Cindy Linke: „Werder ist wie ein Lottogewinn für mich“

Cindy Linke bei der Vorstellung ihrer Nachfolgerin als Blütenkönigin, Christin Schiffner. Foto (40): wsw

Werder (Havel), 28. April 2017 – Cindy Linkes Jahr als Baumblütenkönigin geht heute zu Ende. Sie wurde Blütenkönigin, da war die Unterschrift auf ihrem Mietvertrag für die Wohnung auf der Insel noch feucht. Eine Neuwerderanerin als Blütenkönigin – was soll das denn? Und nur eine einzige Bewerberin? Skandal. Doch Cindy Linke hat sich – allen Unkenrufen zum Trotz – durchgesetzt, gehört inzwischen zur Stadt, als ob sie hier aufgewachsen wäre. Und bleibt in Erinnerung als beliebte, sympathische, fröhliche und engagierte Blütenkönigin.

Gefragt, wie sie Jahr erlebt hat, sprudelt sie los: „Aufregend! Das Jahr war aufregend und ereignisreich. Ich habe viele sehr nette Leute und Ecken von Werder kennen gelernt, die vielleicht nicht mal alle Werderaner kennen. Diese Stadt zu repräsentieren hat mir große Freude gemacht“.

Schneller als in einem solchen Amt kann man wohl auch Land und Leute nicht kennen lernen: „Stimmt“, sagt sie. „Das war der beste Start in die Stadt. Viele Werderaner, die ich traf, sind inzwischen meine Freunde geworden. Und ich habe Kontakte geknüpft, die mich wahrscheinlich ein Leben lang begleiten werden. Bartschi, der fast immer dabei war – ohne ihn wäre es nur halb so lustig gewesen“. Ein großes Dankeschön möchte sie an dieser Stelle nicht nur an ihren städtischen Betreuer sondern an die Bürgermeisterin Manuela Saß richten, die ja auch bei vielen ihrer Termine war.

Keinen der über 60 Termine möchte sie als schönsten benennen. „Jeder Termin hatte seinen Reiz. Die Altenheime, in denen die Leute anfangs sagten – hmm, sie wohnt ja erst neu hier. Am Ende haben alle gesagt, dass ich das gut gemeistert habe“. Da habe sie sich dann auch gefreut. „Ach, und die strahlenden Kinderaugen – immer wieder schön. Oder der Termin bei Hertha BSC – mein Blick hinter die Kulissen. Wie sich das Stadion füllt, wie das Spiel läuft, wie wieder alle gehen, die Sonne geht unter, die Lichter gehen aus. Sehr beeindruckend“. Sogar der Hertha-Präsident sei noch an den Werder-Stadt im Foyer gekommen, zum Fotos machen. Die Grüne Woche wäre ein weiteres Highlight gewesen, wenn auch sehr anstrengend: „Ich war dort den ganzen Tag unterwegs, so viele Menschen. Man sieht viel, alle Händler begrüßen einen freundlich, ich habe den Ministerpräsidenten getroffen. Schön war das Königinnentreffen.“

Ganz am Anfang ihrer Königinnenzeit stand natürlich die Blütenfestzeit. „Ich habe in diesen Tagen komplett die ganze Stadt kennengelernt. Die Gäste, die Werderaner, die Obstbauern – alle waren sehr herzlich. Und abends bin ich meist noch einmal raus zum Feiern – ohne Königinnenkleid“.

Ist sie gewachsen an dieser Aufgabe? „Auf jeden Fall. Das Amt ist ein Geschenk. Wenn ich mir die Fotos vom Blütenball anschaue, das habe ich letztens gemacht, und sehe, wie mein Kopf schüchtern unten ist, oh mein Gott. Erst dachte ich, wie peinlich. Aber es ist nicht peinlich. Jetzt gehe ich raus mit erhobenen Kopf. Ich kann schlafen, wenn ich weiß, ich muss am folgenden Tag eine Rede halten. Man legt sich ja immer etwas zurecht, am Ende sagt man dann doch etwas anderes. Da ist viel Spontaneität dabei. Ich musste mal bei der Hochzeit meiner Schwester sprechen – ein Jahr zuvor. Da habe ich mit meiner Mutti zusammen ein Gedicht geschrieben, ich musste das vortragen. Ich habe gezittert, ich habe Angst gehabt. Obwohl ich doch die meisten Leute kannte. Geweint hätte ich sicher auf jeden Fall. Das würde ich heute alles ganz anders meistern“.

Das rosa Kleid, das sie in der Amtszeit so oft getragen hat, bleibt bei ihr. Morgen zum Umzug wird sie es noch einmal tragen – Cindy ist wie hoffentlich viele ehemaligen Blütenköniginnen in Kleid oder Schärpe beim Wagen des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins dabei. Sie ist jetzt Mitglied des Vereins, eine Ehre, die allen Blütenköniginnen nach der Amtszeit zuteil wird. Und sie will sich auch im Verein engagieren. Natürlich muss immer auch Zeit für Privates bleiben, da hat sie ja zurückgesteckt in der letzten Zeit. Und auch ihre Hunde brauchen sie und Cindy mag sie nicht zu oft zu lange allein lassen. Aber: „Auf den Frischemarkt komme ich auf jeden Fall immer gern – das sind immer so schöne Veranstaltungen, viel Spaß auch, mit Karsten Perenz zu singen, das ist wirklich immer total schön. Ansonsten sehe ich mal, ich lass‘ mich überraschen, was da auf mich zukommt“.

Was gibt eine Blütenkönigin ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg? „Wir haben nach der Pressekonferenz neulich gleich mal die Telefonnummern getauscht. Falls sie Fragen hat. Am Anfang wird Christin sehr viel Muskelkater haben, weil man einfach ständig lächelt oder lacht. Besonders in der Festwoche, jeder will ein Foto, man lächelt. Man hat eigentlich keine Zeit, man will sich aber die Zeit nehmen! Man geht abends ins Bett und die Wangen tun weh! Aber das spielt sich ein und am Ende klappt das ohne Probleme. Wenn man wie ich ohnehin ein fröhlicher Mensch ist, dann ist das wirklich kein Problem.“

Wie sind die Kollegen ein Jahr lang mit einer Mitarbeiterin klar gekommen, die viele Aufgaben als Blütenkönigin hat? „Oh, die sind super. Und eigentlich war es ja auch ihre Idee, dass ich mich als Blütenkönigin bewerbe. Deshalb mussten sie da durch. Aber sie haben mir keinen einzigen Stein in den Weg gelegt. Beispielsweise die Grüne Woche. Meine Kollegin Martina Naujock, die immer für mich eingesprungen ist, die immer für mich ihre Termine verschoben hat, die nebenbei auch noch studiert, war sehr krank. Und ein Grüne-Woche-Termin war ja am Montag, da habe ich gesagt, okay, die Arbeit geht vor. Aber dann sagte meine Chefin Inga Vetrella-Paare, nein, wir sind hier zwei Tierärzte – wir machen das! Man muss dazu sagen, der Montag ist der Tag mit der langen Sprechstunde bis 20 Uhr. Und sie haben das für mich gerockt. Das fand ich Klasse! Danke!“

Und einen weiteren Dank richtet Cindy an die Stadt und alle Werderaner: „Ich bin glücklich hier. Werder ist für mich wie ein Lottogewinn. Angekommen. Zuhause. Glücklich. Auch wenn es wie bei jedem mal so Tage gibt, an denen es nicht so läuft. Und ich hatte auch in Hamburg eine schöne Zeit, die Praxis dort und auch die Kollegen – alles super. Aber da bin ich einfach mit der Stadt nicht warm geworden. Und hier ist es einfach schön, sicherlich auch durch das Amt habe ich schnell und gute Freunde gefunden. Wenn man nicht will, muss man hier nicht allein sein. Ich könnte hier so viele Leute fragen, ob sie Zeit für mich haben – das ist wirklich schön“.

Was macht die ab heute Abend ehemalige Blütenkönigin? „Das ist Wetter- und Hundeabhängig. Ich nehme die Hunde im Fahrradanhänger mit, so wie ich auch zur Arbeit fahre. Und dann mache ich eine Panoramatour. Ich habe extra Urlaub genommen. Und abends gehört die Insel mir. Aber das habe ich auch schon im vergangenen Jahr gemacht, dass ich abends nochmal losgezogen bin – ohne Kleid“. Ihr Lieblingswein: gern Erdbeere, aber eigentlich alle Sorten, wenn sie schmecken. Beim Verkosten zur Verleihung der Goldenen Kruke war es Birnenwein, der ihr besonders schmeckte.

Vielen Dank, Cindy – für ein schönes Jahr mit Dir! Alles Gute – wir sehen uns!