Ein Gedicht pro Tag

Werder (Havel), 7. Juli 2016 – Vielleicht ist es das schöne alte Gemäuer der Remise, vielleicht ist es die Sonne, die durch das große Fenster scheint, vielleicht ist es die Höhe des Raumes, vielleicht ist es die Werkstatt selbst, die Ruhe ausstrahlt, obwohl sie so oft voller kreativer Unruhe, voller kindlicher Ungeduld beim Malen oder Töpfern ist – ich besuche Gudrun Mader in Glindow und fühle mich augenblicklich wohl in ihrem Atelier.

Dass sie sich hier ebenso wohl fühlt, das Atelier auch als ihren Rückzugsort begreift und nutzt, bestätigt die Künstlerin, die hier nicht nur selbst arbeitet, sondern die Remise öffnet für Kindergartenkinder, Hortkinder und Erwachsene. Die Kurse und Workshops sind das eine, das andere ist ihre eigene Kunst. Gudrun Mader ist Grafikerin und Kunsttherapeutin. Ihre Bilder sind ganz erstaunlich vielfältig – momentan beschäftigt sie sich schon mit der kommenden „3. Bestandsaufnahme Malerei/Grafik/Plastik“. Die Ausstellungsserie in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss steht unter dem Thema „Werder wird 700“.

„Ich bin kein Maler über mehrere Tage“, sagt sie, „manchmal brauche ich nur eine halbe oder eine Stunde für ein Bild“. Aus einer entsprechenden Fülle kann ihr Mann Hajo Mader schöpfen. Der schreibt Gedichte – schon immer gern, aber erst nach einem erfüllten Arbeitsleben jetzt mit Muße und großer Energie.
Mader, promovierter und bekannter Naturschützer, kam nach der Wende aus dem Bundesumweltministerium von Bonn nach Potsdam. 15 Jahre arbeitete er im Umweltministerium in Brandenburg als Abteilungsleiter – zunächst für Raumordnung, dann für Naturschutz. Unermüdlich im Einsatz für den NABU, als langjähriger Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg und als vielfacher Forschungsreisender ist Mader hellwach, wenn es um die Belange des Naturschutzes geht. Ebenso wach aber ist er auch, wenn es um Politik geht. All das – Lebenserfahrung und Beobachtung dazu – fließt ein in ein tägliches Gedicht. Und das wird illustriert von einem Bild seiner Frau – was für eine schöne Kollaboration! Dabei bedingt selten das eine das andere. „Mein Mann schaut sich meine Bilder an und findet etwas zu seinen Gedichten“, erklärt Gudrun Mader eine Möglichkeit. Er kann aus dem Vollen schöpfen – „ich male ja laufend“, lächelt sie. Zu einem bestimmten Gedicht malen wolle sie eher nicht. „Ich bin keine Auftragsmalerin, ich male, was ich will. Und ich lasse mich da auch nicht unter Druck setzen“. Gespräche gibt es natürlich und auch gemeinsame Ideen. Und wenn es sich um ein abstraktes Bild handelt, sehe er auch manchmal etwas anderes darin. Aber das sei ja das Schöne an abstrakter Malerei – jeder findet zu seiner persönlichen Interpretation.

Das Ehepaar, über 45 Jahre verheiratet, hat seinerzeit den Kunsthof in Glindow aufgebaut, in dem jetzt ein Kindergarten ist. Aber das ist eine andere, ziemlich lange Geschichte. Ebenso die anderen Bücher – „rote Kraehen im tibet“ und „Basmas Lächeln“  und ganz frisch „keinen Schritt weiter“ – die Hajo Mader bereits veröffentlicht hat.

In dem neuen Buch „blätter am wegesrand“ (ISBN: 978-3-7418-1774-8) vereinen sich ganz wunderbar Bilder und Gedichte von Gudrun und Hajo Mader. Beginnend mit dem 27. Januar 2016 und (vorerst) endend im Mai kann der Leser/Betrachter die Sammlung der täglichen Gedichte/Bilder als Büchlein kompakt erleben und immer wieder zur Hand nehmen, täglich neu kann man ein Gedicht auf der Internetseite eingedichtprotagdotcom entdecken. Da gab es zum gestrigen 6. Juli übrigens ein Gedicht mit dem Titel „unser städtchen“ – gemeint ist natürlich Werder. Inspiriert von seinen Reisen, vom Leben und der Liebe, von den teilweise beunruhigenden politischen Entwicklungen in Deutschland oder Europa und ihren Protagonisten, tagesaktuell oder vom Naturschutzgedanken getragen – die Themen gegen Hajo Mader nicht aus.
Ein Gedicht pro Tag – eine ambitionierte Aufgabe, aber erfrischend, erhellend, frech oder nachdenklich geschrieben und beim Lesen nachhaltig wirkend, scheinen sie dem Dichter nicht zur lästigen Pflicht zu werden. „Und wenn wir jetzt demnächst im Radurlaub sind, gibt es eine kleine Pause“, sagt Gudrun Mader. Druck ist etwas, was es im Leben des Ehepaares Mader nicht mehr geben soll.