachliche Diskussion gegeben. Mit dieser Entscheidung solle ihr die Nahrung entzogen und Schaden für die Beteiligten sowie Zuschauer des Festumzuges abgewendet werden, so der 1. Beigeordnete Christian  Große, amtierender Vorsitzender des Festkomitees. Teilnehmer und Zuschauer des Festumzuges sollen den Tag genießen. „Wir werden uns die 700-Jahr-Feier von niemandem kaputtmachen lassen“, so Christian Große.

„Wir waren im Festkomitee der Meinung, eine aufgeklärte Gesellschaft könne sich auch den dunklen Zeiten ihrer jüngeren Geschichte stellen. Sie könne mit Genugtuung darauf blicken, ein demokratisches Gemeinwesen errichtet zu haben, das nie wieder zulässt, was Generationen vor uns zugelassen haben.“ Das sei offenbar falsch gedacht.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Christian Große dazu geäußert – hier noch einmal die Pressemitteilung dazu: 

Als „ungeheuerliche Unterstellung“ hat Werders 1. Beigeordneter Christian Große einen Vorwurf des Ortsverbandes der Linken bezeichnet, dass dem verbrecherischen Naziregime im Festumzug zur 700-Jahr-Feier der Stadt eine Plattform geboten werden solle. „Ohne mit dem ehrenamtlich tätigen und auch von Stadtverordneten der Linken eingesetzten Festkomitee zu reden, wird eine Pressemitteilung an die Medien und in der Stadt verteilt, in der die Tatsachen verdreht und auf den Kopf gestellt werden“, so Christian Große. „Ich bin erschüttert und persönlich enttäuscht“, so Große in der Stadtverordnetenversammlung.

Im zur 700-Jahr-Feier der Stadt am 16. Juli geplanten Festumzug soll in 55 Bildern auf alle Zeitabschnitte der Stadtgeschichte eingegangen werden. Auch darauf, dass in der Nazizeit aus der Fliegerschule in Werder (Havel) junge Piloten zu verbrecherischen Kampfeinsätzen geschickt wurden, von denen sie häufig nicht zurückkehrten. Ebenso soll an die Verfolgung und Ermordung Andersdenkender und der jüdischen Mitbürger erinnert werden. Nicht zuletzt soll es darum gehen, wie der Krieg nach Deutschland zurückkehrte, Werder selbst durch glückliche Umstände  vor Zerstörung bewahrt wurde und sich durch die eintreffenden Flüchtlinge veränderte. Dazu sollen junge Flugschüler, ein kalt blickender Nazi im dunklen Fahrzeug und Heimatvertriebene auftreten.
Gegen das Zeigen des Nazis hatten sich die Linken in einer Pressemitteilung und in einem Brief an die Mitglieder des Festkomitees gewandt und gefordert, andere Möglichkeiten der Darstellung des menschenverachtenden Regimes zu finden, beispielsweise durch den Verweis auf die „Stolpersteine“, die in Werder und Glindow als Zeichen gegen den größten Massenmord aller Zeiten.

Wie die Stadt dazu in einer Pressemitteilung informierte, soll der verlesene Text beim Umzug, der auch in an die Zuschauer verteilten Leporellos abgedruckt werden soll, eindrücklich auf die Hintergründe eingehen. Alle Bilder des Festumzugs seien nur im Kontext zu den vorgetragenen Texten zu verstehen, das gelte nicht nur für das verbrecherische Hitlerregime, so Christian Große. „Sonst könnte man auch auf den Gedanken kommen, dass wir Folterinstrumente aus dem Mittelalter oder die Kampfaufträge der FDJ verherrlichen wollen.“ Er empfehle, einen Blick in die bereits erschienenen Chronik-Bände „700 Jahre Werder (Havel)“ zu werfen. „Dort lässt sich der historische Standpunkt der Autoren, die auch für den Festumzug verantwortlich zeichnen, problemlos nachvollziehen.“
Über die Möglichkeit der Darstellung der verbrecherischen Nazi-Ära, die das 20. Jahrhundert leider mit geprägt habe, hätten sich das Festkomitee und auch die Arbeitsgruppe Festumzug lange Gedanken gemacht. Die Linken hätten mehr als ein Jahr lang die Möglichkeit gehabt, sich daran zu beteiligen. „Jetzt ein paar Tage vor dem Festumzug vorzuschlagen, wir sollten die Stolpersteinverlegung zur Darstellung dieses Zeitabschnittes zu nutzen, ist blanker Populismus“, so Christian Große weiter. „Vor allem aber ist es respektlos gegenüber den ehrenamtlich im Festkomitee und in der AG Festumzug tätigen Werderanern und den 600 Menschen, die sich auf den Umzug vorbereiten und sich darauf freuen.“