Mein Werder (10): Michael Großwendt

Name: Michael Großwendt
Alter: 57
Wohnort/Ortsteil: Werder
Seit wann sind Sie in Werder zuhause? – Seit dem 29. April 1959.
Haben Sie Kinder? – Es wurden nie Ansprüche gestellt …

Was arbeiten Sie? – Ich arbeite im Magazin-Service des Landeshauptarchivs.
Was würden Sie manchmal viel lieber machen? – Oh, ich sage mal so: forensischer Wissenschaftler, so CSI-mäßig. CSI – da sehe ich alles, immer und gern. Das Interessanteste daran ist die Arbeit im Labor.
Oder in der Restaurierung. Wie die Kolleginnen bei uns im Landeshauptarchiv alte Akten restaurieren, das würde mir auch gefallen.

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?

Um es mit einem Satz auszudrücken: Das ist der Ort, in dem Götter Urlaub machen.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder? Wo und Warum?

Mehrere. Viele.
Einer meiner Lieblingsorte ist der Weinberg, die Weintiene, dann natürlich die Inselstadt. Bei Kuddeldaddeldu mit Blick auf die Havel schön sitzen. Oder das Colonialcafe – wenn man mal jemanden lange nicht gesehen hat, gehste da hin und triffst Hinz und Kunz. Oder am Zernsee, Einfahrt Yachthafen, die neue Uferpromenade. Ganz hinten, noch hinter dem Schwimmbad, da ist so ein schönes Rondell.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?

Natürlich die Muckergärten. Es gibt nichts Schöneres. Bei Mocca Efti gibt es dann schon Spargel und Schnitzel, leise Musik, da kann man schön Wein trinken. Der Rummel ist für Touristen. Und natürlich für Kinder. Darum gehe ich dann auch mit meinen Nichten mal hin. Und ich fahre ja auch gern Achterbahn – obwohl ich Höhenangst habe.

Was ist das Besondere an Ihrem Ortsteil?

Das Besondere am Wachtelwinkel ist, dass ich direkt am Fuße des Wachtelberges wohne, also ein paar Schritte und ich bin an der Tiene. Und abends gehts ja dann nur bergab …
Außerdem schön am Wachtelwinkel – in nur drei Minuten zu Fuß bin ich im dicksten Gewühl, und in drei Minuten zu Fuß bin ich wieder raus. So wie die Nähe zu Berlin – man setzt sich hier in Werder in den Zug, ist aber auch schnell wieder Zuhause. Berlin ist schön, aber wohnen will man da nicht.

Was ist Ihre Lieblings-Jahreszeit und warum?

Auf keinen Fall Winter. Wer Winter haben will, soll hinfahren, also in die Berge.
Meine Lieblingsjahreszeit ist Frühling und Sommer, wenn alles anfängt zu blühen, wenn es warm ist. Oder der Spätsommer, wenn die Trauben geerntet werden.

Wo muss ein Besucher unserer Stadt unbedingt gewesen sein?

Auf dem Weinberg und der Inselstadt.

Werderaner oder Werderscher?

Ureinwohner. Leider habe ich in Potsdam das Licht erblickt, weil die Hebamme meiner Mutter krank wurde. Aber seit dem zweiten Lebenstag lebe ich in Werder.

Was macht den typisch „Werderschen“ für Sie aus?

Also ich bin aufgeschlossen, immer gut gelaunt, habe immer ’nen passenden Spruch auf den Lippen. Freundlich, nett, herzlich! Das zeichnet den echten Werderschen aus. Nicht wie früher, die alten Obstmucker, die keinen reingelassen haben.

Marmelade oder Wein?
Obstbau ist in Werder Tradition. Haben Sie einen Garten? Mit Obstbäumen?

Ich habe keinen Garten. Früher hatte meine Patentante einen im Hohen Weg. Da habe ich geholfen. Da musste man noch pfeifen beim Kirschen pflücken. Das war Pflicht.
Zehn Tage im Jahr trinken wir Obstwein. Obstwein schmeckt unter blühenden Obstbäumen. Davor und danach trinke ich nur richtigen Wein. Bevorzugt den „Werderaner Wachtelberg“.

Sie sind ja als „Penner“ in Werder bekannt …
Den Namen Penner habe ich von meiner Russischlehrerin, Frl. Fröhlich. Die kennt jeder, der hier in meiner Altersklasse zur Schule gegangen ist. Ich habe frühzeitig erkannt, dass Russisch keine Weltsprache wie Englisch oder Chinesisch wird. Darum habe ich im Klassenraum in der Ecke immer mein Nickerchen gemacht. Dann fauchte Frl. Fröhlich: „Der pennt schon wieder“. Und schon hatte ich meinen Spitznamen. Meine Mutter sagt sogar Penner, der Bürgermeister a.D. weiß nicht, wie ich richtig heiße, der sagt Penner, alle sagen Penner. Ganz Werder sagt Penner.
Und dann kam irgendwann der Karneval und die Frage „Warum soll ich hier eigentlich nicht auch den Penner machen“? Mit Karneval habe ich 1980 angefangen. 1979 bin ich von der Armee gekommen, die erste Veranstaltung im Februar habe ich noch als Gast besucht, im November war ich schon im Elfenrat des JKC. JKC, das war vom Jugendclub, Arbeitsgruppe Karneval. Die ersten Veranstaltungen waren noch auf dem Rauenstein, später im Haus Frühling, dem „Lustschloss“. Was für ein Haus! Mit Fußbodenheizung! Später waren dann die Veranstaltungen bis zur Wende auf dem Rauenstein. Damals machte ich den „Stammtisch“ mit Andreas Heinrich. Den „Stammtisch“ gab es danach auch noch beim KCW, zwei, drei Jahre, dann hatte Andreas keine Lust mehr. Eigentlich hatte ich ja die Idee, einen Erdbeerpflücker mit Leiter zu machen. Da hat mir Walter Kassin echt einen Vogel gezeigt. Ich fand das cool. Aber dann bin ich drauf gekommen: Wenn ich schon Penner heiße, kann ich auch den Penner machen. Hat ja auch geklappt, das war einige Jahre sehr erfolgreich. 2013 bin ich dann offiziell aus dem KCW ausgetreten, 33 Jahre Karneval reichten mir. Das ist ja auch eine schöne Zahl. In der 44. Saison wurde ich dann noch Prinz. Prinz Penner! Werner Große sagte in seiner Rede: „Vom Penner zum Prinzen – da soll mir noch einer erzählen, in Werder kann man nicht Karriere machen!“

Sie sind nicht nur Penner, sondern auch Bacchus, noch dazu offiziell der „beste Bacchus Brandenburgs“!

Das war eine Idee von Walter Kassin. Hier in Werder war gerade der Weinverein gegründet worden und Jungweinproben veranstaltet. Ich weiß es nicht mehr genau, ich glaube, es war die zweite Jungweinprobe. Da kam Walter Kassin und fragte, ob ich da nicht den Bacchus geben könnte. „Verkleide Dich mal als Bacchus und platze da rein“. Die Veranstaltung war in Petzow in der Schlossremise. Da dachte ich, wenn Walter das sagt, dann mache ich das. Aus dem Fundus habe ich mir ein römisches Kleid geholt und bin mit einem Riesenweinglas da rein. Lindicke fand es toll. Seitdem bin ich Jahr für Jahr beim Winzerfest dabei. 2011 ist dann einer auf die Idee gekommen, in Radebeul beim „Tag des offenen Weinberges“ den besten Bacchus Deutschlands zu küren. Und da habe ich gewonnen. Einfach hingefahren und gewonnen. Dabei habe ich gleich noch das Herz der sächsischen Weinkönigin im Sturm erobert. Nun darf ich mich Deutschlands bester Bacchus nennen. Seitdem bin ich auch Ehrenmitglied hier im Weinverein. Ich bin dann auch immer beim Umzug zum Blütenfest dabei, auf der Grünen Woche und so weiter – der Weinverein, das macht einfach Spaß, Weintrinker sind wie ich sehr gesellige Menschen!

Da kann man gleich zum nächsten geselligen Bereich übergehen … Sie sind ja auch DJ.

Ja, der Musikexpress Werder – das mache ich mit Holger Michaelis. Auch schon seit 35 Jahren oder so. Angefangen hat das in den 80ern. Unterwegs waren wir im Trabi, später mit dem Wartburg und Hänger. In den ersten Jahren haben wir hauptsächlich Disko im Jugendclub Unter den Linden gemacht. Wir hatten sogar eine Einstufung – die wurde damals immer auf dem Rauenstein abgenommen. Wir haben auf Anhieb die Mittelstufe bekommen, wir hatten nämlich während der Disko eine Tanzgruppe vom Karneval auftreten lassen. So ein „Kulturprogramm“ kam bei der Abnahmekommission gut an. Und wir haben natürlich die Prozentzahlen von „60/40“ eingehalten. Die Stimmung war toll, alle haben getanzt, die wussten natürlich, dass wir Einstufung hatten.
Nach der Wende haben wir eher nur noch bei Hochzeiten, öffentlichen Veranstaltungen wie Karneval oder Winzerfest aufgelegt.

Aber Penner hat noch ein weiteres Hobby?

Malern. Ich habe es nie als Beruf gelernt, aber ich habe mit 14 Jahren angefangen. Meine Mama hat zur Jugendweihe das Wohnzimmer streichen lassen. Ich fand das Hammer, wieviel Kohle der Kollege da eingestrichen hat. Dann habe ich mir Tricks von Opa Richter zeigen lassen. Der hat mir auch Werkzeug gegeben. Gelernt habe ich Maschinist für Hochdruckwärmekraftanlagen. Direkt nach Abschluss meiner Lehre im Kraftwerk Finkenheerd wurde hier in Werder das neue Heizwerk fertig, da habe ich als Kesselwärter angefangen. Nach der Wende habe ich das Hobby Malern zum Beruf gemacht und habe bis zum Jahr 2000 bei der Potsdamer Firma Gerd Schwarzlose gearbeitet. Irgendwann hatte das Handwerk nicht mehr den goldenen Boden und die westliche Zahlungsmoral ist die nicht beste. Die Firma schrumpfte, musste schrumpfen. Es gibt sie aber noch. Ich bin dann durch Zufall – wirklich durch Zufall – in den öffentlichen Dienst gekommen. Ein Kumpel, der dort schon beschäftigt war, rief an: „Bewirb Dich!“. Ich habe mich beworben und wurde genommen, in der Poststelle/Botendienst.
Aber ich malere hobbymäßig für Freunde und Bekannte immer noch. Da bin ich kreativ zur Stelle. Penner hat immer eine gute Idee. Und das alles für ein gutes Essen und ein Bier.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?

Katze. Ich habe leider kein Haustier, das Haustier würde mich wahrscheinlich nach vier Wochen wegen seelischer Grausamkeit verklagen. Ich habe keine Zeit, ich bin nie Zuhause. Als Rentner habe ich vielleicht mehr Zeit. Dann sollte es eine Katze sein. Oder ein Otter. Die sind putzig. Oder ein Frettchen. Süß.

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?

Barbara Schöneberger. Weil ich die einfach Spitze finde. Die hat einen tollen Humor und eine coole Art. Es würde bestimmt Laune machen, mit der einen Abend lang abzufeiern.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?

Mein Sparbuch. Ich bin nicht so der Lesetyp. Zuletzt gelesen habe ich Thriller von Jeffery Deaver und Sachbücher über den Mythos Titanic. Allgemein Seefahrt, das interessiert mich auch. Ich habe früher viel gelesen. Ich bin wohl der einzige, der „Weltall Erde Mensch“ ernsthaft zweimal gelesen hat.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?

Eigentlich nicht, nein. Ich wüsste nicht, wer mein Vorbild sein sollte. Ich hatte in der Zeit, als ich noch Büttenreden gemacht habe, Jürgen von der Lippe als Vorbild, der hatte so einen hintergründigen Humor. Sehr schön.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie? Warum?

„CSI“ in allen Varianten. Lieblingsserie ist CSI Miami. Mit dem coolen Horatio Caine.

Haben Sie ein verborgenes Talent?

Nein. Meine Talente sind alle bekannt. Die kennt jeder in Werder.