Die Milch von nebenan

Werder (Havel), 29. Januar 2018 – Milch ist in (fast) aller Munde. Und die Freude war groß, als bei Edeka in Werder eine Milchtankstelle aufgebaut wurde. Tagesfrische Milch vom Direktvermarkter gibt es hier zum Selbst-Zapfen, lediglich pasteurisiert. Das heißt, die Milch, die aus dem havelländischen Tietzow von der dortigen Luch Agrar GmbH kommt, wird lediglich schonend erhitzt, um eventuelle Keime abzutöten.

Die Geschäftsführerin der Luch Agrar GmbH, Karin Beuster, erklärt: „Auf die inneren Werte kommt es an. Auch bei Milch. Unsere Milch ist garantiert genfrei. Wir homogenisieren die Milch nicht und trennen sie auch nicht in Zentrifugen in ihre einzelnen Bestandteile auf, wodurch natürliche Strukturen zerstört werden könnten. Bei unserer Milch bleiben der natürliche Rahm und der typische Geschmack erhalten“. 200 Milchkühe werden in der Luch Agrar GmbH gehalten – „Das passt zu uns, mehr muss es nicht sein“, so Karin Beuster.

Mit den Tankstellen wie der bei Edeka in Werder versuchen die Milchviehhalter, gegen den fallenden Milchpreis anzukämpfen. „Der Preis ist schon wieder im freien Fall“, bedauert Beuster und erinnert an die Krise im Milchmarkt 2015/2016.

Um das abzufangen, können Betriebe nur an die finanziellen Reserven gehen oder nötige Werterhaltungsmaßnahmen an den Objekten verschieben. „Wir haben ja eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter“, sagt sie und fordert eine grundsätzliche Änderung in der deutschen Agrarpolitik, die nicht nur im eigenen Land zu einer immer weiteren Vergrößerung der Betriebe führt, sondern sogar die Märkte in der Dritten Welt kaputt mache. „An die Weltspitze schaffen wir Deutschen es ohnehin nicht – für Neuseeland beispielsweise und die dortigen natürlichen Haltungsbedingungen sind wir doch keine Konkurrenz“.

Der fallende Milchpreis gefährdet irgendwann die Lebensgrundlage der Milchviehhalter – bekamen sie im Dezember wenigstens noch 39 bis 40 Cent pro Liter, prognostiziert sie für den Sommer lediglich noch 25 Cent. Beuster, die Mitglied im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter ist, fordert, dass die Milchüberproduktion sofort gestoppt werden müsse. Ohne eine vernünftige Milchmengensteueung  ginge es einfach nicht: „Die Auswirkungen tragen immer nur die Erzeuger, nicht die Molkereien oder der Lebensmitteleinzelhandel“.

„Milchviehhalter sind schwer zu organisieren“, ist ihre Erfahrung, denn „wir sind 365 Tage im Jahr mit lebenden Tieren beschäftigt – da bleibt kaum Zeit“. Dennoch engagiert sie sich im Bundesverband gegen den wachsenden ökonomischen Druck. Vom Bauernverband hingegen fühlt sie sich weder vetreten noch verstanden. Auch der thematisiert die strukturellen Herausforderungen, aber eher als Vertreter der Molkereibranche, die gegen eine Milchmengensteueung bei der Milchproduktion sei, um ihre industrialisierte Produktion auszulasten.

Angebotene Fördermöglichkeiten der Regierung müssten hinterfragt und an die realen Bedingungen angepasst werden, lautet eine weitere Forderung, ebenso die Überlegung, den Markt europaweit zu steuern. Karin Beuster blickt aber mutig und entschlossen in die Zukunft: „Wir behaupten uns“.

„Schade nur, dass sich immer noch zu wenige Menschen Gedanken darüber machen und nur froh sind, wenn die Milch so billig wie möglich ist“, bedauert sie. Dass die dann aber nicht von glücklichen Kühen kommen kann, müsste jedem klar sein.  (wsw)