„Fragmente“ – neue Ausstellung im Kunstgeschoss

Der Kurator der Stadtgalerie, Frank W. Weber. Foto: wsw

Werder (Havel), 15. Mai 2018 – Eine sehr interessanten Ausstellung nach der Baumblütenfestpause präsentiert die Stadtgalerie Kunstgeschoss ab morgen im Dachgeschoss des Schützenhauses auf der Insel. „Das Bild ist fragmentiert – lang lebe das Bild“, überschreibt der Kurator der Ausstellung Frank W. Weber die Ausstellung, die er gewohnt launig im Gespräch mit dem Künstler Jürgen Tenz eröffnen wird.

Beginn der Vernissage ist am morgigen Mittwoch um 19 Uhr. Zu sehen sind die Werke von Jürgen Tenz bis zum 1. Juli, geöffnet ist die Stadtgalerie immer donnerstags, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Jürgen Tenz, Urberliner Jahrgang 1942, ist Maler und Grafiker. Er hat an der damaligen HdK, heute Universität der Künste in Berlin, Gebrauchsgrafik studiert. Erste größere Bekanntheit erlangte Tenz in den 80er Jahren mit seinen Hochdrucken, die aus sparsamen Formen und kompakten Flächen geschnitten waren und auf eigener Handpresse gedruckt wurden.

Der Großstädter Tenz verarbeitet seine Umwelt, seine sozialen Kontakte und Erfahrungen im, sich ständig wandelnden urbanen Umfeld. Immer wieder erscheinen auf seinen Hochdrucken menschliche Figuren, denen er klare grafische Formen und Strukturen entgegen setzt.  In diesem bildlichen Spannungsfeld muss sich seine Figur behaupten. Das alles in klar gegliederter künstlerischer Handschrift, die den Gebrauchsgrafikers verrät.

Im malerischen Werk tritt uns der Künstler als Expressionist entgegen. Seine Farbpalette ist klar strukturiert, sein Farbauftrag kraftvoll und sicher. In seiner Arbeit sieht er sich nicht als Abbilder der Stadtlandschaft, das Motiv ist reine Inspiration für seine individuelle Umsetzung. Diese Malerei ist die geistige Reflexion des Schaffenden auf das Gesehene und gegebenenfalls Erlebte.

Der Titel „Fragmente“ bezieht sich nicht nur auf den fragmenthaften Ausschnitt aus dem Werk von Jürgen Tenz in dieser Ausstellung. Der Sinn des Titels erschließt sich für den Rezipienten bei genauer Erkundung des Bildwerkes. Seit einigen Jahren vermeidet es der Künstler, seinem OEuvre neue Werke hinzuzufügen. Er nutzt seinen eigenen Werksfundus und übermalt seine Bilder mit deckenden Farben. So entstehen bruchstückhafte Gemälde, deren wahrer Bildgehalt zerstört ist. Inhaltlich voll begreifbar nur für diejenigen, die das Bild vorher gekannt haben.

Jetzt stellt sich die Frage, was folgt bei völliger Fragmentierung aller Arbeiten des Künstlers? Zerschneiden in kleinere Werke, was eine Vervielfachung des Bestandes zur Folge hätte? Die Aktion des Künstlers bewegt zum mannigfachen Nachdenken. Was passiert mit dem Nachlass eines Künstlers? Wie geht der Künstler zu Lebzeiten mit seinem Werk für die Nachwelt um? Ist die Kunstproduktion überhaupt noch sinnvoll, wo wir augenblicklich völlig reizüberflutet sind? Lässt sich die Kunst von Jürgen Tenz vor der eigenen Vernichtung retten und wie? Eines steht fest, der Künstler hat einen völlig unbefangenen und emotionslosen Weg gefunden, sein eigenes Werk selbstreflektierend neu zu erleben und zu erschaffen.  (weber/wsw)


Informationen: www.kunst-geschoss.de

„Fragmente“ - die neue Ausstellung im Kunstgeschoss mit Werken von Jürgen Tenz.