„Das Dach ist das Aushängeschild des Hauses“

Heike Liere, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Potsdam zu Besuch bei Dachdecker Marco Rudolph. Der Besuch war Teil der traditionellen Vor-Ort-Gespräche der Handwerkskammer bei Mitgliedsbetrieben.

Werder (Havel), 16. Februar 2017 – Marco Rudolph ist ein Einzelkämpfer. Aber ein zufriedener. Der Dachdecker aus Bliesendorf kann über Auftragsmangel nicht klagen. „Ich habe eine kleine Nische besetzt“, berichtet der Handwerker. Seine Spezialität sind Nebengelasse: Carports, Schuppen, Terrassen oder ähnliche Bauten. Natürlich bietet er auch die ganze Bandbreite seines Handwerks an, das er – noch zu DDR-Zeiten – bei der Gebäudewirtschaft erlernt hat. Eigentlich wollte er Tischler werden, da gab es leider seinerzeit nur eine einzige Lehrstelle in seiner Altersstufe – und die bekam der Sohn des Meisters. Aber die Arbeit als Dachdecker machte ihm auch Freude. „Die Arbeit in Höhe – das ist schon besonders“, sagt Marco Rudolph. Und schließlich sei „das Dach das Aushängeschild des Hauses“. Erfahrungen sammelte Marco Rudolph nach seiner Lehre bei Dachdeckermeister Gaudlitz und in der Zimmerei Müller.

Doch Marco Rudolph – der auch in vielen anderen Gewerken fachmännisch anpacken kann, wie man in und um sein schönes Gehöft in Bliesendorf sehen kann – wollte in die Selbständigkeit. 2005 gründete er dann sein Ein-Mann-Unternehmen. Ein Schritt, den er „nie bereut hat“, wie er sagt. Der Hinweis, dass er das auch ohne den Meisterbrief über die so genannte „Ausübungsberechtigung“ machen kann, bekam er seinerzeit von der Handwerkskammer Potsdam.

Dafür ist er der Handwerkskammer dankbar – und das konnte er gestern der Geschäftsführerin Heike Liere gleich nochmal persönlich sagen. Heike Liere besuchte den Dachdecker anlässlich der traditionellen Vor-Ort-Gespräche der Handwerkskammer bei Mitgliedsbetrieben. Bei diesen Besuchen in Potsdam und in Potsdam-Mittelmark geht es um die Situation der Firma, um die aktuelle Wirtschaftslage und auch um die Geschäftsstrategien der Handwerker sowie um die Ausbildungs- und Fachkräftesituation.

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Mit Marco Rudolph traf die Geschäftsführerin Heike Liere auf ein überaus zufriedenes Mitglied der Handwerkskammer. „Ich mache mein eigenes Ding, es gibt keine Außenstände, der Bürokram ist übersichtlich“.
„Die Konjunktur ist gut, so wie zu Beginn der 90er Jahre“, bestätigte Heike Liere. Allgemeine Probleme seien eher die Suche nach Fachkräften und nach dem Nachwuchs. „Wir versuchen, die Zielgruppe der jungen Leute mit unserer Imagekampagne zu erreichen“, informiert Heike Liere. Handwerk sei modern, vielfältig und attraktiv und die Chancen, eine Karriere im Handwerk zu machen, stünden mehr als gut. Denn Arbeit gebe es reichlich – das sei eben die komfortable Situation der Handwerker im „Speckgürtel“. Hier wird viel gebaut und das wird sich auch so schnell nicht ändern. „Vom Azubi über den Gesellen zum Meister – der hat dann die Wertigkeit eines Bachelor“, erläutert Heike Liere eine mögliche Karriere. Dass Handwerk Zukunft hat, zeigen die Zahlen: 2016 gab es im Kammerbezirk 3091 abgeschlossene Ausbildungsverträge. Aktuell sind hier aber noch 437 freie Lehrstellen in 55 Ausbildungsberufen vermeldet.

Auch Marco Rudolph kann sich vorstellen, demnächst auszubilden. Seine beiden Söhne kämen allerdings nicht in Frage. „Sollten Sie sich entschließen, auch Handwerker zu werden, müssten sie woanders lernen“. Er hofft natürlich, dass er die Firma irgendwann an die nächste Generation in der Familie weitergeben kann. „Das wäre schön, aber wenn es nicht klappt, muss man damit auch leben“. Der ältere Sohn ist schon erfolgreich auf dem Weg zum Abitur. „Aber auch Abiturienten kommen zum Handwerk“, wirbt Heike Liere. Als qualifizierte Fachkräfte sind Auszubildende im Handwerk in Deutschland wie im Ausland stark gefragt. Möglichkeiten, das zu testen, gebe es beispielweise über das entsprechende Erasmus-Programm. Deutschlands duale Ausbildung gilt weltweit als Vorbild.

Und was die Frage der Ausbildung hier in der Firma von Marco Rudolph betrifft, kann er wie alle anderen Mitglieder vielfältige Angebote der Handwerkskammer in Anspruch nehmen. „Wenn Sie ausbilden oder einstellen wollen, wir begleiten Sie, beispielsweise mit Businessplänen oder mit vielen Tipps, was zu beachten ist. Wir sind als Ansprechpartner immer für unsere Mitglieder da“, betont Heike Liere und verweist auf die vielen thematisch spezialisierten Berater und Juristen der Handwerkskammer und die Möglichkeiten auch der Weiterbildung oder der Vorstellung neuer Techniken und Materialien beispielsweise im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz. low 

Hier geht es zur Übersicht der Dachdecker auf unserem Stadtportal.


Informationen

Zum 31. Januar 2017 waren im Kammerbezirk 17.350 Betriebe Mitglied der Handwerkskammer Potsdam, davon sind 4.148 (23,9 Prozent) im Gebiet der Kreishandwerkerschaft Potsdam ansässig. Unter anderem sind das 223 Installateur- und Heizungsbauer, 219 Kraftfahrzeugbauer, 104 Tischler, 70 Tischler, 22 Schornsteinfeger, 16 Brunnenbauer sowie 21 Betriebe im Bautentrocknungsgewerbe. 2016 wurden hier 417 Neueintragungen verzeichnet.

Informationen: www.hwk-potsdam.de

Beratung zu Meister- und Fortbildungskursen

Die Bildungsberater der Handwerkskammer Potsdam informieren zu allen Meisterlehrgängen und Weiterbildungsangeboten sowie zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, z.B. das Aufstiegs-BAföG. Die Termine sind für alle Interessierten kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Mittwoch, 23. Februar 2017, 17 Uhr bis 19 Uhr
Veranstaltungsort: Handwerkskammer Potsdam, Charlottenstraße 34-36 (Beratungsraum, Eingang Friedrich-Ebert-Straße)

Und das ist ein sehenswerter Werbespot für das Handwerk: