Bliesendorfer Energiegipfel mit Ausstellungseröffnung

Bei der Ausstellungseröffnung gestern Im Gemeindezentrum Bliesendorf: Kunstgeschoss- Kurator Frank Weber, Bliesendorfs Ortsvorsteherin Eveline Kroll, Künstler Jürgen Steinberg und Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (v.l.).

Werder (Havel), 6. Dezember 2016 – Wir müssen weiter sehr wachsam bleiben, brauchen weiterhin Unterstützung und der Kampf ist noch nicht vorbei“ –  mit dem 39. Energiegipfel, einer Ausstellungseröffnung, der Vorführung eines Films und einem gemütlichen Abend als Dankeschön für die Unterstützer bilanzierte Bliesendorfs Ortsvorsteherin Eveline Kroll gestern Abend die Arbeit des zu Ende gehenden Jahres.

Der Einladung ins Bliesendorfer Gemeindezentrum, in dem die Foto-Ausstellung mit die Arbeit der Windkraft-Kritiker begleitenden Fotografien von Jürgen Steinberg bis Ende Januar 2017 zu sehen sein werden, waren viele Mitstreiter, Förderer und Unterstützer gefolgt, u.a. die Landfrauen und der Sportverein Bliesendorf und die Mitstreiter der befreundeten Bürgerinitiativen aus dem Waldkleeblatt-Natürlich Zauche e.V..
Als Gäste begrüßte Frau Kroll Werders Bürgermeisterin Manuela Saß, Dr. Saskia Ludwig, den Ortsvorsteher von Glindow, Sigmar Wilhelm, und Fred Witschel als Ortsbeirat sowie den Kunstgeschoss-Kurator von Werder, Frank Weber. Weitere Gäste waren Katrin Schneider von Pro Werder, Dr. Klaus Froh vom Heimatverein Werder, Edelgard Baatz vom Heimatverein Glindow, Siegrid Gottschalk und Brigitte Wilhelm vom Förderverein Elisabethhöhe, Dr. Werner Wendt und Jürgen Steinberg von der Orphée Werkkunst Akademie Werder sowie Peter Mathai von der Volkssolidarität Glindow.

Kroll in ihrer Auftaktrede zum aktuellen Stand im Kampf gegen die geplanten Windkraftanlagen: „Die Genehmigungen für sämtliche Anträge werden seitens des Landesumweltamtes in 2016 nicht mehr erfolgen, so daß die EEG Novelle ab Januar 2017 für uns dann greifen wird“. Hintergrund ist, das die Novelle zum Eneuerbaren-Energie-Gesetz ab 2017 u.a. vorschreibt,  dass die Förderhöhe für einzelne Erneuerbare-Energien-Anlagen zukünftig nicht mehr durch den Gesetzgeber festgelegt, sondern im Wettbewerb mit Hilfe von Ausschreibungen ermittelt werden. Mit dem EEG 2017 wird somit ein grundlegender Systemwechsel vollzogen.

Das heißt nicht, dass die Pläne für das „Windeignungsgebiet 24“ vom Tisch sind – im Gegenteil. „Im Moment liegen beim Landesamt für Umwelt folgende Anträge vor: seit kurzem ein Antrag über 21 Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 220 Metern der Firma Notus , der sich mit dem Antrag von 2013 der Firma Prokon mit neun Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern aber mit den Flächen gegenseitig teilweise ausschließt. Und die Firma UKA möchte zwei Windkraftanlagen mit einer Höhe von 200 Meter im Offenland errichten, die aber nur 800 Meter zur nächsten Wohnbebauung entfernt wären“, wie Eveline Kroll berichtet.

Die Arbeit der Bürgerinitiative

Kroll fasste zusammen, was bisher in Werder gegen die Windkraftanlagen unternommen wurde. „Nach der Gründung der BI-Bliesendorf im Jahr 2012 und den vielen Einwendungen der Bürger gegen das geplante Windeignungsgebiet „Bliesendorfer Heide“, kurz WEG 24, im Beteiligungsverfahren sprachen sich die Ortsbeiräte von Bliesendorf und Glindow gegen den Windpark Werder aus. Der Hauptausschuss in Werder hat darauhin das WEG 24 im Beteiligungsverfahren zum Regionalplan abgelehnt. Unser Nachbarortsteil Glindow, mit Sigmar Wilhelm als Ortsvorsteher, steht zu uns und hat bei vielen Aktionen der Bürgerinitiative aktiv teilgenommen. Die BI-Bliesendorf hat mittlerweile in drei Beteiligungsverfahren mit Einwendungen und in drei Unterschriftensammlungen, wie u.a. bei der Volksinitiative und dem Volksbegehren erfolgreich die Werderaner Bürger aufgeklärt und beteiligt. Von der Stadt Werder wurde das Windeignungsgebiet 24 „Bliesendorfer Heide“  in sämtlichen weiteren Verfahren zum Regionalplan konsequent abgelehnt.  Der Regionalplan wurde trotz unseres gemeinsamen Widerstandes mit dem Windeignungsgebiet 24 beschlossen. Auch bei den Anträgen der Betreiberfirmen Prokon und UKA wurde das gemeindliche Einvernehmen durch  Werder nicht erteilt. Als Grundlage und um zeitlich die Genehmigungen aufzuhalten, wurde bereits 2012 von der Stadt Werder ein ausführliches Artenschutzgutachten beauftragt und in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführt. Es wurden über 200 Tierarten festgestellt, darunter auch viele sehr streng geschützte Arten, wie z.B. der Rotmilan. Die Artenkartierung wird seither von unserem ehrenamtlichen Naturschutzhelfer Karsten Bathe fortgeführt, so dass eine aktuelle Bestandsaufnahme weiterhin vorliegt. Alle wichtigen und sinnvollen Schritte, um die Genehmigung der Windkraftanlagen in Werder zu verhindern, werden gemeinsam mit der Rathausspitze und der Stadtverwaltung besprochen und durchgeführt“.

Zusammenarbeit mit der Stadt Werder

„Es war kein einfaches Jahr, aber wir haben viel geschafft. Am Herzen liegt mir auch, Dank zu sagen für die große Unterstützung unserer Bürgermeisterin Manuela Saß und die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Werder (Havel)“, so Eveline Kroll auch im Namen der Bürgerinitiative. Saß dankte im Gegenzug Eveline Kroll stellvertretend für alle engagierten Bürgerinnen und Bürger. „Niemand ist gegen erneuerbare Energie – aber bitte dort, wo es den Menschen nicht schadet“, machte sie ihren Standpunkt klar. „Wir werden Sie weiter begleiten“.

Die Termine 2017

21. März 2017, 18.30 Uhr: Waldbesinnung zum internationalen Tag des Waldes
Veranstaltung der Bürgerinitiative mit der Kirche Bliesendorf, Abendandacht, meditative Musik mit Lichtinstallation, die symbolisch die gefährdeten Bäume des Waldes darstellt, Wanderausstellung der „Bliesendorfer Waldspatzen“ in der Kirche Bliesendorf

13. Mai 2017, 10 Uhr: 6. Aktionswandertag „Rettet unseren Wald“ und Waldfest
Mit musikalischem Rahmenprogramm, für das leibliche Wohl wird gesorgt, Familienwanderung mit Schatzsuche i Wald, geführte Wanderung mit Erklärungen zur Flora und Fauna unseres Werderaner Waldes, Wandertreffpunkt mit Waldfest am Gemeindezentrum Bliesendorf, Bliesendorfer Dorfstraße 10

17. September 2017, 10 Uhr: Exkursion durch die Bogendüne Renneberge zum internationalen Tag des Geotops
Gemeinsame Veranstaltung mit dem Heimatverein Glindow, geführte Wanderung mit einem Geologen durch die Bogendüne Renneberge bis nach Esau und einer Rast am Forsthaus, mit Reservierung/Kostenbeitrag, Wandertreffpunkt am Gemeindezentrum Bliesendorf,

Informationen bei Frau Kroll: Tel. 03327 40842

Die Ausstellung

Sechs Monate lang hat der Werderaner Fotograf Jürgen Steinberg vom Kunstverein Orphée Bliesendorf und die Umgebung fotografisch begleitet. Die Ausstellung ist bis Ende Januar 2017 zu sehen,  die Motive sind auch käuflich zu erwerben. Steinberg hat in Bliesendorf einen wahren Schatz entdeckt und festgehalten – den Ort, die Menschen, die Natur. Die Laudatio hielt Kunstgeschoss-Kurator Frank Weber. „Wir sehen hier Fotografien von Jürgen Steinberg, der seine neue Heimat in Werder (Havel) gefunden und begeisterter Werderaner geworden ist. Jürgen ist oft in unserer Region unterwegs und findet Bildmotive, die nicht nur interessant sind, sie treffen auch das Wesentliche und sind archetypische Abbildungen unserer Umgebung, der Natur und der Landschaft“, lobte er die Fotografien. Er empfahl, einen Kalender herzustellen und an die Stellen zu senden, die für die Genehmigung der Windkraftanlagen zuständig ist, um ihnen dieses wunderbar intakte Ökogefüge vor Augen zu halten. (low)