Bruno Krause – Ein Radballer-Urgestein aus Werder

Bruno Krause gehört zu den Sportlern der Blütenstadt, die nach dem Krieg den Radballsport im RV Borussia 1895 wieder aktivierten. Foto: wsw

Werder (Havel), 28. August 2017 – „Ich wollte gut sein. Da habe ich die alten Karnickelställe auf dem Hof umgebaut – zehntausende Male habe ich den Ball geschossen“. Bruno Krause erinnert sich lebhaft an seine Anfänge im Radball. Der 97-jährige Werderaner gehört zu den Urgesteinen des Radfahrervereins Borussia 1895 e.V. in der Blütenstadt. Und obwohl er schon mit fünf Jahren sein erstes Zweirad bekam, sollte es bis zu den großen Erfolgen noch einige Jahre dauern. Nicht zuletzt, weil auch Bruno Krause in den Krieg musste.

Vorbild waren seine Eltern, denn sein Vater war im Verein aktiv als Kunstreigen-Fahrer, gemeinsam mit der Mutter auch als „Wanderfahrer“. 1930 bekam Bruno bereits ein  Herrenrad – sein ganzer Stolz. Obwohl längst sicher auf dem Rad, durfte er aber erst mit 14 Jahren dem RV Borussia beitreten. Und endlich konnte er auf Radballrädern spielen. Das Fahren auf seinem Diamant-Rennrad, das er sich mühsam selbst zusammen gespart hatte, diente dann nur noch dem Konditionstraining und natürlich dem Fortkommen von A nach B. Immerhin kamen da pro Woche 50 bis 150 Kilometer zusammen. Mal mehr, mal weniger – schließlich war Bruno im Obstbau der Familie und der Lehre eingebunden. Faulheit gab es damals nicht, seit der frühen Kindheit musste Bruno helfen. Das war allerdings nicht ungewöhnlich in dieser Zeit.

Willi Krause wurde in der Brandenburger Straße im Elternhaus geboren. Sein Urgroßvater Wilhelm Krause war als Mühlenmeister am Mühlenbau in Werder beteiligt, die Großeltern von Bruno Krause waren Oskar Krause und Emma Krause, eine geborene Rietz. Ein Cousin seines Vaters war später auch Müller auf einer Bockwindmühle, von der aus er abends gern Trompete spielte. „Man ist ja mit jedem hier in der Stadt irgendwie verwandt“, lächelt er. Und alle hatten irgendwie mit dem Obstanbau zu tun. War der Opa ursprünglich Bäcker, wurde er später Obstzüchter. Auch der Vater Willibald wurde natürlich Obstzüchter. Mit seiner aus der Nähe von Friesack stammenden Frau Selma kam „endlich frisches Blut in die Familie“. Aber auch der Lebensweg von Bruno schien klar: nach Schule, Lehre und Gehilfenjahre sollte und wollte einen Obstbaubetrieb. Einen eigenen. Nach der Gehilfenprüfung 1937 bekam er dann auch eine Arbeit in Marquardt. Noch bevor er 18 Jahre alt war, lernte er dann an der Obstbauschule in Werder.

Aber auch der Radsport gehörte weiter zu seinem Leben, er besuchte Radrennveranstaltungen in der Berliner Deutschlandhalle und nahm selbst an Wettbewerben, unter anderem dem „Großen Preis der Jugend“, erfolgreich teil. Noch vor dem Kriegsbeginn spielte er bei den Männern Radball. „Viel Training und viele Turniere“, wie sich Bruno Krause erinnert. Dennoch kam bei ihm auch die Unterhaltung nicht zu kurz – er war interessiert an Theater und sportlichen Veranstaltungen in Berlin, die er oft besuchte. Doch auch Bruno Krause musste in den Krieg ziehen, aus dem er mit mehreren schweren Verwundungen unter anderem aus dem „Russenfeldzug“ heimkehrte. Neben schweren Schussverletzungen in Brust und Hals hatte er einen Kniedurchschuss, verlor durch den Gefechtslärm fast sein Gehör. „Ein halbes Jahr war mein Bein in Gips, als der wieder ab war, hatte ich im Prinzip keine Muskeln mehr in diesem Bein“.

Aber er begann wieder zu trainieren und getreu seinem Motto: „Kein Bier, kein Schnaps, kein Nikotin – höchstens mal ein Gläschen Wein“ war er diszipliniert dabei. „Von wegen Invalide!“. Das war ihm auch bei seiner späteren Tätigkeit als Radball-Ausbilder wichtig. „Tüchtig trainieren und auch mal verlieren können“ – ein weiterer Merksatz von Bruno Krause, der noch heute auf dem Hometrainer seine Kilometer abfährt.

Bruno Krause als jugendlicher Radballer. Foto: privat

Nach dem Krieg wurden alle Vereine aufgelöst, doch schon 1948 wurde der Radfahrer-Verein in Werder wieder aufgebaut. „Das Material war schlecht, aber es gab geschickte Hände im Verein“.
„Was waren wir für eine tolle Truppe!“, schwärmt er von seinen aktiven Zeiten bis 1970. Adolf Weichert,  Willi Bäck, Alfred Bölke und Karl Kuhlbrodt, Gerhard Große, Paul Mechlin, Wolfgang Engel – zählt er einige Namen auf. „Etliche Male waren wir Landesmeister Berlin-Brandenburg“. Diese und weitere Erfolge, die Weitergabe des Wissens an die nachfolgenden Generationen – eine Aufgabe, der sich Bruno Krause mit aller Kraft widmete und aus der er heute anekdotenreich berichten kann.

Zudem hatte und hat er natürlich auch ein Arbeits- und Privatleben. Die vielen Geschichten, die Bruno Krause über seinen großen Anteil an der Entwicklung des Obstanbaus in der GPG in Werder oder dem Bau des Hauses „Frühling“ hatte oder die Idee, nach Kanada auszuwandern, die vielen Reisen, die er mit seiner Frau in seinem geliebten BMW in viele Alpenregionen machte. Die Tatsache, dass seine Frau von ihm immer noch jede Woche eine Blume geschenkt bekommt, der Stolz, mit dem er den Satz „Mein Leben ist der Obstbau“ ausspricht, seine Söhne – all’ diese Geschichten müssen noch erzählt werden. Bekannter ist vielleicht noch die Geschichte, dass die Stadt Werder (Havel) auf seine Initiative hin Ende 2001 ein Denkmal errichtet hat, um allen Menschen zu gedenken, die Opfer von Kriegen und Gewalt geworden sind.

Bruno Krause, ein wacher Kopf trotz des hohen Alters, früher wie heute ein streitbarer Geist, voller Ideen, ein lebhafter Erzähler – er wünscht sich zum Schluss des Gespräches, dass wir auf jeden Fall seinen Appell an die Eltern veröffentlichen sollen: „Liebe Eltern, kennt Ihr den Radsportverein in Werder? Einer-Kunstradfahren, Reigenfahren, Radball – zeigt das Euren Kindern. Das ist ein schöner Sport!“ (low)


Hier gibt es alle Informationen zum Verein: rv-borussia-werder.de

Aus der Geschichte des Vereins

Borussia Werder hat Radsportler, die auch noch heute dem Verein verbunden sind. Vielen werden die Namen Bruno Krause, Willi Bäck, Karl Kuhlbrodt, Alfred Bölke, Karl Kassin, Horst Rosenmüller, Gerd Große, Gunter Schwäber, Peter Tschirch, Wolfgang Engel, Adolf Weichert, Waldemar (Waldi) Lehmann etwas sagen. Sie waren die ganz Großen im Radball. Deutsche Jugendmeister im Radball, als Mannschaften stiegen sie in die DDR-Oberliga auf und spielten 1962 und 1963 in der DDR-Liga und brachten so manche Gegner zur Verzweiflung. Einen nicht unwesentlichen Teil der Werderaner Radsportgeschichte schrieben auch Gerhard Große, Horst Rosenmüller und Peter Tschirch, welche auch seit mehr als 50 Jahren diesem Sport die Treue hielten. (Quelle: https://www.rv-borussia-werder.de/so-fing-alles-an/)