Der Motorclub „Blütenstadt“ Werder (Havel) e.V. wird 30 Jahre alt

Foto: Werder (Havel)/hkx

Werder (Havel), 12. April 2017 – Ein eigenes Museum – das schwebte Udo Müller, damals 1. Vorsitzender des Motorsportclubs „Blütenstadt“ Werder (Havel) e. V., vor, als 20 Freunde der Kfz-Oldtimer-Technik 1987 diesen Club gründeten. 30 Jahre ist das her. Plötzlich bot sich in Glindow eine Obstaufkaufstelle an, die auf Grund des heruntergekommenen baulichen Zustandes nicht mehr genutzt wurde. Mit „Mut zum Risiko“ gingen die Freunde der historischen Fahrzeugtechnik daran, aus der Immobilie direkt an der Bundesstraße 1 ein Museum zu formen. Jetzt feiert der Verein sein 30. Jubiläum.

Das Schwerste sei damals gewesen, notwendiges Material zu beschaffen, denn das gab es manchmal nur mit Sondergenehmigung und über gute Beziehungen. Als damaliger Bauleiter in einem Werderaner Betrieb hielt Udo Müller auch hier die Fäden leitend in der Hand. Fast war aus der unansehnlichen kleinen Lagerhalle das Zweiradmuseum fertig, da kam die politische Wende mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Es war nun einfacher, Baumaterial zu beschaffen.

„Im September 1990 war es soweit. Wir eröffneten auf einer 110 Quadratmeter großen Fläche mit vielen Oldtimerfreunden, Förderern, Nachbarn und unseren Familien das Zweiradmuseum Glindow“, erinnert sich Museumsleiterin Rosemarie Jordan. „Damals konnten wir noch nicht ahnen, welche Schwierigkeiten ein Museumsbetrieb mit sich bringt.“ Ziel war von Anfang an mit den Ausstellungsstücken eine Touristenattraktion aufzubauen, die einen interessanten Einblick in die technische Entwicklung vom pedalisierten zum motorisierten Zweirad vermittelt.

Fünf Fahrräder und 20 Motorräder präsentierten sich als erste Exponate. Mit bescheidenen Mitteln ohne Telefon oder Fax, aber mit ehrenamtlichem Einsatz betrieben die Sportfreunde das Museum. Die geringen Eintrittsgelder deckten nicht die notwendigen Ausgaben. Ein paar Sponsoren halfen über die Runden. Der Idealismus der MC-Mitglieder formte das Museum zu einem ganz besonderen Anziehungspunkt.

1997 kam die Möglichkeit durch die Mega AG Werder (Havel), einen 530 Quadratmeter großen, beheizten und mit Telekommunikation erschlossenen Raum in einem Büroneubau in den Havelauen zu beziehen: eine perfekte Konstellation, der Bus hielt genau vor der Tür, die Straße war etwas abseits vom Wohnviertel, genug Platz für Besucherfahrzeuge und Aktionen außerhalb des Museums. Am 28. März 1998 wurde das Museum am neuen Standort eröffnet, es wuchs zu einer einmaligen Sammlung im Land Brandenburg an.

Bis zu 50 Fahrräder aus zwei Jahrhunderten sowie 60 Gebrauchs- und Sportmotorräder vom Baujahr 1914 an hatten das Museum gefüllt. Jetzt kann es auch gesagt werden, im Museum stand als Leihgabe eines Berliner Oldtimer-Freundes das teuerste Motorrad der Welt! Besonders stolz waren die Werderaner auf die vollständige Reihe der D-Rad-Modelle, die zwischen 1922 und 1933 in Berlin-Spandau, also fast vor der Haustür, gebaut wurden.

Der großzügige Raum ermöglichte nun auch eine Sammlung mit interessanter Flugzeugtechnik zur Geschichte des Flugplatzes Werder (Havel), auf dessen ehemaligem Gelände sich das Museum befindet. Besonderer Blickfang: ein 14-Zylinder-Sternmotor eines vor über 60 Jahren in den Glindower See gestürzten amerikanischen Bombers B-24 Liberator. Bis 2012 nach 22 Jahren das „Aus“ durch einen Eigentümerwechsel der Immobilie eine Kündigung für das Museum kam. Ein zweites Problem war der fehlende jüngere Nachwuchs für den Museumsbetrieb gewesen. 120 Ausstellungsstücke gingen zurück an ihre Leihgeber.

In 22 Jahren war das Zweiradmuseum ein Anziehungspunkt für rund 60.000 Besucher aus aller Welt. Rosi Jordan erinnert sich an die Kinder aus Tschernobyl, die zur Rehabilitation und Erholung in Deutschland und vier Mal zu Gast im Museum waren. Die jährlichen Museumsaktionen, man kann sie getrost Großveranstaltungen nennen, brachten Leben in die Havelauen. Mit den Erlösen und der Hilfe von Sponsoren konnten die harten fünf Monate der Winterzeit finanziert werden. Das Museum war zwei Mal Zwischenstopp der berühmten Oldtimer-Ralley „2000 km durch Deutschland“, bei der auch Heidi Hetzer in Werder (Havel) begrüßt wurde.

Die Vereinsmitglieder stehen seit 30 Jahren fest zusammen. Von den heutigen 27 Mitgliedern sind noch fünf der Gründungsmitglieder dabei. Nun, wo das Museum, als Mittelpunkt des Vereins nicht mehr da ist, treffen sich die Mitglieder gern zur Ausfahrt ihrer fahrbereiten Zweiräder, fahren zu speziellen Treffen und tauschen untereinander ihre Erfahrungen aus.

„Der MC Blütenstadt hat ein  Kapitel unserer Stadtgeschichte mitgeschrieben“, sagt Bürgermeisterin Manuela Saß. Von Technikfreunden und Fahrradtouristen werde das Museum bis heute schmerzlich vermisst, und auch sie selbst trauere dem schönen Museum und den knatternden Motoren noch hinterher, so die Bürgermeisterin. „Der Verlust zeigt uns auch, dass ein solcher Enthusiasmus von Technikfreunden durch nichts zu ersetzen ist.“ Auch die Stadt hätte die Schau mit Leihgaben niemals weiterführen können.

Der Club feiert im Jahr des 700. Stadtjubiläums von Werder (Havel), sein 30-jähriges Jubiläum. Dazu werden alle Oldtimerfreunde zu einer kleinen Sonderausstellung am 22. und 23. April von 10 bis 17 Uhr in den Saal des „Deutsche Hauses“ in Glindow, Dr.-Külz Straße 25, eingeladen. Sie können noch einmal schnuppern, welche Atmosphäre einst im Zweirad- und Technik Museum herrschte. Auch die Bürgermeisterin wird zum Geburtstag gratulieren. (hkx)