Christin Schiffner: Zu Gast beim Bundespräsidenten

Christin Schiffner. Die Werderanerin fährt zum Empfang des Bundespräsidenten.

Werder (Havel), 2. September 2016 – Christin Schiffner wird am 9. September vom Bundespräsidenten Joachim Gauck empfangen. Die 21-jährige Werderanerin ist aber überhaupt nicht aufgeregt. Und sie weiß auch nicht so genau, was sie erwartet. Sie weiß aber schon, was sie anziehen wird: ihr Lieblingskleid, das sie schon zum Abiball trug. Ein schlichtes schwarzes Etuikleid mit Spitze im Oberteil. Ihre langjährige Freundin Jana Volpers wird sie begleiten.

Bundespräsident Joachim Gauck lädt alljährlich, in diesem Jahr am 9. und 10. September, zum Bürgerfest in das Schloss Bellevue und den Schlosspark ein. Mit dem Bürgerfest würdigt der Bundespräsident die Menschen in Deutschland, die mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement zu einer starken Zivilgesellschaft beitragen.
Am 9. September dankt der Bundespräsident rund 4 000 Engagierten mit einer persönlichen Einladung, die gesellschaftliche Herausforderungen aktiv angehen, ihre Werte leben und anderen Menschen helfen. Sie werden von 17 bis 24 Uhr seine Gäste sein.

Und zu diesen ausgewählten 4 000 Gästen gehört Christin Schiffner. Sie freut sich, fühlt sich natürlich auch geehrt, weiß aber nicht so richtig, warum sie eingeladen wurde. „Andere machen viel mehr als ich“, stapelt sie ein bisschen tief. Denn ist es schon beachtlich, dass sie seit acht Jahren ehrenamtlich bei der Wasserwacht Potsdam tätig ist.
Waren es vor ihrer Ausbildung bis zu 400 Stunden jährlich, schafft sie das jetzt während ihrer Ausbildung zur Geomatikerin (Kartograph) nicht mehr. Dieser Beruf war anfangs nicht so der Traumberuf, „aber jetzt ist es perfekt“, sagt Christin. „Das ist die beste Vorbereitung auf mein Studium“. Geowissenschaften will sie nach der Ausbildung in Potsdam studieren.

Seit zwei Jahren wohnt sie erst mit ihrer Mutter in Werder, „aber unsere Familie stammt von hier“. Sie mag die Stadt, und wenn sie mal ins Kino oder mit Freunden etwas trinken gehen möchte, kann sie das bequem mit ihrem Auto machen und hat sie kein Problem damit, dass hier vielleicht nicht so viel los ist. Auch das Fotografieren macht ihr Spaß. „Landschaften, Freunde, Sport, Trainingslager“ – Motive gibt es genug und eine gute Ausrüstung hat sie mit einer Spiegelreflexkamera und einer Bridgekamera auch. Sogar eine Hochzeit hat sie bereits mit ihrer Kamera begleitet.
Allerdings bleibt wenig Zeit für Hobbys oder altersentsprechenden Vergnügungen, denn an den Wochenenden ist sie ja bei der Wasserwacht. Was gehört zu den Aufgaben bei der Wasserwacht? „Strandaufsicht, havarierte Boote abschleppen, Personensuche … und viele Lehrgänge, Sitzungen und Weiterbildungen“ – und mit Baywatch habe das alles gar nichts zu tun, lacht sie.

Christin schwamm schon vor der Schulzeit als kleines Mädchen gut, war Leistungsschwimmerin, hörte damit in der 5. Klasse wieder auf und machte jahrelang gar nichts. „Durch Zufall hörte vom Schwimmmeister in Geltow von der Wasserwacht – und jetzt bin ich auch schon acht Jahre dabei“. erzählt sie. Als ausgebildete Rettungsschwimmerin kann sie nicht nur gut, sondern auch ausdauernd schwimmen und natürlich tauchen. Sie hat die Griffe gelernt, die man braucht, um Menschen im Wasser abzuschleppen. Aber auch Befreiungsgriffe, die vielleicht nötig wären, wenn es aggressiv wird. „Tatsächlich ist das eine anspruchsvolle Ausbildung“, sagt sie. In drei Wochen beendet sie außerdem die Ausbildung in Theorie und Praxis zur Wasserretterin.
Aber das ist noch nicht alles. Sie hilft bei der Wasserwacht auch im Hintergrund. „Trainingslager organisieren, Listen führen, Kostenberechnungen …“ – Sie kann einiges aufzählen. Christin betreut außerdem einmal pro Woche eine Trainingsgruppe, ihr Trainer beaufsichtigt das zwar noch, weil sie bislang noch keine Ausbildung als Rettungschwimmer-Ausbilderin hat. Aber das kommt auch noch …

Auch in der Berufsausbildung hat sie schöne Erfolge vorzuweisen. Mit einer Schülergruppe des Potsdamer Humboldt-Gymnasium und mit ihrem Kollegen Lucas Meyer hat sie einen Spezial-Stadtplan für Flüchtlinge entwickelt, den es jetzt im Erstaufnahmelager der Landeshauptstadt gibt und der den Flüchtlingen wichtige Wege in der Stadt Potsdam aufzeigt.
Handlich, mehrsprachig, mit den Bus- und Tram-Linien, mit wichtigen Gebäuden wie Beratungsstellen, Krankenhäusern, Polizei oder Stadthaus, Theater oder Bibliothek soll er die Orientierung erleichtern. Ein kleiner Sprachführer mit gebräuchlichen Sätzen, Fragen und Antworten sowie wichtigen Telefonnummern ergänzt den Stadtplan. Dafür gab für Christin und ihre engagierten Mitstreiter der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB) den Ravenstein-Förderpreis zur Förderung des kartographischen Nachwuchses in der Bundesrepublik Deutschland.

Das ist doch alles sehr beachtlich für eine so junge Frau, oder? Und wieder ist Christin bescheiden: „Naja, wie gesagt, ich komm gar nicht mehr auf so viele Stunden. 200 vielleicht im Jahr. Es gibt bei der Wasserwacht welche, die kommen auf viel viel mehr!“
Wir sind uns aber sicher, dass Christin genau diese Ehre verdient hat. Und wünschen ihr einen schönen Nachmittag und Abend im Schloss Bellevue und im Schlosspark.