Geflügelpest: Erneut Möwe mit H5N8 gefunden

Werder (Havel), 2. Dezember 2016 – Im Bereich der Baumgartenbrücke wurde heute bei einem verendeten Wildvogel (Möwe) erneut der Geflügelpesterreger H5N8 nachgewiesen. Der für Werder/Potsdam bereits bestehende Beobachtungskreis wurde ausgedehnt, weitere Teile Potsdams und auch große Teile der Gemeinde Schwielowsee sind jetzt betroffen. Die Fristen für den alten und neuen Sperrkreis beginnen damit für den kompletten Bereich von Neuem.

Beschränkungen für Geflügelhaltung

Durch das Veterinäramt sind die in der Geflügelpest- Verordnung bei der Feststellung der Geflügelpest bei einem Wildvogel vorgesehenen Maßnahmen eingeleitet worden. Dazu gehört die Erweiterung des Sperrbezirkes und des Beobachtungsgebietes um den Fundort des infizierten Wildvogels. In diesen Gebieten gelten Beschränkungen für Geflügelhaltungen. Geflügel darf für die Dauer von 21 Tagen im Sperrbezirk und 15 Tagen im Beobachtungsgebiet nicht verbracht werden. Gewerbsmäßige Geflügelbestände im Sperrbezirk werden regelmäßig klinisch untersucht. Falls notwendig werden auch Proben für weitergehende Laboruntersuchungen entnommen.

Die genauen Grenzen der genannten Restriktionsgebiete und die Tierseuchenrechtlichen Verfügungen sind auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht. Die betroffenen Geflügelhalter werden über die erforderlichen Maßnahmen informiert.

Hunde und Katzen

Im Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet haben Halter von Hunden und Katzen sicherzustellen, dass diese nicht frei herumlaufen. In den ausgewiesenen Restriktionsgebieten ist darüber hinaus die Jagd auf Federwild verboten.

Geflügelhaltungen

Für alle Geflügelhaltungen gelten auf Grund einer Eilverordnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft besondere Biosicherheitsmaßnahmen. So müssen neben gewerblichen Geflügelhaltern auch Hobbyhalter sicherstellen, dass

  • die Ein- und Ausgänge zu den Ställen gegen unbefugten Zutritt gesichert sind,
  • die Ställe oder die sonstigen Standorte des Geflügels von betriebsfremden Personen nur mit betriebseigener Schutz- oder Einwegkleidung betreten werden. Die verwendete Schutzkleidung ist nach Verlassen des Stalls unverzüglich zu reinigen und zu desinfizieren oder unschädlich zu beseitigen.
  • eine betriebsbereite Einrichtung zum Waschen der Hände sowie eine Einrichtung zur Desinfektion der Schuhe vorgehalten wird.

Aufmerksamkeit

Die Bürgerinnen und Bürger werden weiterhin gebeten, vermehrte Totfunde von Wildvögeln insbesondere Wasser- und Raubvögel dem Veterinäramt zu melden.

Geflügelhalter, die ihre Bestände bisher nicht dem Veterinäramt gemeldet haben, müssen dieses unverzüglich nachholen.

Übertragung von H5N8 auf den Menschen

Bisher sind keine Infektionen des Menschen mit H5N8-Viren bekannt. Eine Übertragung des Virus über infizierte Lebensmittel ist nach Einschätzung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“. Gleichwohl empfiehlt das BfR grundsätzlich die Hygieneregeln im Umgang mit und bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukten zu beachten.


Nachfolgend die Allgemeinverfügung vom Amtstierarzt Hurttig mit der genauen Auflistung des Sperrgebietes:

Amtliche Tierseuchenbekämpfung – Allgemeinverfügung

Sperr- und Beobachtungsgebiet

Nachdem am 2.12.2016 erneut bei einem Wildvogel eine Infektion mit dem hochpathogenen aviären Influenzavirus vom Subtyp H5N8 festgestellt wurde, wird auf der Grundlage §§ 55 ff Geflügelpestverordnung nachfolgende Allgemeinverfügung erlassen:

Sperr- und Beobachtungsgebiet umfassen insgesamt 3 km.

1) Örtlicher Geltungsbereich des Sperrgebietes

Das Sperrgebiet umfasst das folgende Gebiet:

Im Norden beginnend Richtung Westen:

  • Havelufer in Höhe „Tennisklub Werder“ in Richtung „Adolf-Damaschke-Str.“ bis Ecke „Gartenstraße“
  • „Gartenstraße“ bis Ecke „Eisenbahnstraße“ – in südlicher Richtung bis Ecke „Marienweg“
  • „Marienweg“ in westlicher Richtung folgend bis Ecke „Hoher Weg“ von dort
  • weiter bis Ecke „Erdebergweg“ weiter in westlich in Richtung  nach „Kemmnitzer Str.“
  • auf „Kemmnitzer Str. weiter bis „Elsebruchweg“ entlang der westlichen Seite des „Neuen Friedhofs“ bis „Brandenburger Str.
  • „Brandenburger Str.“ folgend in östlicher Richtung bis Ecke „Kölner Str.“
  • „Kölner Str.“ in südlicher Richtung folgend bis Ecke  „Wachtelwinkel“
  • weiter in östliche Richtung bis „Potsdamer Str.“ von dort südlich bis Havelufer in Höhe Potsdamer Str. 132 a;
  • entlang dem östlichen Ufer des Glindower Sees bis Höhe „Pension Petzow“
  • weiter auf „Fercher Straße“ von dort in südliche Richtung bis „Schloss Petzow“
  • in gedachter Linie über den „Schwielowsee“ auf das östliche Ufer des „Schwielowsees“ bis Seebrücke „Zum Strandbad 1“ (Restaurant „Al Faro)
  • Straße „Zum Strandbad“ weiter in nördliche Richtung bis Ecke „Geltower Chaussee“
  • Weiter in nördliche Richtung der „Geltower Chaussee“ folgend bis“ Caputher Chaussee“
  • „Caputher Chaussee“ folgend in nördliche Richtung bis zur B1
  • B1 in westlicher Richtung bis „Gartencenter Geltow“ („Am Pappeltor“)
  • Von „Am Pappeltor“ in nördliche Richtung bis „Am Wildgatter“
  • „Am Wildgatter“ folgend bis Kaserne „Henning von Treskow“
  • westlich der Kaserne in nördliche Richtung bis „Werderscher Damm“
  • in gedachter Linie, entlang am Waldrand bis „Fuchsweg“
  • von „Fuchsweg“ in nordwestlicher Richtung das Gebiet „Wildpark West“ umfassend, entlang der Kreisgrenze bis zum Havelufer

2) Schutzmaßnahmen im Sperrgebiet

  1. Halter von Geflügel haben ihren Bestand unverzüglich unter Angabe der Nutzungsart, des Standortes sowie der Größe des Bestandes dem Fachdienst Veterinärwesen anzuzeigen.
  2. Geflügel innerhalb des Sperrgebietes ist in geschlossenen Ställen oder einer Schutzvorrichtung abgesondert zu halten. Es ist sicherzustellen, dass der Kontakt zu Wildvögeln sicher unterbunden wird.
  3. Plötzliche Verendungen von Tieren, Veränderungen bei der Futter- und Wasseraufnahme sowie ein massiver Rückgang der Leistung sind dem Hoftierarzt bzw. dem Amtstierarzt unverzüglich mitzuteilen.
  4. Besitzer von Hunden und Katzen haben sicherzustellen, dass diese im Sperrbezirk nicht frei umherlaufen.
  5. Der Tierhalter hat sicherzustellen, dass an Ein- und Ausgängen der Ställe oder sonstigen Standorte, in oder an denen sich Geflügel gehalten wird, geeignete Desinfektionsmaßnahmen mittels Matten oder anderen saugfähigen Bodenauflagen getroffen werden.
  6. Gewerbliche Geflügelhaltungsbetriebe unterliegen einer wöchentlichen klinischen Untersuchung durch einen amtlich beauftragen Tierarzt und erforderlichenfalls einer Probenahme zur Laboruntersuchung. Die Untersuchungen sind zu dokumentieren.
  7. Es ist verboten, Geflügel und andere in Gefangenschaft gehaltene Vögel aus dem Betrieb, in dem sie gehalten werden, zu entfernen.
  8. Für die Dauer von 21 Tagen ist der Versand von Bruteiern aus dem Sperrgebiet ist verboten.
  9. Das Durchführen von Märkten, Messen, Börsen, Tierschauen o. a. Zusammenführungen von Geflügel oder anderen in der Gefangenschaft gehaltenen Vögeln ist verboten.
  10. Die Beförderung von Geflügel oder anderen in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln durch das Sperrgebiet ist für die Dauer von 21 Tagen verboten.
    Auf Antrag kann der Amtstierarzt Ausnahmen hiervon zulassen, sofern die Durchfuhr auf Hauptstraßen oder mit der Bahn erfolgt bzw. es sich um eine Direktbeförderung zu einem Schlachthaus zur unmittelbaren Schlachtung handelt.
  11. Dung sowie flüssige Stallabgänge von Geflügel dürfen aus dem Sperrgebiet nicht verbracht werden. Die Lagerung hat für die Dauer von mindestens 21 Tagen nach den näheren Anweisungen des Amtstierarztes zu erfolgen.
  12. Der Versand von Frischfleisch, Hackfleisch, Fleischzubereitungen und Fleischerzeugnissen von Geflügel und anderen in der Gefangenschaft gehaltenen Vögeln ist für die Dauer von 21 Tagen verboten.
  13. Das Jagen von Federwild ist verboten.
  14. Ställe oder sonstige Standorte, in denen sich Geflügel befindet, dürfen nur vom Besitzer der Tiere, seinem Vertreter, von Tierärzten oder Personen im amtlichen Auftrag betreten werden.

3) Örtlicher Geltungsbereich des Beobachtungsgebietes

Das Beobachtungsgebiet umfasst das nachfolgend genannte Gebiet.

Im Norden beginnend:

  • Südlicher Zipfel des NSG „Wolfsbruch“
  • weiter in Richtung Westen über die Havel bis „Marina Havel“
  • Straße „Zur Uferaue“ in westlicher Richtung folgend bis Ecke „Phöbener Chaussee (L90)
  • in nördliche Richtung bis Autobahn A10 in Richtung AD Werder bis Höhe Plessower See
  • Entlang des Westufers „Großer Plessower See“ bis Straße „Am Seeblick“
  • in südöstliche Richtung entlang der B1 bis „Dr.-Wolff-Straße“
  • „Dr.-Wolff-Straße“ in südwestliche Richtung bis Ecke „Bliesendorfer Straße“
  • von „Bliesendorfer Straße“ über „Immenstraße“ bis Ecke „Glindower Mühlenstraße“
  • „Glindower Mühlenstraße“ in südliche Richtung bis „Klaistower Straße“ über „Deiche“
  • „Klaistower Straße“ in südliche Richtung nach „Langer Grund“
  • „Langer Grund“ folgend in südliche Richtung bis Waldgebiet „Mittelbusch“
  • Von „Mittelbusch“ in östliche Richtung bis „Fercher Straße“
  • „Fercher Straße“ folgend in nördlicghe Richtung bis Straße „Am Seeufer“
  • Ab Höhe der Straße „Am Seeufer“ der gesamte südliche Uferbereich des „Schwielowsees“ bis Höhe Campingplatz „Flottstelle“
  • Vor dort in gedachter Linie in östliche Richtung durch „Lienewitzer Seegebiet“ bis Südspitze des „Caputher See“
  • Weiter am südlichen Ufer des „Caputher See“ bis Kreisstraße K 6909
  • Von K 6909 in nördliche Richtung in Straße „Am Steineberg“ einmündend
  • Straße „Am Steineberg“ nach Norden folgend, die „Bergholzer Straße“ kreuzend in Straße „Am Waldrand“ bis Stadtgrenze Potsdam

4) Schutzmaßnahmen im Beobachtungsgebiet

  1. Halter von Geflügel haben ihren Bestand unverzüglich unter Angabe der Nutzungsart, des Standortes sowie der Größe des Bestandes dem Fachdienst Veterinärwesen, anzuzeigen.
  2. Geflügel innerhalb des Beobachtungsgebietes ist in geschlossenen Ställen oder sonstigen Schutzeinrichtungen abgesondert zu halten. Der direkte und indirekte Kontakt zu Wildvögeln ist sicher zu verhindern
    Dabei sind Enten und Gänse getrennt vom übrigen Hausgeflügel aufzustallen.
  3. An Ein- und Ausgängen des Betriebes sind geeignete Desinfektionsmaßnahmen zu treffen.
  4. Das Verbringen von Geflügel, andere in Gefangenschaft gehaltene Vögeln sowie Bruteiern aus dem Beobachtungsgebiet ist für einen Zeitraum von 15 Tagen verboten.
  5. Das Verbringen von Geflügel, anderen in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln sowie Bruteiern innerhalb der Überwachungszone ist dem Amtstierarzt mindestens drei Tage vorher schriftlich unter Angabe des Herkunftsbetriebes, des Bestimmungsbetriebes und der Anzahl der Tiere/Bruteier anzuzeigen.
  6. Das Durchführen von Märkten, Messen, Börsen, Tierschauen o. a. Zusammenführungen von Geflügel oder anderen in der Gefangenschaft gehaltenen Vögeln, ist verboten.
  7. Das Jagen von Federwild ist verboten
  8. Katzen sind einzusperren, Hunde sind anzuleinen.
  9. Ställe oder sonstige Standorte, in denen sich Geflügel befindet, dürfen nur vom Besitzer der Tiere, seinem Vertreter, von Tierärzten oder Personen im amtlichen Auftrag betreten werden.

5) Ordnungswidrigkeiten

Verstöße gegen die in dieser Allgemeinverfügung getroffenen Anordnungen werden gemäß § 32 (2) Nr. 4 Tiergesundheitsgesetz i.V.m. § 64 Geflügelpestverordnung als Ordnungswidrigkeiten geahndet.

6) Inkrafttreten, Ausfertigung

Die Allgemeinverfügung tritt am Tag nach ihrer Veröffentlichung in Kraft

Damit tritt die Allgemeinverfügung vom 25.11.2016 außer Kraft.

Rechtsbehelfsbelehrung:

Gegen diese Allgemeinverfügung kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch eingelegt werden. Der Widerspruch ist schriftlich oder mündlich zur Niederschrift beim Landrat des Landkreises Potsdam – Mittelmark, Fachdienst Veterinärwesen, Niemöllerstraße 1, 14806 Bad Belzig, einzulegen.

Ausfertigung: Bad Belzig, den 02.12.2016

DVM Hurttig
Amtstierarzt