Gut Holz!

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Gut Holz - so heißt es beim Kegeln. Die Werderaner sind erfolgreich! Foto: wsw

Werder (Havel), 11. März 2018 – Das Sprichwort „Eine ruhige Kugel schieben“ hat so gar nichts mit dem zu tun, was auf den vier Bahnen in der Alten Weberei passiert. Junge und ältere Keglerinnen und Kegler betreiben hier erfolgreich einen Wettkampfsport, der es in sich hat.

Der Werderaner Kegelverein ist seit dem Jahr 2000 ein Zusammenschluss aus dem KV Werder und dem KSC Victoria 77 aus Neu Plötzin. Und gemeinsam ist man stark – die Erfolge in allen Klassen und Ligen zeugen davon. Unlängst fanden hier die Landesvereinsmeisterschaften der männlichen Jugend B statt – mit der Mannschaft Potsdam-Mittelmark, zu der auch Jugendliche aus dem Kegelverein der Blütenstadt gehören – 1. Platz.
Die Damen-Mannschaft Potsdam-Mittelmark mit Werderaner Beteiligung fährt am 1. Mai zu den Landesmeisterschaften nach Berlin, bei den Kreisdoppelmeisterschaften holte die Werderaner Damen Platz 1 und 2 … die Liste der Erfolge ist lang. Es gibt sogar eine Seniorengruppe mit zum Teil über 70-Jährigen – die trifft sich alle 14 Tage Dienstagvormittag in der Alten Weberei.

Der Wettkampf-Spielbetrieb läuft von September bis März. Dann kommen die Landesmeisterschaften, dann die Deutsche Meisterschaften im Mai/Juni – die sich dafür qualifiziert haben, sind dann viel unterwegs. Trainiert wird in Werder aber durchgehend.„Auf die aktuellen Erfolge sind wir natürlich sehr stolz“, betonen Christian Buchwald und Burkhard Schoof. Buchwald als Vorsitzender des Kegelvereins Werder (Havel) und Schoof als Vorsitzender des KSC Victoria 77 Neu Plötzin arbeiten gut zusammen. Über 50 Mitglieder zählt die Spielgemeinschaft, die Kegler aus allen Altersgruppen kommen aus Werder und allen Ortsteilen. Mit dem Zusammenschluss beider Vereine konnten auch die Spielklassen entsprechend ergänzt werden, so dass man besonders schlagkräftige Sportlerinnen und Sportler sowie Mannschaften hat. Auch viele Wettkämpfe werden vom Team organisiert.

Ein besonderes Talent ist Jonathan Jaeger, der jetzt sogar in die Bundesligamannschaft in das erfolgreiche Fehrbellin wechselt. Der Sohn des langjährigen Trainers Maik Jaeger wird als Ausnahmetalent beschrieben, der sich in Fehrbellin auf einer der bundesweit modernsten Kegelanlagen bestimmt noch weiter entwickeln wird. „Den wollte Fehrbellin schon seit Jahren haben. Der kann es“, geben die Werderaner ihr Talent eigentlich ungern her. Bevor er sich auf die trainingsintensive Bundesliga einließ, wollte der mehrfache Deutsche Meister im Jugend- und Juniorenbereich seine Lehre abschließen. „Durch den Vater hat Jonathan früh angefangen und ist natürlich ein Ausnahme-Talent. Auf 100 Kegler finden man nur einen, der so gut ist. Der hat Gefühl und Konzentration und kann das auf den Punkt abrufen. Nicht nur einmal, sondern 120 Würfe hintereinander“, sind die Werderaner stolz auf den jungen Erfolgskegler.

Kegeln hat Tradition in der Blütenstadt. „Ich habe schon auf der Zwei-Bahnen-Anlage auf der Bismarkhöhe gekegelt. Die gibt es ja schon lange nicht mehr“, erzählt Christian Buchwald. „Damals noch bei der BSG Einheit Werder, Abteilung Kegeln. Irgendjemand hat mich mal mitgenommen. Das war mehr ein Zufall. Dann entwickelten sich aber die Wettkämpfe, ich bin dran geblieben und habe auch Freunde mitgenommen, die zum Teil heute noch dabei sind“. Derzeit kegelt Buchwald mit der 2. Herrenmannschaft in der Kreisliga, Vereinsmeister wurde er etliche Male, auch Staffelsieger mit der Kreisliga-Mannschaft. „Beim Kegeln betätigt man sich sportlich und man muss sich konzentrieren können – auf den Punkt“, zählt Buchwald auf, was er am Kegeln schätzt. Dass es ein Teamsport ist, sei ihm ebenso wichtig, auch wenn Kegeln nicht so publikumswirksam wie Fußball oder Handball sei und demzufolge nicht so präsent in der Stadt. Beim jährlichen Baumblütenturnier oder beim Mühlenfest wird allerdings jeweils die Außenkegelbahn des Vereins aufgebaut. So kann man auf sich aufmerksam machen und die Leute begeistern.

Burkhard Schoof begann als Jugendlicher mit dem Kegelsport in Neu Plötzin. „1977 wurde dort die Bahn gebaut“. Doch als die LPG abgewickelt und samt Immobilien verkauft wurde, war die Bahn auch weg. „Das war wirklich hart für alle“, erinnert sich Schoof, der für seine Verdienste um den Verein schon den Ehrenamts-Award des Landeskreises Potsdam-Mittelmark erhielt.
Schoof kann ebenso auf Erfolge verweisen: 1999 gelang ihm im Doppel mit Michael Preuß der Durchmarsch bis zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften. „Da habe ich noch durchgehend trainiert“, erinnert er sich. „Kegeln ist ein schöner Mannschaftssport, bei dem auch die Einzelperson wichtig ist“. Wichtig ist beiden Vereinsvorsitzenden auch die Geselligkeit des Vereinslebens.

Beide Vereine haben bereits einmal ihre Bahnen verlassen müssen. Das sitzt fest in den Köpfen. Und nun bangt die Spielgemeinschaft wieder um ihre Bahnen, für deren Nutzung sie eine Gebühr zahlen. Maik Jaeger: „Meine persönliche Sorge als Trainer ist die Sorge um das Umfeld. Wenn ich Werbung mache für Kindersport bei uns, dann möchte ich natürlich, dass ich das hier auch weiterführen kann“. Die Spielgemeinschaft – so die einstimmige Meinung – möchte in Werder kegeln und nicht nach Geltow oder anderen Orten mit Kegelbahnen fahren müssen. „Das wäre nicht nur für die Kinder schwierig“, so Buchwald. Die kämen wie alle anderen Mitglieder des Vereins aus allen Ortsteilen.

Das Gelände der Alten Weberei gehört dem Stadtsportbund. Entstehen soll hier das Familien- und Jugendzentraum für die Stadt Werder (Havel). Die kommenden Umbauten und die Entwicklung des Geländes werden massiv sein. Dennoch kann Klaus-Dieter Bartsch, Chef des Stadtsportbundes, Entwarnung geben: „Wir sind stolz auf die Erfolge unseres Kegelvereins“, sagt er gegenüber wirsindwerder. „Jeder einzelne Sportverein liegt mir am Herzen. Und ich weiß ja, das auch bei den Keglern tolle Erfolge erreicht werden und wir haben ja mit dem Kegelverein  vor ein paar Tagen einen Vertrag für die Bahnen abgeschlossen. Dafür muss jeder seinen Anteil leisten.“, sagt Bartsch, dem es mit vielen Aktiven bereits einmal gelang, den Titel „Sportlichste Stadt Brandenburgs“ zu erreichen. Die Kegler müssten sich keine Sorgen machen – ihre Sportstätte bleibt ihnen erhalten. (wsw)

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Christian Buchwald (li.) ist Vorsitzender des Werderaner Kegelvereins. Maik Jaeger ist Trainer in der Spielgemeinschaft. Foto: wsw
Erfolgreich in vielen Wettkämpfen - die Damen der Spielgemeinschaft der Kegler in Werder (Havel). Foto: Verein
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Burkard Schoof ist Vorsitzender des KSC Victoria 77 Neu Plötzin, der sich mit dem Werderaner Verein zu einer erfolgreichen Spielgemeinschaft zusammengeschlossen hat. Foto: wsw