In Werder weiter keine Annahme von HBCD-haltigen Dämmplatten

Dämmplatten aus dem Baubereich, wie sie zum Beispiel zur Fassaden- oder Dachisolierung verwendet werden, sind seit 60 Jahren überwiegend mit dem Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) versehen worden. Auf der Basis von Schätzungen der ehemaligen Hersteller ist davon auszugehen, dass in den Bundesländern Berlin und Brandenburg in diesem Jahr etwa 100 t, 2017 ca. 400 t und ab 2018 pro Jahr etwa 800 t dieser Polystyrol-Dämmplatten als Abfall anfallen und zu entsorgen sind.

Werder (Havel), 6. Oktober 2016 – In Werder (Havel) gibt es weiterhin keine Möglichkeit, HBCD-haltige Dämmplatten zu entsorgen. Obwohl der Containerdienst Gieske in den entsprechenden Listen genannt wird, ist eine Abgabe noch nicht möglich, wie wirsindwerder.de erfuhr.

Wie hier berichtet, dürfen die APM-Wertstoffhöfe wegen der gesetzlichen Vorschriften keine Dämmstoffabfälle aus Styropor, weder als Monocharge noch als Bestandteil von Baumischabfällen annehmen.

Was ist HBCD?

Dämmplatten aus dem Baubereich, wie sie zum Beispiel zur Fassaden- oder Dachisolierung verwendet werden, sind seit 60 Jahren überwiegend mit dem Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) versehen worden. Diese chemische Verbindung ist ein persistenter, bioakkumulierbarer Schadstoff und muss thermisch zerstört werden. HBCD-haltige Abfälle sind ab dem 30. September 2016 als gefährliche Abfälle eingestuft und unterliegen damit den Nachweispflichten der Nachweisverordnung (NachwV) sowie den Andienpflichten der Sonderabfallentsorgungsverordnungen der Länder Berlin und Brandenburg (SoAbfEV/SAbfEV).

Die momentane Situation

Jetzt hat sich die SBB Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin mbH dazu geäußert. Die SBB ist die Zentrale Einrichtung für die Organisation der Entsorgung von Sonderabfällen in den Ländern Berlin und Brandenburg.
Sie arbeitet in enger Abstimmung mit dem Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt des Landes Berlin.

„Derzeit gibt es über die künftige Entsorgungssituation von HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmplatten große Diskussionen. Die betroffene Wirtschaft – Abfallerzeuger, -entsorger, -transporteure, -dienstleister und Verbände – aber auch öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger befürchten Entsorgungsengpässe. Die Situation resultiert aus der Novellierung der POP-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 850/2004 des europäischen Parlaments und des Rates über persistente organische Schadstoffe) am 30. März 2016“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Was ist betroffen?

Durch Aufnahme des Schadstoffs Hexabromcyclodedecan (HBCD) unterliegen seit 30. September 2016 Abfälle, die mehr als 1.000 mg/kg HBCD enthalten, dieser Verordnung und den entsprechenden Regelungen. Die HBCD-haltigen Abfälle sind künftig getrennt von anderen Abfällen zu halten, nach Möglichkeit von anhaftenden Fraktionen zu separieren und als gefährlicher Abfall mit den entsprechenden Dokumenten, die die Nachweisverordnung (NachwV) sowie die Sonderabfallentsorgungsverordnungen der Länder Berlin und Brandenburg (SoAbfEV/SAbfEV) vorschreiben, zu entsorgen.
Es muss grundsätzlich eine Entsorgung vorgenommen werden, die das HBCD zerstört. In der Praxis kommt daher nur eine Verbrennung in dafür zugelassenen Anlagen in Frage. 

Von diesen neuen Regelungen betroffen sind neben Kunststoffabfällen aus dem Bereich der Demontage von Elektroaltgeräten insbesondere die oben angesprochenen Polystyrol-Dämmplatten aus dem Baubereich, denen das HBCD als Flammschutzmittel zugesetzt wurde.

Nicht in diese Kategorie gehören die kleinteiligen Kunststoffe, die etwa bei Paketen als Füllmaterial verwendet werden. Diese können weiterhin über den Gelben Sack entsorgt werden, wie die APM mitteilte.

400 Tonnen im nächsten Jahr – schätzungsweise

Auf der Basis von Schätzungen der ehemaligen Hersteller ist davon auszugehen, dass in den Bundesländern Berlin und Brandenburg in diesem Jahr etwa 100 t, 2017 ca. 400 t und ab 2018 pro Jahr etwa 800 t dieser Polystyrol-Dämmplatten als Abfall anfallen und zu entsorgen sind.

Es ist seit 2014 bekannt, dass das HBCD in die POP-Verordnung aufgenommen werden wird und damit die Entsorgung für die betroffenen Abfälle neu geregelt wird. Um alle Abfallwirtschaftsbeteiligten frühzeitig über die Auswirkungen zu informieren, hat die SBB auf diese Veränderungen und ihre Konsequenzen u. a. in Informationsveranstaltungen 2014, 2015 und 2016 hingewiesen. Darüber hinaus wurden von der SBB frühzeitig eine Vielzahl von Abfallentsorgungsfirmen kontaktiert, um anzuregen, Entsorgungskapazitäten zu schaffen. Teilweise sind diese Ideen aufgenommen und realisiert worden.

Merkblatt der SBB

In einem Merkblatt der SBB zur Entsorgung der HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmplatten sind alle relevanten Informationen zur Charakterisierung und Einstufung der Abfälle, zur erforderlichen Analytik, zu den in der Region zur Verfügung stehenden Entsorgungswegen sowie zu den erforderlichen Dokumenten der Nachweisführung zusammengestellt. Das Merkblatt ist unter www.sbb-mbh.de/publikationen/merkblaetterleitfaeden/hbcd-merkblatt.html zu finden.

Wo gibt es Anlagen?

In Berlin und Brandenburg stehen mittlerweile drei Vorbehandlungsanlagen zur Verfügung, die die HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmplattenabfälle annehmen können. Dort werden die Abfälle z. T. vorbehandelt bzw. gelagert und nachfolgend Verbrennungsanlagen zugeführt. Es besteht die Möglichkeit, diese Abfälle derzeit in zwei Abfallverbrennungsanlagen in Brandenburg zu entsorgen. Weiterhin werden 11 Sonderabfallzwischenläger in der Region betrieben, die für diese Abfälle die entsprechenden Genehmigungen besitzen und annahmebereit sind.

„Darüber hinaus verfügen 25 Abfallbeförderer (z. B. Containerdienste) über Sammelentsorgungsnachweise, über die die Abfälle von den Baustellen abgeholt und zu den zugelassenen Entsorgungsanlagen transportiert werden können. Damit besteht speziell für Bau-, Handwerks- und Abbruchfirmen, bei deren Tätigkeit diese Abfälle anfallen, eine unkomplizierte Entsorgungsmöglichkeit“, teilt die SBB mit. Eine aktuelle Liste der Firmen, die diese Abfälle als Entsorger oder Einsammler annehmen dürfen, ist hier auf der o. g. Internetseite der SBB zu finden.

Containerdienst Gieske nimmt noch nicht an

Wirsindwerder.de hat beim in den SBB-Listen genannten Containerdienst Gieske in Werder (Havel) angerufen, um nachzufragen. Wir bekamen allerdings heute morgen die Auskunft, das der die Firma Gieske nicht nichts annimmt, da eine entsprechend erforderliche Erlaubnis noch nicht vorliegt.

Bau-, Handwerks- und Abbruchfirmen sind also gut beraten, die in den Listen genannten Firmen vorher anzurufen, um zu klären, ob und wann sie die HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmplattenabfälle abliefern können. 

Was ist zu beachten?

Um die knappen Verbrennungskapazitäten sinnvoll zu nutzen, müssen folgende Aspekte im Entsorgungsprozess berücksichtigt werden:

Es ist unabdingbar, dass Polystyrol, das weder HBCD noch andere Schadstoffe enthält, – beispielsweise aus dem Verpackungsbereich – separat gehalten und den dafür zugelassenen Entsorgungswegen (als nicht gefährlicher Abfall) zugeführt wird. Alle Abfallerzeuger sollten die HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmplattenabfälle nicht direkt den Verbrennungsanlagen zuführen, sondern die Vorbehandlungskapazitäten nutzen, um die Verbrennungskapazitäten zu schonen.

„Die SBB wird auch in den nächsten Wochen weitere Anstrengungen unternehmen, um die noch knappen Entsorgungskapazitäten weiter auszubauen. Sollten Sie Fragen zu Entsorgungsmöglichkeiten für die betroffenen Abfälle haben, beraten Sie die Mitarbeiter der SBB gern“. Die entsprechenden Telefonnummern finden Sie unter www.sbb-mbh.de/aufgaben-der-sbb/nachweisverfahren.html.