Handwerk, Kreativität und fleißige Hände in der Gärtnerei Wolter

Michael und Christiane Wolter haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun.

Werder (Havel), 11. November 2016 – Besinnung, Nachdenken, Erinnerung und der Besuch auf dem Friedhof zum Totensonntag gehören vielleicht nicht zu den Themen, über die man täglich spricht – dennoch hat der auch Ewigkeitssonntag genannte Tag eine besondere Bedeutung im Leben vieler Menschen. Ob gläubig oder nicht – zum Totensonntag werden die Grabplatten und -steine gereinigt, Gräber mit Blumen, Gestecken und Tannengrün geschmückt, vielerorts Kerzen angezündet und so der Verstorbenen gedacht.


Übrigens bestimmte der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1816 den Sonntag vor dem ersten Advent als staatlichen Feiertag. Der Totensonntag ist Bestandteil des so genannten „Trauermonats November“. Während die Katholiken Anfang November die Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen und am 11. November den Martinstag feiern, gibt es immer zwei Sonntage vor dem 1. Advent den Volkstrauertag als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten beider Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft. Zwischen dem Volkstrauertag und dem Totensonntag wird am Mittwoch der evangelische Buß- und Bettag begangen. Der Totensonntag liegt immer einen Sonntag vor dem 1. Advent – in diesem Jahr am 20. November. Am gleichen Tag übrigens feiert die katholische Kirche den Christkönigssonntag.


Grabschmuck aus Plötzin

Eine feste Adresse ist deshalb besonders im November für viele Kunden die Gärtnerei Wolter in Plötzin. Christiane und Michael Wolter können in diesen Tagen kaum hochschauen, so viel Arbeit gibt es. Ihre kreativen Gestecke und Schalen sind als Grabschmuck begehrt, denn keines gleich dem anderen. „Wir wollen schon, dass es individuell ist“, sagt Christiane Wolter, die als Gartenbauingenieurin das Wissen und mit ihrer Kunstfertigkeit das Handwerk einbringt. Michael Wolter ist eigentlich Betriebswirt. „Er kümmert sich ums Finanzielle“, lacht Christiane, wohl wissend, dass in einem Familienbetrieb wie dem ihren beide mit anpacken, wo es nötig ist.
Und so steht auch Michael Wolter im Arbeitsraum und schneidet Tannengrün, begrüßt die Kundschaft und verkauft den Grabschmuck oder nimmt dafür Bestellungen entgegen. Davon gibt es viele in diesen Tagen – nicht nur Stammkunden kommen auf den Hof. Zwischen zehn Zentimeter bis 1,50 Meter Durchmesser können die Gestecke haben, die Christiane kunstvoll herrichtet. Was fertig als Trauergesteck, Trauerherz, Trauerauflage oder Trauerstrauß so prächtig aussieht, entstand in ihren Händen in recht mühevoller Kleinarbeit.

Individuelle Handarbeit

Auf der Unterlage wird das zuvor eingeweichte Islandmoos in kleine Flocken gezupft mit geübtem Auge und sicherer Hand verteilt und befestigt. „Das ist wie ein Puzzle“, erklärt Christiane Wolter. Ihre Spezialität ist ein Einbringen von Buchsbaumstreifen – „Das schmückt, ist in der Farbkombination mit dem Islandmoos fast leuchtend“. Viele weitere „Zutaten“, unter anderem Trockenblumen – teilweise gefärbt wie dunkelrote Schafgarbe etwa und weitere schmückende Elemente sind nötig, bevor der Grabschmuck fertig ist.  Das meiste kommt natürlich aus der eigenen Gärtnerei, sogar die Schilfkolben, „Schmackedutzchen“, wie sie hier in der Mittelmark vielfach genannt werden. Vielfältige kreative Ideen muss Christiane Wolter haben, um die vielen Gestecke individuell zu gestalten. „Bei Bestellungen werden natürlich auch Kundenwünsche, beispielsweise was die Form oder die Farbe angeht, umgesetzt“. Zudem können die Kunden in ihrem Album mit Bildern blättern und sich Anregungen holen. Wie lange sie für eines ihrer kleiner oder großen dekorativen Kunstwerke braucht, kann sie gar nicht sagen. „Das ist auch auf Grund der unterschiedlichen Größen einfach unmöglich“. Eins-zwei-fix geht es jedenfalls nicht, das ist eben echte Handarbeit. Und 8-Stunden-Tage gibt es ohnehin kaum.

Das Sortiment

Aber auch winterfeste Stauden und Gehölze werden in der Gärtnerei Wolter noch verkauft – in rund 5000 Quadratmeter großen Gartenfläche der der Plötziner Chaussee wächst und gedeiht vieles. Zudem kümmert sich Michael Wolter auch um die drei Mitarbeiter, die im Auftrage der Stadt auf dem Neuen und dem Alten Friedhof in Werder für die Rahmenpflege – beispielsweise Rasenschnitt, Wegereinigung oder Heckenschnitt – sorgen und die sach- und fachgerechte Grabpflege von privaten Auftraggebern erledigen. Dazu gehört auch, die Sommerbepflanzung zu entfernen und die Grababdeckung mit Zweigen von Nordmanntannen für den Winter herzurichten. Das Abdeckgrün kommt übrigens auch aus dem eigenen Anbau. Denn unter den knorrigen alten Süßkirschen wachsen Nordmanntannen und Blaufichten in verschiedenen Größen, die im Dezember dann auch als Weihnachtsbäume verkauft werden. So mancher Kunde kommt bereits im August, sucht sich „seinen“ Baum aus und hängt ein Zettelchen dran. Aber schönes Grün gibt es auch von der rund einen Kilometer langen Thuja-Hecke oder von dem zweifarbigen Buchsbaum.

Die Gestecke oder Schalen für Grabstellen sowie verschiedenstes Abdeckgrün werden seit einigen Wochen auch samstags auf dem Frischemarkt am Strengfeld verkauft – auch an diesem Samstag kann man sich hier noch für den bevorstehenden Totensonntag versorgen. Nach dem Totensonntag ist dann die jährliche Marktsaison für die Gärtnerei Wolter GbR beendet – allerdings noch lange nicht das Arbeitsjahr.

Das Gartenjahr bei Wolters

Das beginnt im Januar/Februar mit dem Schnitt der Obstbäume. Ab März kommt der Markt dazu, wo dann die eigene Freilandware von Stiefmütterchen und Hornveilchen angeboten wird. Im Frühling werden auch die Kräuter vermehrt. Im April kommt die Frühjahrsbepflanzung für Gärten und Gräber dazu, im Mai gibt es dann Rhododendren, Stauden und Gehölze und auch Kräuter aus der Wolterschen Vermehrung oder Halbfertigware. Als Halbfertigware gelten Pflanzen, die bis zur Fertigware noch Teilkulturperioden durchlaufen müssen und die zur Weiterkultur an andere Erzeugerbetriebe verkauft werden. Im Mai steht dann auch die zweite Bepflanzung der Gräber an. An die 100 verschiedene Stauden werden übers Jahr angeboten, darunter Polster-Phlox, Grasnelken, Günsel, Taglilien, Funkien, Astern, Mädchenauge, Salomonssiegel und viele mehr.

Im Juni und Juli werden die Kirschen und Erdbeeren geerntet und verkauft. „Alles eigene Produktion“. Die Saisonnachbereitung folgt im August, ebenso die Bodenvorbereitungen zum Pflanzen. Denn im September werden die Stiefmütterchen vermehrt, im großen Garten, in dem die Walters auch des Öfteren eine Rehfamilie aus nächster Nähe beobachten können, muss vieles gepflegt und aufgeräumt werden. Der Oktober steht dann bereits im Zeichen der Vorbereitungen auf den Beginn des Trauermonats November: Grabgestecke werden vorbereitet. Im Dezember werden dann die Weihnachtsbäume verkauft. – Ein arbeitsreiches Gartenjahr – mit allen Hege- und Pflegearbeiten, die eben dazugehören. (low)

Bildergalerie

Plötziner Chaussee 2, 14542 Werder (Havel), OT Plötzin
Telefon: 033207-70888
E-Mail: gaertnerei-wolter@gmx.de

Verkauf von März bis Dezember – Parkplätze direkt am Haus
Stiefmütterchen/Hornveilchen, winterfeste Stauden und Gehölze
feine Kräuter, Erdbeeren, Kirschen
Grabschmuck und Weihnachtsbäume
private Grabpflege und sonstige Dienstleistungen auf dem Friedhof

Verkauf in Plötzin:
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag: 9 bis 12 Uhr
Markt: Werderaner Frischemarkt