Das ändert sich 2018

Potsdam / Werder (Havel), 2. Januar 2018 – Höhere Freibeträge, mehr Kindergeld und Maßnahmen gegen Steuervermeidung und Steuerbetrug – zum Jahresbeginn gibt es nicht nur gute Vorsätze sondern regelmäßig auch steuerliche Änderungen, die sich auf den Alltag der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen auswirken.

Wie Brandenburgs Ministerium der Finanzen mitteilte, steigt der Grundfreibetrag zur Steuerfreistellung des Existenzminimums um 180 Euro auf 9.000 Euro. Zusätzlich sieht das Gesetz zur Abmilderung der Effekte der sogenannten „kalten Progression“ eine weitere Verschiebung der Tarifeckwerte um die geschätzte Inflationsrate des Jahres 2017 (1,65 Prozent) vor.

Für Familien werden ab 2018 sowohl der Kinderfreibetrag als auch das Kindergeld erhöht. Der Kinderfreibetrag wird von derzeit 4.716 Euro auf 4.788 Euro pro Kind angehoben. Das Kindergeld wird ab 1. Januar 2018 um zwei Euro je Kind/Monat erhöht. Ab 2018 werden dann für ein erstes und zweites Kind jeweils 194 Euro, für das dritte Kind 200 Euro und für jedes weitere Kind jeweils 225 Euro monatlich gezahlt. Wie bisher prüft das Finanzamt im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung, ob das Kindergeld oder ob die steuerlichen Kinder-Freibeträge günstiger sind. Bezüglich des Kindergeldes ist zu beachten, dass Kindergeld nur noch für höchstens sechs Monate rückwirkend beantragt werden kann (bisher vier Jahre).

Bürgerinnen und Bürger, die beim Lohnsteuerabzug die Vorsorgepauschale in Anspruch genommen, tatsächlich aber entsprechend geringere Vorsorgeaufwendungen haben, sind zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn die Arbeitslohngrenzen überschritten werden. Diese Arbeitslohngrenzen werden von derzeit 11.200 Euro bei Alleinstehenden bzw. 21.250 Euro bei Verheirateten auf 11.400 Euro bzw. 21.650 Euro erhöht.

Ab 1. Januar 2018 werden auch Investmentfonds der Körperschaftsteuer unterworfen. Auf die Anleger hat dies jedoch grundsätzlich keine Auswirkungen. Die neue Steuerbelastung auf Fondsebene wird durch pauschale Teilfreistellungen ausgeglichen. Die Freistellungssätze richten sich nach der Art der Anlagen des Fonds. Bei Aktienfonds sind 30 Prozent der Erträge des Anlegers freigestellt. Bei natürlichen Personen, die ihre Investmentanteile im Betriebsvermögen halten, sind es 60 Prozent der Erträge. Die Kapitalertragsteuer wird weiterhin durch den Fonds berechnet und abgeführt. Für die Anleger ändert sich insofern nichts. Die Reform dient der besseren Einfügung der deutschen Besteuerungsregeln in EU-rechtliche Vorgaben und soll Steuersparmodelle verhindern. Das äußerst komplexe Investmentbesteuerungssystem wurde durch einfachere Regelungen ersetzt. Insbesondere das Massen-Besteuerungsverfahren bei Publikums-Investmentfonds wird dadurch praktikabler und der administrative Aufwand auf Dauer verringert.

Unternehmen und Selbstständige dürfen ab 2018 Schreibgeräte, Tablets, Smartphones oder Büromaterialien bis zu einem Wert von 800 Euro sofort abschreiben. Die Grenze für diese Sofortabschreibung von Arbeitsmitteln und Wirtschaftsgütern wird ab 2018 nämlich von 410 Euro auf 800 Euro angehoben. Für Anschaffungen nach dem 31. Dezember 2017 gilt: Arbeitsmittel deren Kaufpreis (ohne Umsatzsteuer) 800 Euro nicht übersteigt, können im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgezogen werden. Wird die Grenze überschritten, sind die Anschaffungskosten auf die voraussichtliche Nutzungsdauer zu verteilen.

Die Finanzverwaltung erhält vom Gesetzgeber ab 1. Januar 2018 die Möglichkeit einer so genannten Kassen-Nachschau. Das heißt, es kann ohne vorherige Ankündigung die Ordnungsmäßigkeit der Aufzeichnungen und Buchungen von Kasseneinnahmen und Kassenausgaben geprüft werden. Hierzu können eine Amtsträgerin oder ein Amtsträger während der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeiten Geschäftsgrundstücke oder Geschäftsräume betreten und die Vorlage von Aufzeichnungen, Büchern sowie die für die Kassenführung erheblichen sonstigen Organisationsunterlagen und die Erteilung von Auskünften verlangen. Das Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen sei ein wichtiger Schritt für mehr Steuergerechtigkeit, indem Wettbewerbsnachteile zwischen steuerehrlichen und steuerunehrlichen Unternehmen ausgeglichen werden.

Das Mutterschutzgesetz schützt seit 1. Januar 2018 nun auch Studentinnen, Schülerinnen und Auszubildende. Neben der Verbesserung des Kündigungsschutzes werden die Arbeitgeber noch ausdrücklicher verpflichtet, Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass eine Schwangerschaft kein Aus für die Berufstätigkeit bedeuten muss. Für die Arbeit nach 20 Uhr bis 22 Uhr wird nun ein behördliches Genehmigungsverfahren eingeführt. Unter anderem muss die Frau sich ausdrücklich bereit erklären, nach 20 Uhr zu arbeiten.

Der Regelsatz für Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II steigt für Alleinstehende von 409 Euro auf 416 Euro pro Monat. Die Grundsicherung für Kinder und Jugendliche vom 7. bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres erhöht sich um fünf Euro.

Bei einem Missbrauch der Bank- oder Kreditkarte haften die Kunden jetzt nur noch mit einem Betrag von 50 Euro, zuvor waren es 150 Euro. Weiterhin unbegrenzt müssen die Kunden für Schäden aufkommen, wenn es sich um grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz handelt.

Europas Währungshüter haben die Abschaffung des 500-Euro-Scheines angekündigt. Das befördert die Angst vieler Bundesbürger Obergrenzen für Barzahlungen und vor der Abschaffung des Bargeldes. Doch beim 500-Euro-Schein geht es erstmal nur darum, den Kriminellen das Handwerk zu erschweren. Die Bundesbank hat inzwischen jedoch eine Neuauflage des 500-Euro-Scheins im Laufe des nächsten Jahrzehnts angekündigt – mit neuen Sicherheitsmerkmalen.

Der Beitragssatz für die gesetzliche Rentenversicherung sinkt von 18,7 auf 18,6 Prozent. Und rund 21 Millionen Senioren erhalten ab Juli etwa drei Prozent mehr Rente.

Bei der Abgasuntersuchung (AU) wird laut der Verbraucherzentrale seit 1. Januar 2018 für alle Fahrzeuge die sogenannte „Endrohrmessung“ Pflicht. Damit soll sicher erkannt werden, wenn bei einem Auto die Abgasreinigung nicht ordnungsgemäß funktioniert – ob nun durch einen Defekt oder bewusste Manipulation. Bislang galt ein zweistufiges Verfahren: Zunächst wurden die Werte per On-Board-Diagnose überprüft. Nur wenn hier ein Fehler vorlag, wurde am Endrohr nachgemessen. Der TÜV beziffert die Mehrkosten des neuen Verfahrens für Fahrzeughalter zwischen 3 und 4 Euro.

Wer 2018 verreisen möchte, sollte die Neuerungen des Pauschalreiserechts kennen: Ab 1. Juli 2018 in Kraft, bringt es einerseits mehr Klarheit und Verbraucherschutz beim Buchen von Reiseleistungen in Online-Portalen und Reisebüros. Andererseits hat es laut der Verbraucherzentrale auch Verschlechterungen im Gepäck: Erst wenn der Veranstalter den Reisepreis nach der Buchung um mindestens acht Prozent anhebt, kann der Urlauber künftig noch kostenlos vom Reisevertrag zurücktreten. Bislang lag diese Grenze bei fünf Prozent. Nach jetzigem Recht ist es verboten, den Reisepreis für Reisen, die nicht mehr als vier Monate vor Reisebeginn gebucht wurden, nachträglich anzuheben. Künftig können sich auch kurzfristiger gebuchte Reisen im Nachhinein verteuern, wenn dies bis zum 20. Tag vor Reiseantritt mitgeteilt wird.

Seit 1. Januar 2018 erhalten nun auch Zeitungszustellerinnen und -zusteller einen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro pro Stunde. Daneben gibt es auch bei den Branchenmindestlöhnen Bewegung. Der Mindestlohn für Pflegekräfte steigt auf 10,55 Euro (West inkl. Berlin) und 10,05 Euro (Ost) pro Stunde. Im Elektrohandwerk (Montage) liegt die Lohnuntergrenze künftig bundesweit bei 10,95 Euro. Der branchenunabhängige gesetzliche Mindestlohn in Deutschland beträgt 8,84 Euro brutto je Zeitstunde. (red/wsw)