Häuschen am Frischemarkt wird verschönt

Kerstin Roscher bei der Arbeit auf dem Frischemarkt am Werderpark. Sie bemalt das Holzhäuschen mit Motiven, die zu Werder passen.

Werder (Havel), 26. Juli 2016 – Es ist verdammt heiß auf dem Frischemarkt, der heute nur ein großer leerer Platz ist. Doch oben, da wo das Holzhäuschen steht, trotzt eine blonde Frau der Hitze. Einen kleinen Sonnenbrand hat sie schon, dennoch malt Kerstin Roscher tapfer weiter. Es ist eine Auftragsarbeit – aber die Arbeit macht ihr Spaß. Vom Werderschen Obst- und Gartenbauverein hat sie den Auftrag bekommen, die Hütte optisch aufzuhübschen. Was passt da besser als heimatliche Motive – Obst, Gemüse, ein lachender Obstmucker.

Kerstin Roscher ist – obwohl in Bautzen lebend – in Werder wahrlich keine Unbekannte. Im Fischrestaurant auf der Insel, dem „Arielle“, hat sie gemalt, auch Garagen auf der Jugendhöhe zieren ihre Bilder. Seit 20 Jahren ist sie immer mal wieder hier in Werder zu Besuch. „Ich bin schon ein bisschen verliebt in die Gegend – aber wer ist das nicht?“, schmunzelt sie.

Ihre Farben – die ja Wind und Wetter trotzen müssen – mischt und mixt sie selbst an. „Das ist eine Menge Erfahrung und das Wissen um die Zusammensetzung“, lässt sie sich da nicht in die Karten schauen. Einen kleinen Trick verrät sie doch: „Kaolin“. Das ist ein Kaliumsilikat mit mehreren vorteilhaften Wirkungen in Farbe. Das Wissen um Minerale und deren Vorteile bekam sie schon in jungen Jahren, als sie im Bergbau Schlosser lernte und arbeitete. Schlosser im Bergbau? Als Frau? „Ach“, lacht sie. „Das war zu DDR-Zeiten keine Seltenheit, wir waren mehrere Frauen, die da gearbeitet haben“. Ihr Traumberuf war es dennoch nicht, eigentlich wollte sie Porzellanmalerin werden.

Nach der Wende hielt es sie dann nicht mehr im Bergbau. Sie gründete eine immer noch bestehende Malwerkstatt in ihrer Heimatstadt Bautzen. „In einem tollen alten Gemäuer“, schwärmt sie. Überhaupt sei die Stadt Bautzen mit ihrer über 1000-jährigen Geschichte überaus schön. Touristen seien immer wieder begeistert vom wunderschönen mittelalterlichen Flair der Stadt. Und die Sorben bereicherten die kulturelle Vielfalt obendrein. Außerdem sei der berühmt-berüchtigte Stasi-Knast jetzt ein Museum und ebenso einen Besuch wert.

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Aber auch die Malwerkstatt – so engagiert sie von Kerstin Roscher auch betrieben wird – ernährt sie als Freischaffende nicht. So kommt es, dass Kerstin Roscher fürs tägliche Brot auch Busfahrerin ist. Aber hier in Werder ist sie nur Malerin. Sie hat sich mit dem Chef des Obst- und Gartenbauvereins, Walter Kassin, und der Marktchefin Christiane Wolter, über die Motive abgestimmt, die natürlich mit dem Frischemarkt zu haben werden. Natürlich hat der Verein bestimmte Vorstellungen. „Aber am Ende ist es doch immer etwas anders als geplant“, lacht Kerstin Roscher. Denn dann ist hier mal eine Schraube zu übermalen oder hat das Holz eine Unebenheit, die es gilt, ganz unauffällig ins Bild zu integrieren.

Um die Gestaltung des Häuschens überhaupt möglich zu machen, wurde das Haus teilweise mit langlebigen Platten verkleidet. „Wenn ich eine Wand sehe, sehe ich auch schon das Bild“, sagt die Malerin, die die Zusammenarbeit mit dem Werderschen Verein lobt. „Ich bewundere, wie die Obstbauern ihr Obst und Gemüse hoch schätzen, wie sie es in den Händen haben. Aber die wissen eben, was für Arbeit da drin steckt“, sagt sie. Und so, wie die Obstbauern ihre Produkte lieben, schätze sie selbst beispielsweise ihre Stifte, findet sie einen schönen Vergleich.

Am Freitag will sie ihre Arbeit abgeschlossen haben – so dass am Samstag zum Markttag auf dem Frischemarkt alle das Häuschen bewundern können.

Die Hitze macht ihr zu schaffen - dennoch ist Kerstin Roscher fröhlich bei der Arbeit.

Malwerkstatt Bautzen
Dekorations & Wandbemalung
Restaurieren von alten Ölbildern und Rahmen
Bemalung von Möbeln mit alten Techniken
Ölbilder in Auftragsarbeit
Mal-Café, Mal-Abende, 30 Plätze

Kontakt
Kerstin Roscher

Schloßstraße 4, Bautzen
Tel. 03591 490061
Funk: 0151 18901749
E-Mail: malwerkstatt-bautzen@t-online.de