Der Papageien-Papa

Der Glindower Mike Grunewald züchtet exotische Vögel. Hier mit seinem größten und seinem kleinsten Papagei. Alle Fotos: wsw

Werder (Havel), 8. August 2017 – Die Tage und Nächte von Mike Grunewald sind derzeit streng strukturiert. Alle drei bis vier Stunden füttert er von Hand seinen Papageiennachwuchs. Die Handaufzucht – unter Einhaltung strengster Hygienemaßnahmen – wurde notwendig, weil die elterlichen Tiere nach dem Brüten nicht mit dem Füttern begonnen haben. „Das passiert bei Tieren, die nicht in der freien Natur leben“, erklärt der Glindower. Im Umgang mit der Fütterspritze ist er allerdings geübt. Und die drei kleinen Papageien dürfen in ihrer Babyzeit auch im Haus wohnen. Das Futter, ein aus besonders abgemessenen Zutaten, wird wohl temperiert in der Küche gefüttert. Anschließend werden alle nötigen Instrumente und das Geschirr wieder sorgfältig ausgekocht. Schließlich geht die Prozedur mit den kleinen Rackern, die von bestechender Niedlich-Hässlichkeit sind, in einigen Stunden vor vorn los … Und irgendwann sind sie wunderschön.
Seit Jahren ist Mike Grunewald passionierter Vogelzüchter. Und das Hobby begann, wie er uns vor Jahresfrist in seinem Sonntagsfragebogen „Mein Werder“, bereits in der Kindheit.

Was mit einem zugeflogenem Wellensittich begann und mit Nymphensittichen, Zebrafinken und Schwarzköpfchen weiterging und mit wachsender Erfahrung zu den Papageien führte, ist heute wohl wichtigster Bestandteil seines Lebens. Denn neben der Aufzucht und Pflege seiner eigenen Tiere in Glindow, den ständigen Verbesserungen an den Volieren, der Teilnahme an verschiedenen Weiterbildungen und Kongressen ist er auch aktiv im Verein Ziergeflügel- und Exotenzüchter Werder (Havel) e.V..
Der bereitet derzeit die beliebte Vogelausstellung im Oktober vor, die wieder in der Havelauenhalle stattfinden wird. „Wir wollen den Fachbesuchern und Gästen Ostdeutschlands artenreichste Veranstaltung präsentieren“, kündigt Mike Grunewald nicht ohne Stolz an. Öfter könne man so eine Veranstaltung gar nicht vorbereiten, sagt er. Denn das sei auch „purer Stress“ für die Vögel.

„Sicherlich kann von artgerechter Haltung keine Rede sein“, nimmt er eventuellen Kritikern das Wasser von der Mühle. „Es geht hier vor allem um den Artenschutz“, betont Mike Grunewald. Eine artgerechte Haltung sei gar nicht möglich. „Wie immer ist der Mensch daran schuld, dass es diese Form der Haltung geben muss, um Arten zu retten. Denn der Mensch nimmt den Tieren den Lebensraum, in dem sie leben“. Je mehr Wälder für menschliche Bedürfnisse gerodet würden, um so weiter minimiere sich der Bestand, mahnt Grunewald. Der Goldsittich, so der Züchter, der Nationalvogel Brasiliens, sei unmittelbar bedroht in den Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens aufgenommen worden. Er selbst hat natürlich alle nötigen Ausnahmegenehmigungen zur Zucht und zum Handel.

Grunewald hat sich weltweit Züchtungen angesehen, er ist gefragter Gesprächspartner bei anderen Züchtern, hat diverse Auszeichnungen erhalten und wurde vielfach in der Fachpresse vorgestellt und interviewt. Er ist immer auf der Suche nach Verbesserungen für seine Haltung. Die großen Volieren auf dem Hofgelände, der Garten – alles ist so gebaut, dass es den Tieren bestmöglich geht, sie ihre jeweiligen Bedürfnisse ausleben können. „Es ist schon wichtig, zu versuche, die Lebensräume nachzuahmen. Grunewald nutzt Seile, Schaukeln, bewegliche Äste, Rückzugsmöglichkeiten, wild bewachsene Böden. In den dunklen Monaten gibt es eine entsprechende Beleuchtung. „Die Vögel brauchen das UV-Licht, um Vitamin D bilden zu können“, weiß er.
„Ein Käfig, zwei Stangen, Fliesenboden – das geht einfach nicht!“, warnt er vor dem leichtfertigen Umgang mit den Tieren oder gar einer leichtfertigen Wohnzimmerhaltung. „Die Tiere sind so intelligent wir 2 bis 3-jährige Kinder, betont Grunewald. „Sie brauchen immer wieder entsprechende Reize, um sich zu beschäftigen“.
Das Futter mischt er von Hand – feinste Körner, Obst, Nüsse gehören dazu. Die Bauten, die Pflege, das Futter – ein kostenintensives Hobby, das von Erlösen aus den wenigen Verkäufen nicht gedeckt wird.

Nur einer seiner Vögel hat einen Namen: Fritzi. Auch ihn hat Mike Grunewald von Hand aufgezogen. Den schönen großen dunkelroten Ara behält er auf jeden Fall – als Zuchtreserve. „Vielleicht kommt da mal eine Henne dazu“. Insgesamt besitzt er drei dunkelrote Aras, die Eltern der jetzigen Handaufzucht wurden noch in der Wildnis Surinams geboren und kamen 1991 zu ihm. „Selbstverständlich habe ich alle Papiere, die Vögel sind gechipt.Ihr Nachwuchs bleibt aber nicht bei ihm, sie gehen zu anderen Züchtern. „Eine private Abgabe ist nicht geplant“, betont Mike Grunewald.

Wer die Zucht von Mike Grunewald im Detail verfolgen möchte, dem sei seine Facebook-Seite empfohlen – hier gibt es fast täglich Neuigkeiten aus dem Leben der wunderschönen Vögel. (low)