Das blaue Wunder von Klaistow

Landrat Wolfgang Blasig und Ernst-August Winkelmann kosteten die Blaubeeren in Klaistow.

Werder (Havel), 15. Juli 2016 – Heute startete der Familienbetrieb Buschmann und Winkelmann offiziell in die Heidelbeer-Saison. Direkt am Hof in Klaistow lädt eine zehn Hektar große Anlage dazu ein, die dicken Blauen selbst von den rückenfreundlich mannshohen Sträuchern zu pflücken.

Am 16. und 17. Juli – also an diesem Wochenende – wird in Klaistow bei Buschmann und Winkelmann das traditionelle Heidelbeerfest mit vielfältigen Aktionen gefeiert. Unter anderem sind Musik, Verkostung von Hofladenprodukten, Wissenswertes und Heidelbeeren in Hülle und Fülle – sogar auf einer großen Heidelbeer-Pyramide und einem großen Heidelbeerkuchen mit 1,5 Meter Durchmesser – angekündigt. Das Programm gibt es hier.

Mal richtig blau machen

Die Höhe der Sträucher ist nicht der einzige Unterschied zur Waldheidelbeere, die man ja gebückt von kratzigen Sträuchern pflücken muss. Kulturheidelbeeren stammen nicht, wie häufig angenommen, von der in Europa heimischen Heidel-, Blau- oder Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus) ab, deren Früchte Mund und Lippen beim Verzehr blau färben, sondern sind nordamerikanischen Ursprungs. Allerdings stellen sie die gleichen Ansprüche an Boden und Witterung. Sie gedeihen nur auf lockeren, sauren, nährstoffarmen Sand- oder Moorböden und brauchen viel Sonne.

Insgesamt bauen Buschmann und Winkelmann Heidelbeeren inzwischen auf 125 Hektar an. Sie gehören damit zu den großen Heidelbeeranbauern im Land Brandenburg. Mit 166 Hektar ist die Heidelbeere die zweitwichtigste Strauchbeerenart (Sanddorn rund 330 Hektar) im Land. 2015 lag die Erntemenge in Klaistow bei 316 Tonnen. Davon entfielen allein 82 Tonnen auf die Selbstpflücker. In diesem Jahr sollen es insgesamt 600 Tonnen der gesunden blauen Frucht werden, in den nächsten drei Jahren sogar 1200 Tonnen. Die Heidelbeer-Anlagen – die immerhin bis zu 80 Jahre alt werden können – sind hier in Klaistow ein- bis zehn Jahre alt.

Nach der Spargelsaison geht es also weiter auf dem Hof: Im Laden gibt es jetzt Heidelbeer-Marmelade, -Soße oder Heidelbeernudeln. Das Sortiment hält darüber hinaus Heidelbeer-Likör, -Secco, -Wein, Heidelbeerhonig, -Tee, -Leberwurst und vieles mehr bereit.

Lecker und so gesund

Heidelbeeren lassen sich vielseitig verwenden als Obstsalat, Pfannkuchen, Torten, Quarkspeisen, Müsli, Kompott oder Kaltschalen. Häufig werden sie mit Sahne oder Milch eingezuckert. Sie sind auch ideal als Gelee oder Konfitüre. Der Pektingehalt geliert besonders gut. An Mineralstoffen und Vitaminen übertreffen sie ihre kleinen Verwandten zum Teil erheblich. Sie enthalten mehr Calcium, Magnesium und Eisen, mehr Vitamin A, B1, B2 und Niacin. Die dicken Blauen zählen sogar zu der Gruppe der „superfruits“. Sie stärken das Immunsystem, können den Alterungsprozess der Körperzellen verzögern, sie habe wenige Kalorien, wirken entschlackend, verdauungsregulierend und besonders magenfreundlich.

Beste Wünsche für den Ernteerfolg

Zur offiziellen Eröffnung auf dem Hof von Buschmann und Winkelmann kam auch Landrat Wolfgang Blasig. Er wünschte eine gute Ernte – um die wachsende Nachfrage allzeit befriedigen zu können. Für den Regen, der bis 20 Minuten vor der Eröffnung und dann pünktlich zum Ende des Termins wieder einsetzte, fand der Landrat pragmatisch die passenden Worte: „Das ist halt so“.

Professor Dr. Mathtias Freude, Präsident des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung, der zuvor fast 20 Jahre das Landesumweltamt leitete, fand neben seinen guten Wünschen für Buschmann und Winkelmann auch mahnende Worte. „Möge die Kirschessigfliege hier nicht fliegen“, sagte der studierte Ökologe und Verhaltensbiologe mit Hinweis auf die enorme Gefährlichkeit des neuen Schädlings. „Ich weiß aber, dass hier in Klaistow die Schädlingsbekämpfung nicht mit der chemischen Keule durchgeführt wird“. Die Kirschessigfliege befällt im Gegensatz zu den bisher hier heimischen Schädlingen die noch an den Pflanzen heranreifenden, gesunden Früchte und kann so schnell sehr großen Schaden anrichten.

Aus Beelitz kam in Vertretung des Bürgermeisters Bernhard Knuth die Hauptamtsleiterin Dörthe Kiesel. Sie verwies auf die neue Internetseite der Stadt Beelitz, die in der Zeichnung auf der Startseite sowohl Spargel als auch die Blaubeeren im Mittelpunkt hat und bezeichnete den Hof von Buschmann und Winkelmann als ein „Markenzeichen“ der Region. „Wir wünschen eine tolle Saison und viele Besucher“, sagte Dörthe Kiesel und fügte in Richtung Ernst-August Winkelmann hinzu: „Sie haben nicht nur ihren eigenen Erfolg, sondern immer auch das Gemeinwohl im Auge“.

Der Präsident des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, Dr. Klaus Henschel, verwies neben seinen besten Wünschen für eine reiche Ernte und viele Besucher darauf, dass man die Heidelbeere nicht nur im Kiefernwald pflanzen könne. Auch im Topf wäre sie nicht nur ansehnlich und winterhart, sondern würde auch einen kleinen Ertrag sichern. Die Gefahr der Kirschessigfliege sei im Gartenbauverband auch Thema. „Einerseits werden Mittel gestrichen, andererseits fehlt das Geld für die Forschung, um neue mögliche und wirksame Schädlingsbekämpfungsmittel zu finden“, richtete er mahnende Worte in Richtung Landesregierung. In jüngster Zeit gab es viele Probleme um die finanzielle Sicherung des Fortbestandes der einzigen Brandenburger Obstbauversuchsstation Müncheberg (Märkisch-Oderland). Geklärt ist abschließend noch nicht, ob die Landesregierung entsprechende Mittel in den Haushalt einstellt.

Geschäftsführer Ernst-August Winkelmann selbst erinnerte schließlich an seine Anfänge hier in Klaistow und bedankte sich bei den Gästen für die guten Wünsche, besonders aber bei seinen Mitarbeitern und Helfern, ohne die hier gar nichts ginge. Dann bat er um Applaus für die hervorragende Gastronomie des Hofes und ihrer fleißigen Mitarbeiter.

Auszeichnung mit Siegel „Brandenburger Gastlichkeit“

Geschäftsführerin Antje Winkelmann nahm nämlich aus den Händen von Gehoga-Chef Olaf Lücke die Urkunde zur Auszeichnung mit dem Siegel „Brandenburger Gastlichkeit“ entgegen. Die Gehoga ist die Gesellschaft zur Förderung von Hotellerie und Gastronomie in Brandenburg mbH und Wirtschaftstochter des Dehoga Brandenburg e. V..
Die „Brandenburger Gastlichkeit“ ist eine Qualitäts- und Marketinginitiative, mit der der Dehoga Brandenburg die Gastronomen des Landes flächendeckend bei der Qualitätssicherung und Vermarktung unterstützt.
Die unabhängigen Tester der Gehoga bewerten bei ihren Besuchen nicht nur den Geschmack der Mahlzeit. Bei den „Mystery Checks“ wird bereits bei der telefonischen Bestellung eines Tisches auf Freundlichkeit geachtet. Und so geht es weiter: Ist der bestellte Tisch tatsächlich der gewünschte, wie wird man empfangen, wie lange dauert es, bis die Bestellung aufgegeben werden kann und wie schnell kommt das Essen, ist der Service perfekt – es geht also um das Rundumpaket „Essen gehen“. Da muss alles stimmen, bevor man dieses Siegel erhält.

Der Spargel- und Erlebnishof Klaistow in der Glindower Straße 28 ist täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Die Heidelbeer-Selbstpflücke ist täglich von 9 bis 18 Uhr, am Wochenende bereits ab 8 Uhr möglich. Auch das Maislabyrinth ist wieder offen: täglich von 9 bis 18 Uhr kann man auf 25 000 Quadratmeter seinen Orientierungssinn testen. Es gibt zudem zehn Stationen für ein Gewinnspiel, die aber erstmal gefunden werden müssen.