Letztes Grundstück in den Havelauen verkauft

Anlässlich des letzten Grundstücksverkaufes in den Havelauen trafen sich die Bürgermeisterin und die Entwickler: (v.l.) Klaus-Peter Meißner (HPG), Jürgen Scheu (Antan Recona), Joachim Hartmann (kahabe), Manuela Saß, Martin Pietsch (MCG blue orange), Anne Mathé ((MCG blue orange), Uwe Brühl (HPG). Foto: wsw

Werder (Havel), 3. März 2018 – „Wir sind im besten Sinne des Wortes fertig – und das früher als prognostiziert“. Mit einigem Stolz verkündet Uwe Brühl, Geschäftsführer der Havelauen Projektgesellschaft mbH (HPG), dass er vor wenigen Tagen seine Unterschrift unter den letzten Kaufvertrag gesetzt habe.
Die HPG und die TRAX Gesellschaft für Grundstücksentwicklung und Erschließung mbH haben damit ihr gemeinsames Projekt „Entwicklung und Erschließung der Havelauen“ vollendet, beide in Werder ansässige Gesellschaften stellen ihre Tätigkeit planmäßig ein, wollen aber weitere Projekte – auch in der Blütenstadt – realisieren.

Nach diesem letzten Grundstücksverkauf hat Bürgermeisterin Manuela Saß das Wirken der Havelauen Projektgesellschaft und ihrer Partner in Werder (Havel) bei einem Pressegespräch gewürdigt. Als Klaus-Peter Meißner, Bernhard Brennenstuhl, Uwe Brühl, Helmut Frey und Sandra Wall vor sieben Jahren die unverkauften Grundstücke in den Havelauen übernahmen, sei das ein Glücksfall für die Stadt gewesen, so die Bürgermeisterin. Den Dank gaben die Entwickler zurück – ohne die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und den Mut auch der beteiligten Banken wäre so ein Großprojekt nicht zu schaffen. Stadt und HPG hätten frühzeitig ein Team zur Projektsteuerung gebildet, das monatlich einmal beriet, um auftretende Probleme rasch zu lösen.

Im August 2010 wurde die Projektgesellschaft Havelauen mit dem Ziel gegründet, die Insolvenzmasse der MEGA AG – das Areal „Havelauen“ zu erwerben, das Gebiet zu erschließen und zu entwickeln und schließlich an Häuslebauer und Investoren zu verkaufen. Es handelte sich um 184 000 Quadratmeter Nettobauland für Wohngebiete, 120 000 Quadratmeter Misch- und Sondergebietsflächen sowie rund 268 000 Quadratmeter künftige öffentliche Flächen, Grünanlagen, Verkehrswege und Spielplätze. Die Stadt habe in der HPG, aber auch der TRAX und der Strala-Bau gute Partner gehabt, so Manuela Saß. In der Wirkungszeit von HPG, TRAX und Strala-Bau seien die Einwohnerzahlen in den Havelauen von 650 auf 2250 gewachsen. Auch die Gewerbeflächen seien mittlerweile ausgebucht.

Zwischen 2010 und 2017 investierten demnach die beiden Unternehmen HPG und TRAX etwa 17 Millionen Euro in die Erschließungsanlagen in den Havelauen. Sie bauten mehr als 10 Kilometer Straßen und Verkehrswege, bildeten und erschlossen rund 250 Baugrundstücke zur individuellen Bebauung und schufen Voraussetzungen für dien Bau von mehr als 500 Wohnungen in den Havelauen. Je einem in die Erschließungsanlagen investierten Euro wurden den Informationen zufolge Nachfolgeinvestitionen von 18 Euro ermöglicht.

Luftbild Havelauen 2010. Quelle: HPG
Havelauen Luftbild 2016. Quelle: HPG

Die letzten Flurstücke mit 24 000 Quadratmetern wurden an die Berliner MCG blueorange GmbH verkauft. Diese GmbH ist ein gemeinsames Unternehmen der MCG Management Capital Group GmbH und der blueorange Development Partner GmbH.
Auf den an die Grundstücke der Therme angrenzenden Flächen sollen laut Bebauungsplan Ferienwohnungen und Sportangebote entstehen. Der neue Besitzer strebt die Zusammenarbeit mit dem künftigen Betreiber der Therme an.
Die MCG blueorange wird zudem ein Projekt auf einem Grundstück am Yachthafen auf einer Gesamtfläche von 10 625 Quadratmetern realisieren. Für das Projekt „Vital Werder“, dessen B-Plan-Verfahren Anfang des Jahre abgeschlossen wurde, sollen im Sommer die Bauanträge eingereicht werden, Ende 2019 will die MCG fertig sein.
Entstehen sollen dabei in dem Areal rund 50 Eigentums- und Mietwohnungen, zudem werden gesundheitsnahe Dienstleistungen und medizinische Versorgungseinrichtungen – also Arztpraxen, Apotheke und entsprechende Dienstleister – ansiedeln, wie Martin Pietsch, Blueorange-Geschäftsführer, informierte.

Projekt „Vital Werder“ auf dem Flurstück 783: Visualisierung des Gesundheitsprojektes. Quelle: Pure Rendering Berlin

Insgesamt seien seit dem Beginn der Konversion im Jahr 1994 laut HPG rund 340 Millionen Euro in den Havelauen investiert worden. Im Gewerbebereich seien die Erfolge sichtbar. So habe beispielsweise die Firma Condio, die in Werder (Havel) bislang nur einen Nebensitz hatte, ihren Hauptsitz vom rheinländischen Kempen in die Havelauen verlegt. Das Thema Lebensmittel sei auch durch das neue Innovationcenter von Herbstreith  & Fox hier vertreten.  „Als letztes i-Tüpfelchen baut das Brauhaus Templin jetzt eine Abfüllanlage bei uns“, so die Bürgermeisterin. Die Baugenehmigung ist am Dienstag eingetroffen.

Man dürfe nicht vergessen, so Klaus-Peter Meißner von der HPG, dass das Areal sechzig Jahre lang militärisch genutzt wurde. „Wir waren uns bereits am Anfang der Tätigkeit in den Havelauen der Tatsache bewusst, dass die Entwicklung eines neuen Stadtteiles nicht nur der Schaffung der entsprechenden Infrastruktur bedarf, sondern auch der Herausbildung einer Identifikation der Bewohner mit ihrem Quartier“. So wurde die Geschichte der ehemaligen Werderschen Wiesen aufgearbeitet und publiziert. Ins Leben gerufen wurden unter anderem das jährliche Havelauenfest. Auf dem ersten 2013 hätte Manuela Saß, damals noch 1. Beigeordnete, den Begriff der „Auenländer“ geprägt – so nennen sich die Bewohner bis heute.

Ein wesentlicher Auftrag wäre auch die „Wiederherstellung einer Auenlandschaft bei Gewährleistung von Blickrichtungen Land zu Wasser und Wasser zu Land“ gewesen. „Wir haben hunderte Bäume gepflanzt, mehr jedenfalls, als gefällt wurden. In die Grünordnung flossen fast eine Million Euro“, so Meißner. „Wir sind stolz auf das, was hier entstanden ist“.

Jürgen Scheu und seine Anton Recona Investment GmbH kamen nach Werder (Havel), weil ihm 2011 in Königs Wusterhausen ein Baurecht versagt wurde. „Der Makler hat uns ein Alternativgrundstück in den Havelauen vermittelt“, erinnert sich Jürgen Scheu. Und Klaus-Peter Meißner berichtet, dass er mit Jürgen Scheu durch Disteln und Brennnesseln über das Areal lief und ihm die Pläne präsentierte. „Man brauchte Phantasie und Vertrauen, um sich hier eine Investition vorstellen zu können. Jürgen Scheu hatte beides“.
Rücksprachen bei der Stadt zur Bebauungsmöglichkeit ergaben, dass auf dem von Scheu erworbenen Baufeld ein Nahversorgungs-/Fachmarktzentrum gewünscht wird, um dauerhaft die Versorgung der zukünftigen Bewohner in diesem Stadtteil abzusichern. „Wegen der damals noch geringen Einwohnerzahl in den Havelauen bedurfte es einer großen Überzeugungsarbeit hin zu den Filialisten, um diese zum Abschluss eines Mietvertrages zu bewegen“, so Scheu. 2012 begannen die Bauarbeiten auf 6500 Quadratmeter, 2013 wurde eröffnet. „Unmittelbar danach haben wir uns entschlossen, am Yachthafen das erste Flurstück mit ca. 11.000 Quadratmeter zu erwerben. Zügig wurden hierauf 117 Wohnungen sowie 18 Ladenflächen geplant und mit dem Bau bereits im Frühjahr 2013 begonnen. Die Gesamtfertigstellung dieser Anlage erfolgte Ende 2015“.

Fast parallel zur Wohnanlage „Riva Werder Havelterrassen am Zernsee“ lief die Errichtung eines Vollpflegeheimes mit 124 Pflegeplätzen in der Elsastraße. Für dieses Objekt wurde der überregionalen Pflegeheimbetreiber CASA REHA als Mieter gewonnen. Ende 2015 fand auch hier die Eröffnung statt.

Jürgen Scheu: „Unser Engagement in den Havelauen ging nahtlos weiter durch den Erwerb der links neben dem Stadtplatz liegenden Parzelle. Hier musste der Bebauungsplan geändert werden. Parallel zu diesem Verfahren haben wir den Bauantrag zur Errichtung einer Wohnanlage mit 110 Wohnungen, 10 Ladeneinheiten und 6 Ferienwohnungen gestellt. Im April 2016 wurde mit den Erdarbeiten begonnen und bereits im Dezember 2017 der erste Bauabschnitt an die Käufer übergeben. Für den zweiten Bauabschnitt mit 40 Wohnungen konnte im Dezember 2017 das Richtfest gefeiert werden. Die Gesamtfertigstellung ist für August 2018 geplant. Sämtliche von uns in den Havelauen errichteten Wohnungen sind verkauft.“

Der Pachtvertrag mit der Tankstelle wurde 2015 abgeschlossen, 2016 wurde der Bebauungsplan für das Restgrundstück zwischen Tankstelle und dem Einkaufszentrum geändert. Hier entstanden in der Bauzeit von Mai 2017 bis Ende Januar 2018 ein Getränke Hoffmann, KiK und eine Spielstätte. Ende Mai sollen die Bauarbeiten für das Grundstück am Rotkehlchenweg gegenüber vom AWO Pflegeheim beginnen. Dort sollen 39 Wohnungen mit Tiefgarage entstehen. Auf einem benachbarten Grundstück soll ein Gebäude mit weiteren neun Wohnungen gebaut werden.

Wie Jürgen Scheu zudem informierte, hat seine Firma bereits im Oktober des vergangenen Jahres die An der Chaussee im Bau befindliche Wohnanlage mit 20 Wohnungen und einer im Souterraingeschoss befindlichen Betreuungsstation im teilausgebauten Zustand vom Alteigentümer vernommen. Aktuell wird diese Anlage fertiggestellt und können demnächst die ersten Wohnungen bezogen werden.

Vom selben Eigentümer hat die Recona zeitgleich das unterhalb liegende Grundstück, derzeit mit Gewerbeflächen bebaut, übernommen. „Hierauf planen wir 20 weitere Wohnungen, mit deren Vertrieb ab etwa Mitte 2019 begonnen werden soll“, so Scheu.
„Nach Fertigstellung der zuletzt benannten Maßnahmen im Rotkehlchenweg wie auch An der Chaussee wird sich das Gesamtvolumen unserer Bautätigkeit in Werder auf mehr als 120 Millionen Euro belaufen.“

Ebenfalls eine positive Bilanz für die Zusammenarbeit und in Sache Vermietung zog Joachim Hartmann, Geschäftsführer der kahabe GmbH, die in der Straße An den Hainbuchen eine Wohnanlage für „Selbstbestimmtes Leben und Wohnen im Alter“ errichtete, weitere Seniorenwohnungen entstehen in der Anlage „Werder Havelblick“. (wsw)