Auf den Spuren von Hagemeister …

„Ich habe erkannt, dass zum atmenden Leben Bewegung gehört und dass diese nur durch feinste Unterschiede im Farbauftrag erreicht werden kann. Wenn ich landschaftliche Dinge sehe, so bemerke ich immer einen Kampf von Licht und Luft um die Herrschaft über sie.“ (Karl Hagemeister)

 

Wir schreiben das Jahr 1848, als auf der Insel Werder in dem beschaulichen Häuschen in der Kirchstraße 14 Karl Hagemeister das Licht der Welt erblickt. Vielleicht war der 12. März damals ein sonnig warmer Tag, vielleicht hatte Herr Winter dem Frühling aber auch noch nicht das Feld überlassen und es war windig und bitterkalt. Egal bei welchem Wetter, als Sohn eines Obstzüchters und Fischers war er von Anfang an ein Naturbursche, half dem Vater beim Obstbau, der Fischerei und Jagd und schon früh hatte Karl Hagemeister einen ausgeprägten Sinn für die Schönheit der märkischen Natur, der Flüsse und Seen.

Doch lange hielt es ihn nicht in unserer Blütenstadt. An einer Volksschule in Berlin Pankow unterrichtete er gerade rund ein Jahr das Fach Zeichnen, als sein Entdecker, der Landschaftsmaler Ferdinand Bellermann ihn an seinen Lehrer Friedrich Preller vermittelte. Er gab den Beruf auf, um ab 1871 an der „Fürstlich Freien Zeichenschule Weimar“ zu studieren. Auf einer Studienreise zum bayrischen Hintersee lernte er den Maler Karl Schuch kennen. Mit ihm und später auch mit dem Malerkollegen Wilhelm Trübner bereisten sie Wien, München, Brüssel und Venedig.

Seine Heimat ließ ihn jedoch nie los. Im Mai 1884 zog es ihn endgültig zurück ins Havelland, wo er in Ferch in einem angemieteten Haus ein Zuhause und nach den vielen Eindrücken der Reisen seine eigenen Themen und Motive für die Malerei fand. Neben Pinsel und Spachtel waren seine Finger und Handballen Arbeitsmittel, um Werke wie „Seerosenteich“, „Landschaft bei Ferch“ oder „Blick über Wildrosen auf den Schwielowsee“ zu malen.

Weil er keinem Stil so richtig zugeordnet werden kann, sondern seiner eigenen Art treu blieb, fand er nicht die Aufmerksamkeit, die ihm zugestanden hätte. Das änderte sich erst ab 1912, als er deutschlandweit bekannt und finanziell besser gestellt wurde. Doch die Inflation nach dem ersten Weltkrieg machte auch das wieder zunichte. Hagemeister erkrankte 1916 – er sollte sich nie wieder richtig erholen, malte fortan nicht mehr und starb 85-jährig in Werder.

Die Kunsthistorikerin Hendrikje Warmt hat in einer umfangreichen Forschungsarbeit – „Karl Hagemeister – In Reflexion der Stille“ – den Bezug zwischen Hagemeisters Biografie und künstlerischem Werk hergestellt. Anfang Dezember 2015 stellte sie ihr Buch im Potsdam Museum vor. Auf 528 Seiten sieht man über 800 Abbildungen seiner Gemälde und Zeichnungen und kann einen Blick in seine Gedanken werfen, die er in Tagebüchern niederschrieb. Karl Hagemeister war durch und durch ein Naturmensch und malte das, was er in der Landschaft der Mark Brandenburg sah.

Einen echten Hagemeister kann man seit Ende des vergangenen Jahres nun auch direkt „um die Ecke“ auf Werders Inselstadt bewundern. In kuschliger Wohnzimmer-Atmosphäre begrüßen Liane Schulz und ihre Tochter Julia Bleß ihre Gäste im „Café & Brasserie Hagemeister“. Vor fünf Jahren haben sie das alte Wohnhaus in der Baderstraße gekauft. Als Mutter Liane dann fernab ihres Büroalltags noch eine neue Herausforderung suchte und Tochter Julia als gelernte Hotelfachfrau die nötige Erfahrung mitbrachte, entschlossen sich die beiden, in den alten Mauern des Hauses ein gemütliches Café auf zwei Etagen für Einwohner, Touristen und Besucher zu schaffen.

Bei einem leckeren Frühstücksbuffet, Kleinigkeiten zum Mittagstisch oder dem selbstgebackenen Kuchen, köstlichem Tee und Kaffee lässt es sich gut aushalten im „Hagemeister“. Die Leidenschaft der beiden zum Sammeln alter Gemälde sieht man dem Café an, denn an nahezu jeder Wand kann man künstlerische Werke bestaunen. Früher einmal ein Zigarrenladen, gibt es neben den Gaumenfreuden in der oberen Etage einige ausgewählte regionale Produkte wie Schultz’ens Liköre, vegane handgefertigte Seifen von SauberKunst aus Lehnin, den Insel Honig oder kleine Geschenkartikel zu kaufen.

Bis zum Frühjahr sollen die vier Ferienwohnungen im Hinterhaus noch fertiggestellt werden. „Alle haben einen Kamin und eine Terrasse oder Balkon“, erzählt Julia Bleß stolz. An Gemütlichkeit also nicht zu übertreffen. Gäste können dann die schönen Plätze und kleinen Gassen auf der Inselstadt erkunden. Den ein oder anderen Weinliebhaber werden die beiden in Zukunft dann wohl in das Weindepot in der oberen Etage entführen, in dem es ein paar Schätze von besonderer Qualität gibt. All’ diese kleinen Köstlichkeiten kann man in den warmen Sommermonaten auch im Innenhof und im Garten genießen.

„Karl Hagemeister erfährt auf Werders Insel kaum Beachtung“, meint Liane Schulz. So kam es dazu, dass die beiden Frauen ihrem Café seinen Namen gaben. Ganz ruhig und unaufgeregt wie er selbst, ist das „Hagemeister“ eine schöne Bereicherung für unsere Inselstadt. Am 15. April findet passend zur rustikalen Umgebung eine „kulinarische Krimilesung mit Tim Pieper“ statt, bei der er zu Tapas und Wein aus seinem Krimiroman „Dunkle Havel“ lesen wird. Der spielt ja bekanntlich in Werder und Potsdam, vorgestellt haben wir das Buch hier.

Informationen gibt es wie immer auch in unserem Veranstaltungskalender. Täglich ab 9 Uhr öffnen die Türen des Cafés in der Baderstraße 3. Montag und Dienstag ist Ruhetag.

In unserer Rubrik Essen und Trinken finden Sie weitere Cafés und Restaurants hier in unserer Blütenstadt.