„Masterplan“ statt Blütentherme?

Die neue Bürgerinitiative "StadtMitGestalter" präsentierte ihren "Masterplan" für die Gestaltung des Bereiches in den Havelauen. Foto: wsw

Werder (Havel), 3. Mai 2018 – „Ich bin Unternehmerin und nur in die Havelauen gezogen, weil dort die Therme gebaut werden sollte“. Katrin Knape hofft beispielhaft wie viele Unternehmer, Bewohner der Havelauen und natürlich auch viele Werderanerinnen und Werderaner, dass es endlich weitergeht mit der Blütentherme. Sie äußert sich klar für den schnellen Weiter- und Fertigbau des seit 2014 verwaisten Objektes.

Unter den über 300 Interessierten, die sich jüngst im Scala Kulturpalast einfanden, um sich die Argumente der neuen Bürgerinitiative StadtMitGestalter anzuhören, waren an diesem Abend wohl die Befürworter eines Abrisses der Blütentherme in der Überzahl. Kritik kam auch von Ludwig Zimmermann vom Bund der Steuerzahler. Er bezweifle, dass die Therme je wirtschaftlich betrieben werden könne.

Dennoch gab es auch Teilnehmer, die Besonnenheit und Weitblick einforderten, aber auch auf Fehler der Vergangenheit hinwiesen. So hätte man schon beim ersten Partner, der Kristall Bäder AG, wissen müssen, dass das schief geht. Eine vertrauensbildende Maßnahme wäre nun, so die Bitte einiger Gäste, bei den Planungen und Vertragsabschlüssen mit dem neuen Partner so transparent wie möglich zu agieren. Das sei im Augenblick noch nicht möglich, sagte die Bürgermeisterin Manuela Saß. „Glauben Sie mir, das wäre mir auch lieber. Das ist ja das Dilemma. Aber so ist das nunmal in einem europaweiten Wettbewerb. Aus vergaberechtlichen Gründen darf ich dazu einfach noch nichts sagen, erst, wenn die Anwälte ihr Okay geben“, sagte sie. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir einen Pächter bekommen werden, der die Blütentherme zum nachhaltigen Erfolg für unseren Staatlich anerkannten Erholungsort machen wird“, so Manuela Saß. Eine Eröffnung der Therme vor 2020 schloss sie aus. Geringe jährliche Zuschüsse der Stadt stünden dabei hohen Anfangsinvestitionen für den Bau der Therme gegenüber. Die Therme solle sich überwiegend aus eigener Kraft tragen, hatte die Bürgermeisterin bereits Mitte März betont.

So zuversichtlich wie die Bürgermeisterin war man an diesem Abend im Publikum nicht, denn für das neue Gesamtkonzept sollen in den Entwurf des Doppelhaushaltes 30 Millionen Euro eingestellt werden. Das ist den meisten zu viel Geld, dass sie lieber in Kita oder Schulen sowie Spielplätzen und vielleicht einem kleinen Schwimmbad investiert sähen. Und so werden sowohl die Fraktionen der Grünen als auch der Linken und der SPD den Plänen nicht zustimmen: Anja Spiegel, SPD-Fraktionschefin und Vorsitzende des Badausschusses, Markus Altmann für die Grünen sowie Peter Hinze als Chef der Linken-Fraktion kündigten ihr „Nein“ an. Lediglich Sigmar Wilhelm von den Freien Bürgern befürwortete die Therme als attraktivitätssteigernd für die Stadt. Er lehnte, ebenso Peter Kreilinger von der CDU-Fraktion, den „Masterplan“ der Bürgerinitiative ab.

Gekürzt werde müsse der Haushalt an keiner Stelle, erwiderte Saß auf entsprechende Vorbehalte: „Insbesondere Investitionen im Schul- und Kitabereich behalten oberste Priorität.“ Noch in diesem Jahr soll die neue Kita mit 100 Plätzen in der Bliesendorfer Poststraße eröffnet werden, eine weitere in Werder mit 120 Plätzen dann im kommenden Jahr. Zudem ist im Entwurf des Haushaltes zu lesen, dass für die Ausstattung und umfassende Sanierung von Spielplätzen jährlich 200 000 Euro bereit gestellt werden sollen, für die Unterhaltung von Spielplätzen und Grünanlagen stehen demnach jährlich ca. 580 000 Euro zur Verfügung.

Und auch wenn im Falle der Blütentherme die „Messen“ wohl bereits „gesungen“ sind, denn die Verhandlungen mit einen Investor befinden sich in der Schlussphase, präsentierte die Bürgerinitiative im Kino ihren Alternativ-Vorschlag für das Gelände. Dass dabei private Grundstücke mit „überplant“ wurden und auch die Summe von nicht mal 30 Millionen Euro für Erwerb von Grundstücken, Abriss der Therme, Neubau einer Schwimmhalle, Gartensiedlung, Park mit Spielplätzen, Schulen und Sportplatz vielleicht sehr gering angelegt wurde, stellte Kreilinger fest: „Das ist eine Milchmädchenrechnung“.

Wichtig wäre – und auch das forderten an diesem Abend viele Stimmen – dass die Stadt bei künftigen Projekten die Bürger mehr und früher und vor allen Dingen mit größtmöglicher Transparenz in die Planungen einbeziehe. „Es reicht einfach nicht, darauf zu verweisen, dass sowohl die Sitzungen der Ausschüsse und die Stadtverordnetenversammlungen öffentlich sind“. Das Misstrauen in einen privaten Investor sitzt tief in Werder, denn dass viele Millionen Euro für die Therme bereits „verbrannt“ wurden, sei schon schlimm, heißt es. Zudem gibt es Befürchtungen in der Bevölkerung, dass man sich den Eintritt in die Therme nicht würde leisten können. Saß kündigte Preise „ähnlich wie im Potsdam Blu, eher noch günstiger“ an.

Am 15. Mai trifft sich die Initiative der StadtMitGestalter um 19 Uhr in der Klimawerkstatt Werder, Luisenstraße 16 (Halle 36). Dort soll u.a. besprochen werden, wie ein formales Bürgerbegehren auf den Weg gebracht werden kann. Auf der Agenda an diesem Abend sollen die Informationen zum Bürgerbegehren BlütenTherme stehen. Zudem soll ein „Dritter Weg“ zwischen „Weiter so“ und „Abriss“ mit einer Umnutzungsvision vorgestellt werden. Zum Thema Stadtmitgestaltung jenseits der Therme wird die Frage gestellt, welche Themen aus Sicht der Bürger mitzugestalten sind. Und zu guter Letzt wird eine Projektidee zur Mitgestaltung für die Jugendlichen am Bahnhof vorgestellt.

 

Am Donnerstag, dem 17. Mai, findet im Schützenhaus die nächste Stadtverordnetenversammlung statt. Da geht es unter anderem um den Haushalt. Und ebenso soll noch vor der Sommerpause das Projekt Blütentherme vorgestellt werden. Öffentlich. (wsw)

Mittel für Kitas im Haushaltsentwurf

In der Kita Anne Frank werden 2018 die WC-Anlagen für die Krippenkinder im Erdgeschoss umgebaut, dafür sind 40 T€ vorgesehen. 2019 sollen Bodenbelags- und Malerarbeiten im Erdgeschoss für ca. 36 T€ erfolgen.
Für den Einbau von Schallschutzdecken in der Kita Regenbogen werden 2018 und 2019 jeweils 15 T€ geplant.
Für Malerarbeiten in der Kita Werderaner Früchtchen sind insgesamt 60 T€ zusätzlich eingestellt. In der Kita Märchenwald ist mittelfristig die Komplettsanierung der Sanitärräume erforderlich. Für diese Maßnahmen sollen 2020 80 T€ zur Verfügung gestellt werden.
Umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen sind 2018 im Hort Sunshine Kids vorgesehen. Für die Versickerungsanlage unter dem Spielplatz stehen 90 T€ zur Verfügung. Außerdem soll für die schrittweise Ausstattung mit Akustikdecken ab 2020 jährlich ein Betrag von 20 T€ bereitgestellt werden.
Für die Erstausstattung der 2018 und 2019 einzurichtenden neuen Objekte sind jeweils 40 T€ zusätzlich geplant.
Zur Herrichtung des Familienzentrums ist eine Komplettsanierung erforderlich. Hierfür werden 2018 und 2019 jeweils 300 T€ bereitgestellt.
Für die energetische Sanierung der Kita Regenbogen werden 2018 und 2019 insgesamt 300 T€ bereitgestellt.
2019 soll der Spielplatz neu gestaltet werden. Dafür werden 67 T€ geplant.
In der Kita Stadtstrolche soll 2018 mit der Planung der energetischen Sanierung begonnen werden. Dafür werden 20 T€ bereitgestellt. Die Durchführung der Maßnahme ist für 2019 und 2020 mit 200 T€ und 100 T€ vorgesehen. Die Durchführung der Maßnahme ist an die Bewilligung von Fördermit- teln gebunden, es werden 2019 73 T€ geplant. Nach der Erweiterung der Einrichtung ist auch die Außenanlage noch entsprechend herzurichten. Zwischen 2018 und 2020 werden insgesamt 225 T€ bereitgestellt.

(Die Ausgaben für Schulen werden im Haushalt gesondert aufgeführt)