Hobby-Imker Norman Linke und sein „Glas voll Glück“

Norman Linke - der aus Werder stammende Feuerwehrmann hat ein schönes Hobby: Bienen.

Werder (Havel), 13. September 2016 – Ein „Glas voll Glück“ halte ich in den Händen. Darin sattsonnengelber Honig, der mir in den nächsten Tagen und Wochen das Frühstück versüßen wird. Nur 300 Gläser gibt es davon pro Jahr – der aus Werder stammende Hobby-Imker Norman Linke legt Wert darauf, dass es auch seinen Bienen gut geht. „Sind die Bienen glücklich, dann bist Du es auch“, sagt er.

Wenn Norman Linke seinem Hobby nachgeht, klettert er auf das Dach des Umweltforums Auferstehungskirche in Berlin. Eine schöne Aussicht hat er dort oben. Die Liebe zur Natur hat er aus seiner Heimatstadt Werder mit nach Berlin genommen, wo er jetzt mit seiner Freundin Larissa wohnt. Seit einem Jahr schon kümmert er sich um seine 50 000 Bienen in fünf Völkern. 300 Gläser Honig waren sein Lohn im ersten Jahr. „Glas voll Glück“ nennt er seine wohlschmeckend Delikatesse. „Ich produziere nur einmal im Jahr“, erläutert der 27-Jährige die Menge.

„Es ist wirklich faszinierend zu beobachten, wie sich das Volk verändert und wächst“, sagt er. Er will eine ökologische „win-win-Situation“ für die Bienen, er beutet sie nicht aus, er füttert nicht zu. Imkern nach bewussten Ansätzen sei einfach fair, die Bienen blieben gesünder, weniger anfällig für Krankheiten. Außerdem muss er ja nicht vom Ertrag leben – Freunde und Verwandte allerdings, die ein „Glas voll Glück“ von ihm bekamen, bitten oft um Nachschub.

Norman Linke in seiner Heimatstadt. Hier verbrachte er Kindheit und Jugend, hier lebt seine Familie. Der Brandmeister-Anwärter startet mit seinem Hobby in Berlin durch. „Glas voll Glück“ heißt sein Honig.
Norman Linke in seiner Heimatstadt. Hier verbrachte er Kindheit und Jugend, hier lebt seine Familie. Der Brandmeister-Anwärter startet jetzt mit seinem Hobby in Berlin durch. „Glas voll Glück“ heißt sein Honig.

Auf eine schöne Kindheit und Jugend in der Blütenstadt kann er zurückblicken. Helfen bei der Familie und bei Opa im Garten, eigene Versuche, die größte Zucchini zu züchten, Sport, Baumblütenfeste. Nach der Schule eine Berufsausbildung, arbeiten, dann eine mehrjährige Zeit bei der Bundeswehr und jetzt ist er mitten in der Ausbildung zum hauptberuflichen Feuerwehrmann. Der Brandmeister-Anwärter suchte nach dem Umzug in die Bundeshauptstadt ein Hobby, das Natur und Naturschutz verbindet. Erst sollte es ein kleiner Garten sein – den in Berlin zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen. Es klappte nicht. Das war vielleicht auch gut so, denn über ein paar Ecken kam er zum Imkern.

Zur Vorbereitung gab es eine Menge Theorie zu büffeln, aber inzwischen genießt er die Zeit, die er wöchentlich bei seinen Bienen verbringt. „Das ist nicht nur eine Verantwortung und auch eine Menge Arbeit, das ist schon auch Entspannung vom Job“.
Er ist sich der Gefahren bewusst, denen die Bienen weltweit ausgesetzt sind. Auch deshalb hat er sich für dieses Hobby entschieden. Rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, aber durch den verstärkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die Bienen bedroht – extrem bedroht. Was wäre beispielsweise Werder ohne die Arbeit der Bienen, wie würden die Obstbäume aussehen?

Seine Bienen schwirren vom Dach der Auferstehungskirche zu Straßenbäumen, Linden zumeist, und zu grünen Ecken, beispielsweise zu nahe gelegenen Friedhöfen oder Parks. Bienen fliegen in einem Umkreis von drei Kilometern. Der Honig aus Großstädten sei oft weniger belastet als anderer, weiß Norman. Denn es gibt weniger Pestizide als auf dem Land und die Abgase können die Tiere sehr gut abbauen. „Feinstaub ist auf keinen Fall im Honig!“, betont Norman.

Den Platz auf der Kirche – er will im nächsten Jahr noch mehr Bienenstöcke aufstellen – bekam er nach langer Suche vom Umweltforum Auferstehungskirche zur Verfügung gestellt. „Die haben sich mit ihrer Arbeit der Nachhaltigkeit verschrieben“, erzählt Norman. Das passte gut zu seinem Plan und zu seinem Anspruch. Um sich gegen das Bienensterben und für den Naturschutz einsetzen zu können, macht er bei der Initiative „Berlin summt!“ mit, die ihm den Standort schließlich vermittelte. Die wiederum ist Teil der Initiative „Deutschland summt“.

„Lass’ Dich nicht stechen“, lauten meist die guten Wünsche seiner Freundin Larissa, wenn er sich auf den Weg zu seinen Bienen macht. Denn – und das wusste er vorher gar nicht – er reagiert allergisch auf Bienenstiche. „Das werden richtig dicke Beulen“, lacht er. Aber er bewegt sich ruhig, verbreitet keinen Stress – und so klappt die Arbeit meist ohne Stiche. Außerdem kennen die Imker ja auch kleine Hilfsmittel, etwa helle Kleidung, das Vernebeln von Wasser oder das Abbrennen bestimmter Hölzer oder Kräuter. Und Schutzkleidung gibt es ja auch. „Ich nehme meistens Wasser, das brauchen die Bienen ja schließlich auch“, sagt Norman. Seine Philosophie: „Jede Biene ist wichtig“. Immer würde er auch eine heruntergefallene Stockbiene aufheben.

Norman hat natürlich weitere Pläne: Vielleicht probiert er mal, einen Honig-Met herzustellen? Schließlich kommt er aus einer Stadt, in der viel Wein produziert wird. Vater Olaf Linke ist schon dabei, Weinballons zu besorgen. Oder er probiert sich mal an einer Honig-Seife?

Zunächst freut sich Norman auf seine Teilnahme am Festival  „Stadt Land Food“, die am ersten Oktoberwochenende in Berlin stattfindet. Dort stellt er sich und seinen Honig vor, in verschiedenen Werkstätten werden den Festival-Besuchern in der Markthalle 9 in der Eisenbahnstraße 42/43 in Kreuzberg Herkunft und Herstellung von beispielsweise Honig, Käse, Fisch, Wurst, Wein und Bier live erklärt. Norman freut sich auf den Austausch mit anderen und natürlich auf viele Neugierige. Vielleicht kommen ja auch ein paar Werderaner vorbei?

Und wenn ihm die Stadt zu laut oder zu eng wird, dann fährt er nach Hause, nach Werder. Hier kann er mit seiner Familie grillen, chillen, reden. Die Familie ist ihm wichtig, „die wohnen ja alle in Werder“, lacht er. Als sein Zwillingsbruder Christopher bei der Olympiade in Rio seinen Geher-Wettkampf mit dem fünften Platz beendete, war auch Norman glücklich. „Das hat er toll gemacht“, ist er natürlich stolz auf seinen Bruder. Beide haben damals im Werderaner Handballverein Grün-Weiß Werder als Kinder die ersten sportlichen Schritte als Handballer gemacht. Nach dem Erfolg in Rio waren die Brüder gemeinsam im Urlaub in Spanien.

Mehr Informationen: http://www.glas-voll-glueck.de/