Bundespräsident überreicht Europässe in Götz

Louis Frederick Weber erhält seinen Europass aus den Händen von Elke Büdenbender und Glückwünsche vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Foto: wsw

Werder (Havel)/Götz, 18. April 2018 – Hoher Besuch im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz. 24 Auszubildende haben in dieser Woche von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender sowie dem Präsidenten der Handwerkskammer Potsdam, Robert Wüst, ihre Europässe erhalten. Auch der Werderaner Louis Frederick Weber stand auf der Bühne und nahm seinen Europass entgegen, der ihm als Zertifikat bestätigt, dass er ein Auslandspraktikum im Rahmen des Programms Erasmus+ absolviert hat.

Mit dem Europass Mobilität halten die Auszubildenden nun ein Zertifikat in den Händen, das ihnen die im Ausland erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten schwarz auf weiß bescheinigt. Die Auszeichnungsveranstaltung fand im Rahmen der Woche der beruflichen Bildung „Du bildest Zukunft“ statt, deren Schirmherrschaft Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender übernommen haben.

Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, zeigte sich erfreut über den hohen Besuch: „Der Besuch des Bundespräsidenten und seiner Frau Elke Büdenbender ist ein Ausdruck der Wertschätzung gegenüber der beruflichen Bildung im Handwerk. Auszubildende, die im Rahmen ihrer Ausbildung den Schritt ins Ausland gewagt haben, verdienen Anerkennung. Auslandspraktika im Rahmen des Programms Erasmus+ stärken das berufliche und persönliche Profil der Auszubildenden und dienen den Betrieben als wertvolle Komponente bei der Sicherung qualifizierter Mitarbeiter mit europäischer Arbeitserfahrung und dem so wichtigen Blick „über den Tellerrand“. Wir verstehen den Besuch des Bundespräsidenten ebenso als Zeichen, dass wir gemeinsam dafür eintreten müssen, die Wichtigkeit und vielfältigen Chancen der beruflichen Bildung immer wieder zu verdeutlichen.“

Der 22-jährige Louis Frederick Weber, der seine Ausbildung – jetzt im 3. Lehrjahr –  bei Vater Wolfgang Frederick in der Möbelwerkstatt macht, war einige Wochen in Spanien, in Torremolinos. Während andere Lehrlinge bei der Veranstaltung in Götz berichteten, dass sie anfangs Sprachschwierigkeiten hatten und mit „Händen und Füßen“ sprachen, konnte sich Louis sehr gut verständigen – er war bereits ein Jahr lang in Chile. „So war ich schnell drin im Betrieb“. Er war nur drei Wochen in Spanien. „Es reicht aus, eine Erfahrung zu machen. Wenn man jedoch die Menschen und die Arbeitskultur intensiv kennen lernen will, bräuchte es mehr Zeit“.

Grundsätzlich würde er jedoch wieder ins Ausland gehen. Zudem war die Arbeitserfahrung eine ganz andere – er kam in eine Bautischlerei. „Ein ganz anderes Feld als bei uns im Möbelbau“. Vater Wolfgang Frederick betonte, dass es immer gut sei, wenn man im Praktikum etwas lernt, was man im eigenen Ausbildungsbetrieb nicht macht, und dabei über den Tellerrand blickt. Für ihn war die Entscheidung, eine Arbeitskraft in seiner kleinen Firma für die Zeit des Praktikums zu verlieren, aber dennoch die Ausbildungsvergütung weiter zahlen zu müssen, eine schwierige Frage. Aber die Handwerkskammer unterstützte ihn, so dass Louis reisen konnte. Dennoch plädiert Frederick für einen echten statt des einseitigen Austauschs, er hätte gern einen spanischen Auszubildenden aufgenommen.

Frederick-Möbel (www.moebelwerkstatt-werder.de) gibt es 1994 in Werder, Wolfgang Frederick ist Tischler/Möbelrestaurator. Seit einem Jahr hat die Firma ihren Sitz in der Eisenbahnstraße 97/98. „Wir haben uns spezialisiert auf Möbel, wir bauen neu, wir reparieren, wir restaurieren“. Über die Jahre sei die Firma der Betrieb für das ganz Spezielle, für besondere Probleme geworden. Und in den allermeisten Fällen konnten alle Probleme gelöst werden, sagt Wolfgang Frederick. Louis ist auf jeden Fall froh über seine Ausbildung: „Es ist ein Glück, dass wir fast in einer ‚Nische‘ arbeiten können. Eine sehr ursprüngliche, klassische Form des Möbelbaus“. Mit diesen Erfahrungen will sich Louis noch weiter entwickeln – bei einem Produktdesign-Studium.

Louis Frederick Weber mit Vater Wolfgang Frederick. Foto: wsw

Neben der Teilnahme an der Europassverleihung der Handwerkskammer Potsdam besuchen der Bundespräsident und Frau Büdenbender in dieser Woche weitere Einrichtungen in ganz Deutschland, um sich über Qualität und Perspektiven der beruflichen Bildung zu informieren. Mit ihrem Besuch bei Bildungseinrichtungen, ausbildenden Unternehmen und weiteren Einrichtungen möchten sie auf den hohen gesellschaftlichen Wert der beruflichen Bildung und die Leistung der entscheidenden Akteure für die Fachkräftegewinnung in Deutschland aufmerksam machen. Ziel der Themenwoche ist es, die Karrierechancen der beruflichen Bildung herauszustellen, ihre Integrationskraft für die Gesellschaft zu betonen und dabei auch die aktuellen und künftigen Herausforderungen, vor denen sie steht, in den Blick zu nehmen. (wsw)


Hintergrund
Seit 20 Jahren betreut die Handwerkskammer Potsdam ihre Mitgliedsbetriebe, um Auszubildenden im Handwerk einen betrieblichen Lernaufenthalt im europäischen Ausland zu ermöglichen. Allein im Jahr 2017 wurden von der Kammer 145 Auszubildende im Projekt beraten und unterstützt.

Mit Hilfe des Bundesprogrammes “Berufsbildung ohne Grenzen” (Förderung durch das BMWi) ist die Handwerkskammer Potsdam zusätzlich Träger des Projektes der “Mobilitätsberatung”. Diese Mobilitätsberatung steht den Auszubildenden und Betrieben zur Seite und organisiert den Gesamtablauf eines Auslandspraktikums in Zusammenarbeit mit den ausländischen Partnern, den Berufsschulen sowie den überbetrieblichen Lehrstätten.