Blütentour: Vom Hähnekrähen zum Siedlerhof

RGZV-Vorsitzender Christian Kärger und Enkel Paul Schlicht, im Hintergrund Pauls Zwerg-Orpington. Der krähte sich auf den zweiten Platz in der Jugendabteilung. Alle Fotos: wirsindwerder

Werder (Havel), 1. Mai 2018 – Glänzendes Gefieder, tolle Augen, ein aufrechter Kamm – aber heute ging es nicht um Schönheit – heute wurde um die Wette gekräht. Im 70. Jahr des Bestehens des RGZV „Hoffnung 1948“ Werder gab es heute das traditionelle „Hähnekrähen“ am Hohen Weg. Ein Wettbewerb, der übrigens bundesweit Tradition hat. Die prachtvollen Tiere der Werderschen Rassegeflügelzüchter sollten krähen, was das Zeug hält. Die meisten taten das auch – einige jedoch verweigerten sich völlig. Lag es am Wind, der stürmisch durch die aufgebauten Käfige wehte?

Ein spannender Wettbewerb um die meisten Kräher pro Stunde, bekanntermaßen einer der jährlichen Lieblingstermine der Bürgermeisterin Manuela Saß zum Baumblütenfest, die mit der Glocke pünktlich um 10 Uhr den Startschuss gab. Viele Gäste ließen sich das Spektakel nicht entgehen – obendrauf gibt es auf der Wiese der Familien Kärger/Matznick einen weiten Blick über die Havel. Vorn am Zelt kann man sich Kaffee, Kuchen und Wein für die kleine Pause holen.

Christian Kärger, Vorsitzender des RGZV, züchtet schon seit seiner Kindheit Zwerg-Orpington. „Diese Rasse hat selbst Queen Mum in England gezüchtet“, wie er uns schon in seinem Sonntagsfragebogen „Mein Werder“ berichtete. Der Zuchterfolg scheint auf Enkel Paul Schlicht überzugehen: Pauls Zwerg-Orpington holte mit 77 Krähern einen zweiten Platz in der Jugendabteilung. Während der ganzen Stunde ließ Paul seinen Hahn, aber auch die Konkurrenz nicht aus dem Blick. So hielten es auch die anderen Züchter, die meisten schon seit vielen Jahren dabei. Aufmerksam war auch die Jury, die sich auf ihre Strichlisten konzentrierten.

„Tiere halten ist schön, Tiere züchten ist interessanter. Gute Tiere züchten ist eine Kunst“, hieß es auf dem Banner, das der Verein anlässlich seines 70. Jubiläums präsentierte. Und mit Paul und den anderen Jungen und Mädchen hat der Verein bestimmt eine gute Zukunft. Interessierter Nachwuchs ist im Verein aber willkommen.

Blütenkönigin Peggy Sinning überreichte nach dem letzten Kikeriki dann die Pokale und Medaillen an die glücklichen Gewinner, gab Autogramme und beantwortete geduldig alle Fragen.

Die Gewinner beim Hähnekrähen

Große Hühner
1 Hartmut Polz mit seinen Araucaner 97 mal
2 Jürgen Matznick mit seinen Kraienköppen 95 mal
3 Klaus Junker mit den New Hampshire 52 mal

Zwerghühner
1 Wilhelm Petschig mit Zwerg Brahma 89 mal
2 Uwe Heese mit Zwerg Lachshühner 67 mal
3 Dirk Kuhröber Zwerg Wyandotten blau 53 mal

Jugend
1 Claudia Kuhröber mit ihrem Hahn 130 mal
2 Paul Schlicht  mit Zwerg Orpington 77 mal
3 Jonni Stöckel mit Brahma 23 mal

Auf Tour durch die Blüte

Das Schöne am Baumblütenfest ist, dass man so schön rumkommt und viele alte Bekannte trifft. Wir nutzten natürlich die Gelegenheit, mit dem Fahrrad ein paar Höfen einen Besuch abzustatten.

Auf dem Werderaner Tannenhof hat Toni Geißhirt einen schönen Platz für das Baumblütenfest gefunden, seine Weine sind lecker, die Musik von Karsten Perenz und seinem neuen Drummer Axel luden die Gäste am Brückentag zum Mitsingen ein.

Vom Tannenhof bis zum Kirschgarten von Stefan und Inge Iwanowitsch sind es nur ein paar Schritte – hier gibt es bewusst zum Blütenfest kein Programm und keine Musik. Und auch wenn die Kirschbäume nicht mehr blühen – hier finden die Gäste Entspannung und allerbeste Entschleunigung. Kaffee, Kuchen, Leckeres vom Grill und guter selbst gemachter Obstwein kann man unter alten Bäumen, an Tischen oder auf Strohballen sitzend genießen.

Bei Thierschmanns Lohnmosterei geht hingegen die Post ab – die gute Laune der Familie um Geli Thierschmann ist ansteckend, hier gibt es Musik, live oder aus der Konserve, hier wird auch gegrillt und gelacht. Die Weine fließen, es gibt auch Bier.

Weiter gehts auf der „Plötziner Kirschallee“. Die weltbeste Bratwurst soll es auf Van Damms Kirschenhof geben. Alle schwärmen davon und von der überaus herzlichen Gastlichkeit der beiden Niederländer, die in jeder Situation fröhlich bleiben und immer den Überblick behalten. Auch der Kaffee ist besonders lecker.

Schön ist es irgendwie überall, die Gäste werden herzlich willkommen geheißen – auch in der Kirschplantage von Lindickes. Selbst gebackener Kuchen, Weine, Secco, reichlich zu Essen. Während auch hier die Gäste die Ruhe abseits des innerstädtischen Trubels genießen, kann man im Stadtgarten von Lindickes im Hohen Weg wenigstens mal eine kleine Pause vom Gewimmel machen und sich dann gleich wieder hinein stürzen. Im Stadtgarten genießt man auch einen idyllischen Blick über die Havel.

Inge und Stefan Iwanowitsch in ihrem schönen Kirschgarten.

3333. Fahrgast der regio Bus Blütenrundfahrt überrascht

Herzliche Gastgeber gibt es auch auf Schultzens Siedlerhof. Die Familie um Vater Günter  und Sohn Michael, viele fleißige schmuck gekleidete Helferinnen und Helfer auf dem Siedlerhof im Bliesendorfer Ortsteil Elisabethhöhe kümmern sich von früh bis spät um die Gäste. Ob 15, 150 oder noch viel mehr Gäste da sind – der Stress bleibt draußen. Hier gibt es zu den üblichen Angeboten Kaffee, Kuchen, Schmalzstullen und Gurke sowie hausgemachter Wein auch noch Spargel und Schnitzel. Die Gegend ist herrlich, der Hof über die Blütenrundfahrten bestens erreichbar.

Mit einem Blütenbus kam heute auch Borga Irmscher mit ihrer Reisegruppe an. Sie staunte nicht schlecht, als sie von Hans-Jürgen Hennig, dem Geschäftsführer der regiobus Potsdam Mittelmark GmbH als 3.333. Fahrgast der Blütenrundfahrten beim diesjährigen Baumblütenfest begrüßt wurde. Anlässlich dieser gelungenen Schnapszahl überraschte er die Besucherin aus Limbach-Oberfrohna gemeinsam mit der Baumblütenkönigin Peggy mit einem Präsentkorb regionaler Spezialitäten.

„Viele Gäste unserer Blütenrundfahrten sind uns bereits seit Jahren treu. Daher wollten wir in diesem Jahr einfach einmal „Danke“ sagen. Und da es beim Werderaner Baumblütenfest ja gerade um den prozenthaltigen Obstwein geht, entschieden wir uns zusammen mit einigen Obstbauern einen unserer  Gäste per Schnapszahl in der ungefähren Festmitte auszuwählen. Bei jährlich rund 6.000 Nutzern der Blütenrundfahrten passte die 3.333. Wir wünschen Frau Irmscher einen leckeren Nachklang des diesjährigen Festes und würden uns freuen, wenn sie die Spezialitäten zu einem Besuch Potsdam-Mittelmarks auch nach dem Baumblütenfest locken“, so der Geschäftsführer.

Seit über 20 Jahren bietet die regiobus Potsdam Mittelmark GmbH, beziehungsweise ihre Vorgängerunternehmen, die Blütenrundfahrten zu den etwas vom Zentrum der Stadt entfernten Höfen während des Baumblütenfestes an. Jährlich nutzen ca. 6.000 Festbesucher diese Touren, um abseits des großen Festtrubels in Werder (Havel) die Obstgärten und die selbstgemachten Spezialitäten der Obstbauern zu genießen. Noch bis zum Festende am 6. Mai 2018 sind die Blütenrundfahrt-Busse unterwegs.

Frau Irmscher jedenfalls hat die Reise überzeugt wiederzukommen und ein paar Tage länger zu bleiben, wie sie verriet. Der Präsentkorb mit unter anderem Weinen vom Siedlerhof Schultze, dem Obsthof Lindicke, der Überraschungstüte vom Tannenhof und Marmeladen vom Derwitzer Hofladen wird sie darin bestimmt bestärken. Angestoßen wurde  dann auch gleich mit der „Roten Lola“, dem mit einer Kruke prämierten Obstwein von Günter Schulz.

Am morgigen Mittwoch findet der traditionelle „Werdertag“ anlässlich des Baumblütenfestes statt. Um 14 Uhr gehts los, Treffpunkt ist wie immer die Bühne am Marktplatz auf der Insel.

Kitas, Schulen, Vereine und Clubs der Stadt Werder und der Ortsteile gestalten das Nachmittag- und Abendprogramm, ab 19 Uhr gibt es Livemusik mit  Blacksmith & Sima. (wsw)

Der Geschäftsführer der regiobus Potsdam Mittelmark GmbH Hans-Jürgen Hennig, Michael Schultz von Schultzens Siedlerhof, Borga Irmscher und Blütenkönigin Peggy Sinning.