Das Geheimnis um die Kruken ist gelüftet!

Werder (Havel). Sauerkirsche von Heiko Wels, Erdbeere von René Zart, Schwarze Johanna von Silke und Michael Ulrich, Himbeere lieblich von Toni Geißhirt, Stachelbeere von Ulrich Gaube, Wildmirabelle von Andreas Born, Apfel von Dietmar Bade, Aroniabeere von Familie Jens Rzegotta und Mehrfrucht von Toni Geißhirt – wenn ein Werderaner demnächst eine Obstweinempfehlung abgeben soll, dürfen diese Namen getrost genannt werden. Denn das war die Aufzählung der Gewinner der „Goldenden Kruke“ 2016.

Der Abräumer

Abräumer der feierlicher Verleihung am heutigen Nachmittag im Alten Rathaus auf der Insel war jedoch Thomas Herzog. Der Inhaber vom „BrandenBurger“ auf der Insel nahm gleich vier der begehrten Auszeichnungen mit nach Hause: vier silberne Kruken bekam Thomas Herzog für seinen Himbeer-, Pfirsich-, rote Johanna- und für seinen Erdbeerwein.

Vier silberne Kruken für Andreas Herzog.
Vier silberne Kruken für Thomas Herzog.

Dabei fing das bei Thomas Herzog ganz klein an mit der Weinproduktion. Sein Großvater bot ihm die Pfirsiche aus seinem Garten am Stadtwald in Werder zum Verkauf in seinem Laden an. Doch die Pfirsiche waren unansehnlich. Jeder echte Mucker und jede gute Hausfrau weiß aber gerade diese kernechten kleinen Dinger zu schätzen. Sie sind besonders aromatisch und lecker. So begann Thomas Herzog, aus den Pfirsichen Wein herzustellen – der gewann bei seiner ersten Einreichung gleich eine Kruke und die Erfolgsgeschichte nahm so ihren Lauf. Stolz kann er heute auch bei den großen Obstproduzenten mithalten. Tipps holte und holt er sich von den beiden zweifach ausgezeichneten Ulrich Gaube und Himbeer-Toni. Natürlich gewann Tonis Himbeerwein, dazu zeigte er Kompetenz mit seiner halbtrockenen Schwarzen Johanna. Auch weitere Obstweinhersteller konnten bei der Verleihung mehrfach die Auszeichnung aus den Händen der Bürgermeisterin Manuela Saß und der Baumblütenkönigin Tamara Thierschmann entgegen nehmen. Die Liste aller Preisträger steht unten.

Der Anfang

1998 gab es erstmals eine Verkostung und Prämierung Werderaner Obstweine. Damals wurden 36 Proben abgeben und der beste Wein mit einer „Goldenen Kruke“ prämiert, für die Platzierten gab es damals lediglich Urkunden. 2009 wurden erstmals 100 Proben von 22 Erzeugern eingereicht – in diesem Jahr waren 226 Proben von 29 Erzeugern! „Es hätten noch drei mehr sein können, aber es gab eben einen Abgabetermin, wer den verpasst hat, muss im nächsten Jahr mitmachen“, kündigt der Vorsitzende des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins, Walter Kassin, die Fortführung des immer beliebter werden Wettbewerbs an. „Schließlich erkundigen sich die Gäste der Stadt gezielt nach den Gewinnerweinen“, verwies Kassin auf das wachsende Qualitätsbewusstsein der Käufer.

Die Verleihung

„Ging es gestern bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Programms um Jubel, Trubel, Heiterkeit, so geht es heute um den wichtigsten Part des bevorstehenden 137. Baumblütenfestes in Werder“, sagte Bürgermeisterin Manuela Saß zur Begrüßung der Weinproduzenten. Sie war in der Jury, die sich nach der Abgabe der Weine am 10. April in der vergangenen Woche wie immer bei der „Muckerschen“ zum Verkosten traf. In diesem Jahr waren neben Mitgliedern des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins auch elf ehemalige Baumblütenköniginnen sowie die amtierende Tamara Thierschmann in der Jury. „Leider kann man unmöglich alle der eingereichten Weine verkosten“, bedauerte Manuela Saß, die sich von der Qualität begeistert zeigte und den Produzenten für das Engagement dankte.

Der Werdersche Obst- und Gartenbauverein ernennt grundsätzlich alle ehemaligen Baumblütenköniginnen zu Ehrenmitglieder des Vereins – eine schöne Tradition, wie Walter Kassin anmerkte. Und für das kommende Jubiläumsjahr der Stadt hat er bereits Pläne, wie er die ehemaligen Hoheiten einbinden kann.

Kassin sagte angesichts der leckeren Obstweine, dass er überlege, auch nochmal Wein zu produzieren – schon, um eine der schönen Medaillen in Form von Orden am grün-weiß-rotem Band  zu erhalten, die die „Kruken“-Gewinner heute mit nach Hause nehmen konnten.  „Ab 2017“, informierte Kassin, „werden wir auf Grund der Vielfalt der Fruchtweine eventuell sogar die Kategorien erweitern müssen – gibt es doch neben den traditionellen Weinen jetzt auch schon Gartenkiwi, Aronia- oder Hagebuttenblüten-Weine.“ In diesem Jahr waren es 31 Fruchtarten plus Mehrfruchtmischungen.

Das neue Procedere

Der erste Beigeordnete Christian Große erläuterte vor der Verleihung das neue Procedere um die Kruken-Preisverleihung. „Bereits im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit dem Obst- und Gartenbauverein beschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Um das Engagement und das Handwerk der Produzenten in einem angemessenen Rahmen zu würdigen, planten wir diese Veranstaltung in Form einer eigenen Pressekonferenz“. So können die Produzenten bereits ab morgen entsprechend mit ihren Auszeichnungen werben.

Zuvor wurden die „Kruken“ immer beim Baumblütenball überreicht – die Auszeichnung aber angesichts des Balltrubels und der Aufmerksamkeit, den die neue Blütenkönigin zu Recht erhielt, leider oft unter. Mit der neuen Form soll die Arbeit der Obstweinhersteller und die Wichtigkeit des Weines für das große Fest der Stadt besser gewürdigt werden.

 

Kategorie 1 Sauerkirsche

  1. Obsthof Heiko Wels
  2. Obsthof Manfred Seidel
  3. Obsthof Stefan Lindicke

Kategorie 2 Erdbeere

  1. René Zart
  2. Thomas Herzog
  3. Obstbau Günter Schultz

Kategorie 3 Schwarze Johannisbeere

  1. Silke und Michael Ulrich
  2. Roland Kreische
  3. Toni Geißhirt

Kategorie 4 Himbeere, Brombeere, Heidelbeere

  1. Toni Geißhirt – Himbeere lieblich
  2. Thomas Herzog – Himbeere
  3. Ulrich Gaube – Himbeere

Kategorie 5 Johannisbeere, Stachelbeere

  1. Ulrich Gaube – Stachenbeere
  2. Thomas Herzog – rote Johanna
  3. Obstbau Manfred Seidel – rote Johanna

Kategorie 6 Steinobst

  1. Andreas Born – Wildmirabelle
  2. Thomas Herzog – Pfirsich
  3. Marcel Lehnst – Pfirsich

Kategorie 7 Kernobst

  1. Dietmar Bade – Apfel
  2. René Zart – Quitte
  3. Bernd Lorenz – Quitte

Kategorie 8 Heimische Raritäten

  1. Fam. Jens Rzegotta – Aroniabeere
  2. Obstbau Stefan Lindicke – Rhabarber
  3. Obstbau Manfred Seidel – Rhabarber

Kategorie 9 Mehrfrucht

  1. Toni Geißhirt – Mehrfrucht
  2. Uwe Leo – Mehrfrucht
  3. Uwe Leo – Holunder/Kirsche