Historischer Festumzug 700 Jahre Ersterwähnung Werder wird detailgetreu und lebendig

Die Festschrift zum Jubiläum ist erschienen / Bürgermeisterin stellt Heft vor und informiert zum historischen Festumzug

Gemeinsam mit vielen aktiven Protagonisten und Vorbereitern des Festumzuges präsentierte Bürgermeisterin Manuela Saß heute die Festschrift zu 700 Jahre Werder. Alle Fotos: werderfoto.de

Werder (Havel), 20. Januar 2017 – Der Satz „Werder wird in diesem Jahr 700 Jahre alt“ ist zwar griffig, stimmt aber nicht. Richtig ist vielmehr, dass die Stadt vor 700 Jahren das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. „Werder wurde viel früher besiedelt“, weiß auch die Bürgermeisterin Manuela Saß. Sie stellte heute in den Bürgerstuben den Journalisten die Festschrift vor. Die Broschüre, die in einer Auflage von 16.000 Stück erschien, wird derzeit an sämtliche Haushalte in Werder und den Ortsteilen verteilt. Saß betonte bei der Pressekonferenz für alle, die in die zweijährigen Vorbereitungen involviert waren und sind, dass „wir wissen, dass die Werderschen ihre Heimat lieben. Wir werden das Jahr gemeinsam zu einem besonderen machen“.

Das Festjahr bietet mit mehr als 30 Veranstaltungen die Möglichkeit zu feiern und Werder aus neuen Perspektiven kennenzulernen, so Manuela Saß. Nach dem Auftakt mit dem Filmorchester Babelsberg am 29. Januar um 16 Uhr im Ballsaal der Bismarckhöhe gebe es nicht nur weitere tolle Konzerte und Veranstaltungspremieren wie das dreitägige Musikfestival „Werder klingt“ mit Jazz und Swing im Scala-Kino (10. bis 12 März).  „Dieses Festival wird das musikalische Angebot in der Blütenstadt erweitern“, so Saß.

Den Einwohnern und den Freunden der Blütenstadt würden sich auch zahlreiche Möglichkeiten bieten,  sich in unterschiedlicher Form mit der 700-jährigen Stadtgeschichte auseinanderzusetzen.
So finde gleich im Februar und März immer montags um 19 Uhr ein achtteiliges Seminar der Kreisvolkshochschule statt, bei dem die Zeitabschnitte und besondere Aspekte der Stadtgeschichte populär vermittelt werden. Rund 25 Interessenten hätten bereits alle acht Seminare durchgebucht. Wir haben hier darüber berichtet.
Überregionale Strahlkraft dürften öffentliche Veranstaltungen wie die Tagung der Landeshistoriker (18. März) oder die Tagung der Archäologischen Gesellschaft des Landes Brandenburg (12. bis 13. Mai) haben, die sich auf wissenschaftlicher Ebene mit Gesichtspunkten der Stadtgeschichte und mit dem Bezug zur Landesgeschichte der Mark Brandenburg befassen, so die Bürgermeisterin.

Manuela Saß würdigte das Engagement von Unternehmen, Vereinen, Kitas, Schulen und weiteren Gruppen, die derzeit, häufig unterstützt vom Werderaner Ortschronist Dr. Baldur Martin, an der Vorbereitung des Festumzugs arbeiten. In mehr als 50 Bildern soll am 16. Juli im Rahmen der Festwoche die Stadtgeschichte von der urkundlichen Ersterwähnung bis in die Gegenwart nacherzählt werden. Jeder der Gruppen setzt sich mit Teilaspekten wie zum Beispiel der Ersterwähnung des Marktes, des Brauereirechtes  oder der Geschichte des Obstbaus auseinander. „Die Intensität, mit der das stattfindet und die Kreativität, die dabei entwickelt wird, ist bemerkenswert“, so Manuela Saß.

Baldur Martin stellte einige der über 50 Bilder vor, nachdem er sich bei den Beteiligten bedankt hatte. „Es macht ziemlich viel Arbeit, das so detailgetreu vorzubereiten. Ich freue mich über den regen Zuspruch – es gab bei den angefragten Vereinen keine Absagen“. „Einige Bilder werden von 20 bis 30, andere von vielleicht nur ein oder zwei Teilnehmern gestaltet“. So wird der Zug von der Bürgermeisterin und ihrem 1. Beigeordneten Christian Große angeführt – in welchem Kostüm, bleibt noch geheim. Aber Baldur Martin verrät das zweite Bild: der erste Bürger Werders. Kerstian Huneken lautet der Name des Bauern, der in einem Pachtvertrag 1375 erstmals genannt wurde, wie dem Band 1 der Chronik Werders zu entnehmen ist.  Der Bauer hatte Land in Groß Kreutz von den Rochows gepachtet. Die Ersterwähnung des Marktes, Ritter und Bogenschützen sowie die Frau Gallina, Handwerker, der Kurfürst Friedrich II, der Scharfrichter, Pfarrer, Schulmeister, Kinder bis hin zum mittelalterlichen Volk reicht die Reise durch das Mittelalter bis nach dem 30jährigen Krieg.

Dem folgen Bilder aus der Zeit der Preußischen Könige, aus der Kaiserzeit, den Zwanziger Jahren bis hin in die Neuzeit. Der historische Festumzug wird moderiert, so dass alle die Gelegenheit haben, die Bilder in Ruhe zu bestaunen. Die Bilder sind nicht statisch. Wir werden unter anderem erleben, wie ein Ritter ein schönes Mädchen befreit, das von Knechten mit Folterwerkzeugen bedroht wird, Schuhmacher und Lohgerber zeigen die Arbeitsweisen ihres Handwerks, Gauklertruppen präsentieren das Fahrende Volk auf Stelzen oder tanzen, ein Damenverein singt oder Theodor Fontane sucht das Gespräch mit den Zuschauern. Der Original-Pferde-Omnibus wird sicher für Beifall sorgen, ebenso verschiedene Hochräder, der Scharfrichter, ein historischer Kahn, Werdersche mit typischen Arbeitsgeräten oder die Rokoko-Hofgesellschaft. Auch der Karnevalsverein bereitet ein Bild vor: Eine Tanzgesellschaft auf der Bismarckhöhe. Jenny Wahnsiedler wird in einem selbst genähten Kleid die gute Hexe darstellen. Die Tanzschule Vizavi will mit verschiedenen Tanzdarbietungen aus den 20er Jahren für Aufmerksamkeit sorgen.

Über die Insel führt der Umzug nicht, denn im Gegensatz den Umzügen zum Baumblütenfest wird es beim Festumzug 700 Jahre Werder auch Gespanne mit Kutschen und anderen Wagen geben. Das wäre auf der Insel zu gefährlich. Das Sicherheitskonzept jedoch bereitet der Bürgermeisterin keine Kopfschmerzen: „Ich kenne kaum eine Stadt, die mit so bewährten Sicherheitskonzepten aufwarten kann. Werder ist bestens aufgestellt“, verweist sie auf jahrelange Erfahrungen durch das jährliche Baumblütenfest.

Die Festwoche vor den Sommerferien soll zum Höhepunkt im Festkalender werden. Am 13. Juli wird eine Festsitzung der Stadtverordnetenversammlung stattfinden, am 14. Juli ein Festempfang, am 15 Juli ein Tag des Ehrenamtes unter dem Motto „Werder hilft“. Am selben Tag steigt die Jubiläumsparty mit dem Titel „Musik liegt in der Luft“ mit Hits von Klassik bis Rock. Am 16. Juli wird dann mit einem ökumenischen Gottesdienst in den Tag gestartet, bevor nach dem historischen Festumzug zu einem bunten Programm auf den Marktplatz der Inselstadt eingeladen wird.

Der Wirtschaft, dem Obstbau und den Vereinen sind mit einer Neuauflage des Werderaner Wirtschaftstag (20. Oktober), einem Obstbausymposium (3. bis 4. November)  und einer Großen Historienschau der Vereine (8. November bis 7. Januar) jeweils eigene Veranstaltungen gewidmet. Im Jubiläumsjahr werde mit Konzerten, Ausstellungen, Film- und Theaterveranstaltungen auch die ganze Bandbreite des kulturellen Lebens in Werder abgebildet, sagt Manuela Saß. Besonders freue sie sich auf das Havelauenfest, bei dem wieder Chantychöre für Begeisterung sorgen wollen. Im Scala Kulturpalast werden am 8. und 9. September Filme gezeigt, die einen Bezug zur Blütenstadt haben. Werders Theater „Comédie Soleil“ widmet dem Jubiläum ein ganzes Theaterstück: „Die Freuden und Leiden des jungen Werder“ wird vom 24. November bis zum 17. Dezember zu sehen sein. Auch ein Pleinair mit Künstlern aus Partnerstädten und anderen Orten vom 7. bis 17. Juli werde künstlerischen Bezug zur „Perle an der Havel“ haben.

Die gerade erschienene und reich bebilderte Festschrift biete neben der siebenbändigen umfassenden Chronik die Möglichkeit, sich lesend dem Auf und Ab der Stadtgeschichte zu nähern. „Die Festschrift bietet de facto die Kurzfassung unserer Stadtgeschichte“, so Manuela Saß. Sie hofft, dass auch jüngere Menschen angeregt werden, sich damit zu befassen, wie sich die Wechselspiele der Geschichte auf ihre Heimatstadt ausgewirkt haben. „Daraus kann man auch für die Gegenwart viel lernen“, so die Bürgermeisterin. „Werders Jubiläum wird zum Erlebnis für alle werden“, freut sich Saß auf ein spannendes Jubiläumsjahr. (low)