Der Campus in Glindow kommt

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß und der Vorstandsvorsitzende der Hoffbauer-Stiftung Frank Hohn haben am Donnerstag, 28. September, eine Absichtserklärung zum Bau eines Bildungscampus‘ in Glindow unterschrieben. Foto: wsw

Werder (Havel), 28. September 2017 – „Wenn es nach mir ginge, könnten wir sofort nach Glindow fahren und den ersten Spatenstich machen“ – Werders Bürgermeisterin Manuela Saß ist voller Vorfreude auf den geplanten Bildungscampus in Glindow. Heute unterzeichnete sie mit dem Vorstandsvorsitzenden der Hoffbauer-Stiftung Frank Hohn die Absichtserklärung für den Bau.

Die Hoffbauer-Stiftung will mit der Unterstützung der Stadt Werder (Havel) und des Landkreises Potsdam-Mittelmark einen Campus auf 32 225 Quadratmetern Grundstücksfläche mit Kita, Grundschule, Sek I und Sek II sowie einer Turnhalle errichten. Baustart für die Kita mit 120 Plätzen soll 2018, Inbetriebnahme 2019 sein. Die zweizügige Grundschule für 300 Kinder soll den Plänen zufolge ab 2010 errichtet werden. Baubeginn für die Sporthalle soll 2021, der für die Sekundarschule für 450 Schüler im Jahre 2022 sein. Mensa und Außenanlagen inklusive Sportplatz werden entsprechend errichtet. Die Investitionssumme wird mit 30 Millionen Euro angegeben.

„Hintergrund dieser Vereinbarung ist der Einwohnerzuwachs von Werder (Havel) und die damit einhergehende Erwartung an ein breiter aufgestelltes Bildungsangebot“, so Manuela Saß.

Die kommunalen Kitas in Werder seien trotz neuer Einrichtungen ausgelastet, der Betrieb könne oft nur mit Ausnahmegenehmigungen aufrecht erhalten werden. Die Inselkita der Hoffbauer-Stiftung müsse mittelfristig wegen Brandschutzproblemen schließen. Die Grundschulen der Stadt können neue Schüler bei maximalen Klassenstärken und maximaler Zügigkeit zwar in den kommenden Jahren noch aufnehmen. „Die Gefahr besteht aber, dass das auf Dauer zulasten der Qualität geht“, so die Bürgermeisterin.

Mit der Hoffbauer-Stiftung habe man einen Träger gewinnen können, der eine zusätzliche Farbe in die Bildungslandschaft der Stadt bringe. Das gelte nicht nur für den Kita- und Grundschulbereich, sondern auch für die Sekundarstufe.

„Auf der Nachbarinsel in der Havel blicken wir auf gut 115 Jahre erfolgreiche Bildungsgeschichte und freuen uns auf den Bildungstransfer nach Werder“, spielt Frank Hohn auf die Schulen in Hermannswerder an. Er erklärte: „Die Hoffbauer-Stiftung ist gern bereit, ihre Erfahrungen in der Entwicklung von Bildungszentren auch in Werder einzubringen. Evangelische Bildungseinrichtungen wie zum Beispiel am Hoffbauer Campus in Kleinmachnow und Mahlow schließen nicht nur Lücken in der Bedarfsplanung, sie  bereichern mit ihren pädagogischen Konzepten und dem evangelischen Profil das Bildungsangebot und entsprechen dem Bedürfnis vieler Familien nach pädagogischer Vielfalt.“

Die Arbeit auf dem Campus soll übergreifend sein. Mit einem gemeinsamen Konzept würden aus der Kita in die Grundschule und von dort aus in den Sekundarstufe Brücken geschlagen, wie Hohn erläuterte. Zudem sei geplant, die Form der Ganztagsschule anzubieten, das heißt, es gibt Öffnungszeiten vor und nach der Schulzeit.

Der „Letter Of Intent“ wurde im Dezember 2016 von den Stadtverordneten beschlossen. Im Juni 2017 folgte ein Aufstellungsbeschluss für ein Bebauungsplanverfahren. Die Stadt hat sich in der Absichtserklärung bereiterklärt, Planungsrecht zu schaffen. Durch das Bebauungsplanverfahren soll ein viereinhalb Hektar großes Grundstück an der L90 in Höhe der Glindower Tankstelle als „Sondergebiet Bildung“ festgesetzt und in eine geordnete städtebauliche Entwicklung geführt werden. Fragen der Erschließung, des Naturschutzes und sonstiger Auswirkungen sollen aufgeklärt und abgewogen werden.

Im Glindower Ortsbeirat gab es bereits eine frühzeitige Beteiligungsrunde für das Planverfahren. Auch ein erster Austausch mit den Behörden hat begonnen. Jetzt müsse es darum gehen, noch offene Fragen gemeinsam zu klären und zügig die Entwürfe der Bauleitplanung zu erarbeiten, so Bürgermeisterin Saß.  Nach der Billigung der Entwürfe durch die Stadtverordneten könne ins förmliche Beteiligungsverfahren eingetreten werden.

Wie der 1. Beigeordnete Christian Große betonte, gehörten alle entsprechenden Grundstücke der Stadt und gebe es somit ein Planungsrecht, das Video der Hoffbauerstiftung zeige jedoch nur eine erste visualisierte Grobplanung. „Da kann sich natürlich noch einiges verändern – aber das hängt dann von der entsprechenden Planung auf Grundlage des Bebauungsplanes ab“. Bürgermeisterin Manuela Saß berichtete, dass sie den Landrat Wolfgang Blasig ersucht hat, aufgrund der Dringlichkeit des Baus gerade im Kita-Bereich unterstützend tätig zu werden und zu ermöglichen, dass der B-Plan auf Kreisebene mit der nötigen Priorität behandelt wird. Der Landrat hätte das zugesichert.

Die Lage des Grundstückes sei mit Bedacht gewählt worden. „Wir haben mit der Carl-von-Ossietzky-Schule und dem Ernst-Haeckel-Gymnasium bereits zwei Standorte, bei der wir die Verkehrssituation aufgrund der zentralen Standorte nicht mehr entspannen können. Holen und Bringen wird da oft zum Problem“, so Große. Der Glindower Campus hingegen sei auch sehr gut aus dem gemeinsamen Mittelzentrum Beelitz/Werder zu erreichen, bei den Planungen des ÖPNV-Konzeptes „Powerbus“ sei bereits bedacht worden, dass der Campus kommt. Zudem gibt es ja bereits Landes-Planungen, einen Radweg zwischen Glindow und Klaistow – verbunden mit einem neuen P+R Parkplatz an der Autobahnauffahrt – anzulegen.

Dass der Bau des Campus’ in Glindow keinerlei Einfluss auf die Neubau- oder Anbau-Planungen am Ernst-Haeckel-Gymnasium hat, bestätigte die Bürgermeisterin. Es ginge hier um die Erweiterung der Bildungslandschaft in unserer wachsenden Stadt und darum, die Qualität der Bildung zu stärken – nämlich in möglichst kleinen Klassenverbänden. Zudem würde der Neubau einer Sporthalle mit den entsprechenden Außenanlagen auch die Situation der Vereine bei der Versorgung mit Hallenzeiten entspannen. Denn die Nutzung für die Vereine der Stadt wurde von der Hoffbauer-Stiftung zugesagt.

Die Gebühren der Kita sollen den üblichen Sätzen entsprechen, die Schulgeldhöhe ist einkommensabhängig gestaffelt. Einkommensänderungen können auch zu Änderungen der Schulgeldhöhe führen. (Schulgeldtabelle hier anschauen)
Schulgeld wird von Schulträgern von Schulen in freier Trägerschaft erhoben, weil sie selbständige eigenverantwortliche Unternehmen sind. Sie erhalten vom Land Zuschüsse, die aber nur anteilig die Gesamtkosten des Schulbetriebes deckten, wie Frank Hohn sagte.

Auch die christliche Ausrichtung der Schule sollte kein Problem sein. Zwar hätten nach Auskunft von Frank Hohn alle Lehrer einen christlichen Hintergrund, für die Aufnahme in den Bildungscampus sei dies aber keinerlei Bedingung. Es gebe auch keine Quote dafür. Religionsunterricht sei zwar verbindlich, auch richte sich der Schulalltag am christlichen Jahreskreis aus und es gebe Gottesdienste – die Erfahrung sei jedoch, dass viele Elternhäuser das durchaus begrüßen, ebenso die entsprechende Wertevermittlung. Fachbereichsleiterin Ulrike Paniccia betonte, dass es in Werder ja bereits zwei Kitas in der Trägerschaft der Hoffbauer-Stiftung gebe und dass die Arbeit dort eine sehr erfolgreiche wäre. (low)