Der Wettbewerb um die „Goldene Kruke“

Obstwein - die Verkostung der Weine im Wettbewerb um die Kruken 2018 im Schützenhaus. Alle Fotos: wsw

Werder (Havel), 13. April 2018 – Gläser klirren, es wird gelacht, es wird geplaudert – aber alles verhalten – denn 30 Juroren probieren im Schützenhaus 224 Weine in neun Kategorien. Unter den Juroren auch die Bürgermeisterin Manuela Saß, die Blütenkönigin Christine Schiffner und 11 ihrer Vorgängerinnen. Alle Blütenköniginnen sind nach Ablauf ihrer Amtszeit automatisch Ehrenmitglied im Werderschen Obst- und Gartenbauverein. Walter Kassin übergab bei diesem Anlass gleich die Urkunde an Christin Schiffner – ihre Amtszeit endet mit der Wahl der neuen Blütenkönigin. Die wird am heutigen Freitag bekannt gegeben.

Die 30 Juroren betrachten die ihnen zugewiesenen Weine im Licht, halten die Nase ins Glas und nehmen schließlich kleine Schlucke. Die Bewertung mit „Schulnoten von 1 bis 5 hat sich bewährt“, so Dr. Manfred Lindicke. „Zwischentöne sind aber erlaubt“, fordert der Chef von Weinbau Lindicke die Juroren auf, sorgfältig zu prüfen. „1,7 oder 2,1 sind möglich“.

Aus Erfahrung regt er an, nur jeweils einen kleinen Schluck zu nehmen nehmen und den Rest auszuspucken. Die „Muckersche“ Heidi Garbe und die ehemalige Blütenkönigin Tamara Thierschmann versorgen die Juroren mit sauberen Gläsern, Wasser, Brot und Käse. Man sollte die Geschmacksnerven nach drei oder vier Weinen neutralisieren, so Lindicke. „Wasser ist notwendig, dass man von dem Geschmack runterkommt, sonst probiert man den Rhabarberwein mit Johannisbeergeschmack. Das passt nicht, das ergibt ein falsches Bild“. Tamara hätte gern mit verkostet – sie sorgt aber derzeit für den Nachwuchs bei Baumblütenköniginnen.

Ihre Mutter, Angelika Thierschmann, Chefin der Lohnmosterei Thierschmann, ist selbst Produzentin, hat aber keine Weine eingereicht und darf verkosten. Sie hat klare Anforderungen an einen Obstwein: „Ein Erdbeerwein beispielsweise sollte nach Erdbeere riechen, das ist wichtig. Im Mund sollte er auch so schmecken. Mir ist es nicht so wichtig, ob er stärker nach Alkohol schmeckt oder nicht. Ich muss die Frucht erkennen und die muss man schmecken können“.

Manche Prüfer suchen sich in Ruhe ihre Kategorie und kosten sich durch ihre vorgegeben Weine, andere tauschen sich aus, vergleichen auch mal mit einem Wein aus einer anderen Gruppe. Die meisten sind bereits länger dabei, kennen sich und teilen ihre Ergebnisse miteinander. So ergeben die Proben ein rundes Bild, die Weine sind Gesprächsthema Nummer 1. Heimische Raritäten sind dabei wie Pfingst- und Wildrose, Steinobst, gemischtes Obst. Beerenobst war eine Kategorie mit in diesem Jahr 38 Proben. Das ist der Spitzenreiter 2018, denn nach dem Frosteinbruch im vergangenen Jahr gab es viele Ernteausfälle an den Obstbäumen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein Wein namens „Rote Lola“ – Walter Kassin klärt schließlich später auf, dass es sich um eine Idee von Günter Schultz von Schultzens Siedlerhof handelt. „Eine Mischung aus Brombeere und Himbeere“. Die Bürgermeisterin ist überzeugt, dass da auch Johannisbeere im Spiel ist. Ihr Rat: „Fragt den Hersteller!“. Ansonsten ist kein Produzent erkennbar, alle Flaschen sind lediglich mit einem Aufkleber mit der Zahl versehen.

Hier und da hört man ein „Oh, der ist aber lecker“ oder auch mal ein „Der geht gar nicht“. Die Weine, die als besonders lecker gepriesen werden, werden auch gern von den anderen gekostet. Auch Geruchsproben werden geteilt – meist, wenn ein Wein negativ auffällt. Allgemein herrscht die Meinung, dass die Weine des aktuellen Jahrgangs im Durchschnitt recht süß sind. Und auch wenn es viele gute und auch einige sehr gute Weinproben gibt – insgesamt ein sehr breites Spektrum, so die einhellige Meinung der Verkoster – fehlt es manchen Proben an Aroma.

Der Wettbewerb um die goldenen, silbernen und bronzenen Kruken wird immer beliebter: Im vergangenen Jahr gab es bereits einen neuen Abgabe-Rekord mit 231 Proben von 29 Erzeugern – in diesem Jahr sind es noch drei mehr. 27 goldene, silberne und bronzene Kruken wurden 2017 verliehen. Am 18. April werden die Gewinner des neuen Jahrgangs bekannt gegeben. Mit der Plakette können die Weinproduzenten dann an ihren Verkaufsständen werben. „Die Auszeichnung verhilft zu Aufmerksamkeit und beim Verkauf“, ist sich Walter Kassin, Vorsitzender des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins, sicher. Gefordert ist, dass die Produzenten, die Weine zum Kruken-Wettbewerb einreichen, mindestens 50 Liter im Angebot haben. Ob nun kleiner Stand an der Straße oder mehrere Stände über das Baumblütengelände verteilt – es ist genug Wein da. (wsw)

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Die Verkostung

Die Bewertung

Note 1 – sehr gut. Ausgezeichnetes Aroma, nicht zu süß. Der Wein soll schmecken und nicht zu süß sein.

Note 2 – gut. Gut trinkbarer Wein mit gutem Aroma, bisschen süffig.

Note 3 – befriedigend. Standard, gute Mittelklasse, kann auch mal bisschen süß sein, aber er hat Schwächen im Aroma.

Note 4 – ausreichend. Gerade noch so trinkbare Weine. Gewöhnungsbedürftig, schwaches Aroma und vor allen Dingen alkohollastig.

Note 5 – ungenügend. Ungenießbar – eher wegschütten, als das man das auf andere Leute weitergibt.

Die Abgabe der Weinproben