Glindow wird auch 700 Jahre alt

Edelgard Baatz, Fred Witschel, Brigitte Wilhelm, Friedel Häberer (v.l.) im Heimatmuseum. Foto: Stadt Werder

Werder (Havel), 26. November 2016 – Nicht nur die Stadt Werder (Havel), auch Werders größter Ortsteil Glindow feiert im kommenden Jahr sein 700. Jubiläum.
Im Jahr 1317 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, und wie in Werder waren auch in Glindow die Lehniner Zisterzienser und Markgraf Waldemar im Spiel: Der Ortsname Glindow wird erstmals in einer Urkunde genannt, mit der der Markgraf den Lehniner Mönchen den Glindower See übertragen hatte. Der Ortsname lautete ursprünglich Glina, ein Wort slawischen Ursprungs für Ton oder Lehm.

Die Glindower wollen im kommenden Jubiläumsjahr an ihre facettenreiche Ortsgeschichte erinnern. Unter dem Dach des Ortsbeirats und des Glindower Heimatvereins hat sich mit Friedel Häberer, Vera Neumann, Barbara Chzychol, Brigitte Wilhelm, Edelgard Baatz und Fred Witschel ein Redaktionsteam gebildet, das seit Monaten dazu recherchiert. Bis zum Frühjahr soll ein „Glindower Almanach“ entstehen, sagt Fred Witschel, stellvertretender Ortsvorsteher und Mitglied des Redaktionsteams. „Der Leser soll nicht nur einen Blick in die Geschichte bekommen, sondern sich selbst als Teil dieser Geschichte fühlen“, so Witschel.  Als Glindower Urgestein wirkt auch der 85-jährige Friedel Haeberer an dem Almanach mit. Um die Geschichten von Generation zu Generation weiterzutragen, sei eine Fortschreibung angedacht, ergänzt Brigitte Wilhelm vom Redaktionsteam.

Die jüngere und jüngste Vergangenheit lasse sich mit Augenzeugenberichten, Familienalben und reichlich vorhandenen Unterlagen gut rekonstruieren, so Fred Witschel.  „Geht es um  Ereignisse, die mehr als ein Menschenleben zurückliegen, ist ein Studium im Schrifttum verschiedenster Quellen notwendig.“ Wissen über die feudalen Herrschafts- und Rechtsverhältnisse, die Einordnung in landesgeschichtliche Zusammenhänge und Kenntnisse zur lateinischen und mitteldeutschen Sprache seien  hierbei unabdingbar.  „Immer wieder steht die Frage im Mittelpunkt, ob Überliefertes auch als prüfbare und wahrscheinlichste Interpretation angesehen werden kann, um nicht voreilig zu urteilen“, sagt Witschel. „Dazu gehören Erfahrung, Ausdauer und auch Glück.“

So haben sich die Chronisten des Heimatvereins entschlossen, keine Chronik im wissenschaftlichen Sinne zu schreiben, sondern einen Almanach unter der Überschrift „Überliefertes. Verbrieftes. Streiflichter – aus der 700-jährigen Geschichte Glindows“ zu verfassen. Neben kalendarischen Daten sollen den „Glindower Almanach“ Bilder, Anekdoten, Gedichte und Erzählungen von und über die Einwohner, ob jung, ob alt, interessant machen. „Der Leser soll nicht nur einen Blick in die Geschichte bekommen, sondern sich selbst als Teil dieser Geschichte fühlen“, sagt Edelgard BaatzVorsitzende des Heimatvereins und ebenfalls im Redaktionsteam aktiv.

Der Almanach soll zur Saisoneröffnung des Heimatmuseums am 1. April 2017 vorgestellt werden. Das Glindower Jubiläum soll dann im Rahmen des Kirsch- und Ziegelfestes am 1. und 2. Juli 2017 ausgiebig gefeiert werden Bei einem Festumzug werden Glindows Vereine ihre Vereinsgeschichten erzählen, im Rahmen der Feierlichkeiten ist auch ein Auftritt des Glindower Ton- und Kirschen-Theaters geplant. Außerdem wird eine Delegation aus Glindows Partnerstadt Rahden erwartet.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß nannte es eine glückliche Fügung, dass der größte Ortsteil von Werder (Havel) im selben Jahr zum ersten Mal erwähnt wurde wie die Stadt Werder selbst. „Das gibt uns die Möglichkeit, beide Jubiläen in beiden Orten gemeinsam zu feiern.“ Sie würdigte die ehrenamtlichen Aktivitäten der Glindower und insbesondere des Heimatvereins zu den Jubiläumsfeierlichkeiten. „Es ist ein Zeichen für eine starke und lebendige Dorfgemeinschaft, wenn man zu einem solchen Anlass gemeinsam zurückschauen und auch feiern kann.“

Schaut man in Glindows jüngere Geschichte, stößt man auf einen schon vor mehreren Jahrzehnten begangenen 700. Jahrestag. „Der damalige Ortschronist Grothe interpretierte alte Urkunden falsch, und so feierte Glindow das Jubiläum im Jahre 1938 zu Unrecht“, erzählt das Glindower Urgestein Friedel Haeberer. In seinen Recherchen habe sich Grothe damals auf eine im Domstiftsarchiv in Brandenburg (Havel) verwahrte Urkunde des Erzbischofs von Magdeburg aus dem Jahre 1238 berufen. In dieser ist ein geistlicher „Burchardus de Glinde“ als Zeuge erwähnt. Grothe hatte geglaubt, den Pfarrer von Glindow als Verhandlungsführer des Markgrafen von Brandenburg darin zu erkennen.

Heute wisse man, dass sich Buchardus de Glinde nicht nach seinem Pfarramtssitz benannte, sondern den Namen des Geschlechts de Glinde führte, so Haeberer. „Dieser bezieht sich auf das Dorf Glinde, heute zur Stadt Barby im Saale-Landkreis gehörend“, ergänzt Fred Witschel. Die Urkunde von 1238 selbst beziehe sich auf den Verkauf des Dorfes Marquede, heute zur  Gemeinde Milower Land im Landkreis Havelland gehörend, an den Bischof von Brandenburg. „Buchardus de Glinde handelte eindeutig im Interesse des Kapitels von Magdeburg und nicht, wie durch Grothe interpretiert, zugunsten des Bischofs zu Brandenburg“, so Fred Witschel.

Auch am 4. Januar 2017 um 18.30 Uhr soll es beim traditionellen Treffen der Vorstände der Glindower Vereine mit dem Ortsbeirat um Aktivitäten zum Ortsjubiläum gehen. (Treffpunkt: Gaststätte „ Kleines Seerestaurant“ in Glindow). „Ein Dank geht heute schon an die Betriebe und  Sponsoren, die diesen Höhepunkt unterstützen“, so Glindows Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm. (red)