Mein Werder (102): Angelika Becker

Ehrenamtlich engagiert: Angelika Becker. Fotos (5): wsw

Werder (Havel), 24. Dezember 2017 – Wir können die Augen davor nicht verschließen, dass es auch in unserer Stadt Menschen gibt, die nicht so viel Glück haben, die durch verschiedene Umstände – oft unverschuldet – am Rand der Gesellschaft stehen. Wir haben mehrfach über sie berichtet, denn wir finden, dass sie ein Teil von uns sind – nicht nur zu Weihnachten. Wir bedanken uns für die Arbeit der Tee- und Wärmestube, deren Leiterin Martina Müller dafür bekannt ist, dass sie unermüdlich hilft. Aber wie sie selbst sagt, wäre sie „nichts ohne meine fleißigen Helfer“. Bei der Weihnachtsfeier am Freitag nannte sie die Ehrenamtlichen „meine Weihnachtsengel“.

Beim traditionellen Weihnachtsessen in der Tee- und Wärmestube bedienten aber nicht nur sie und ihre Helfer und Helferinnen die Bedürftigen. Auch der Linken-Landtagsabgeordnete Andreas Bernig und seine Mitarbeiterin Renate Vehlow gehörten zum Team, das die Teller mit Klößen, Rotkohl und Gänsekeule sowie ein Dessert servierte. Bernig und Vehlow hatten auch Geschenke dabei – unter anderem erhielt jeder ein Paar selbstgestrickte dicke Socken. Im weihnachtlichen Ambiente gab es eine Mitmach-Weihnachts-Lesung mit Wärmstuben-Mitarbeiterin Silvia Abel, es wurde natürlich auch gesungen, bevor es dann ans Essen ging.

Das reichliche Mahl hatte wie schon seit acht Jahren der Potsdamer Gynäkologe Dr. Mario Hubatsch mitgebracht. „Mein Anliegen ist es, etwas weiterzugeben. Jeder hat es verdient, hier heute zu sitzen“. Der Arzt, der sich oft um Frauen und Mädchen kümmert, die in die Tee- und Wärmestube kommen, will einfach etwas Gutes tun – und das macht er nicht nur zu Weihnachten. Er hilft, auch wenn mal jemand ohne Sozialversicherungskarte kommt. In seiner Praxis in der Potsdamer Zimmerstraße gibt es Beratung, Vorsorge und Betreuung.  „Ich bin so glücklich, dass wir Dr. Hubatsch haben und kann nicht oft genug ‚Danke‘ sagen“, hatte Martina Müller fast Tränen in den Augen.

Das nach dem Vorbild von Frank Zander organisierte alljährliche Essen für Obdachlose und Bedürftige in der Tee- und Wärmestube Werder (Havel) hat vielleicht nicht die Größe des Berliner Vorbildes – aber die gleiche Intention.

Nach dem Essen gab es Geschenke für alle – und während die noch ausgepackt wurden, hatten die fleißigen Weihnachtsengel die Küche der Tee- und Wärmestube schon wieder aufgeräumt und geputzt …

Unseren Sonntagsfragebogen hat Angelika Becker ausgefüllt. Sie ist eine von den vielen Helfern – seit vier Jahren schon. Und sie hatte es selbst nicht immer leicht, hat es aber mit Hilfe der Familie, der eigenen Stärke und der Unterstützung ihres Partners, mit dem sie jetzt schon 40 Jahre zusammen ist, zurück ins Leben geschafft. „Ich bin sein 18 Jahren trocken“, erzählt sie. Mit 17 Jahren schon fing sie an zu arbeiten, sie war im Lendelhaus, bei Beerbaum, Werderfrucht am Bahnhof – sie war 30 Jahre lang in den „Musbuden“ der Stadt. Mit der Arbeitslosigkeit kam dann die Alkoholkrankheit. Sie war irgendwann am Boden, nahm aber Hilfe an. „Ein dreiviertel Jahr war ich weg“, berichtet sie von Entzug und Betreuung. „Ich hab’s geschafft. Mein einziges Laster ist jetzt das Rauchen“, lacht sie.

Kurz & knackig

Name: Angelika Becker
Alter: 60
Wohnort: Werder (Havel)
Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? – Seit 1972
Haben Sie Kinder oder möchten Sie welche haben? … jetzt nicht mehr …! 😉

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist eine wunderschöne Stadt. Die beste Zeit, Werder zu besuchen, ist die Baumblütenzeit. Diese Zeit ist für mich die schönste Zeit im Jahr.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns, wo?
Zuhause! Ich habe ein wirklich schönes Zuhause – mit der ganzen Familie. Ich lebe oben in meinem Elternhaus, die Eltern unten und auch meine Schwester wohnt mit auf dem Grundstück. Meine andere Schwester lebt in Berlin.

Rummel oder Muckergarten – wo ist Ihr Lieblingsplatz auf dem Baumblütenfest?
Überall – nur nicht auf dem Rummel. Ansonsten spaziere ich überall herum, schaue mir alles an.

Was machen Sie so den lieben langen Tag?
Seit vier Jahren bin ich ehrenamtlich hier bei der Tafel. Ich bin um 8 Uhr hier. Ich fahre mit, die Ware abzuholen, lade ein, lade mit aus, sortiere, bin bei der Ausgabe dabei. Hinterher wird noch alles wieder picobello sauber gemacht. Dann ist mittags rum oder am frühen Nachmittag Feierabend. Um 20.30 Uhr gehe ich ins Bett. Jeden Abend – im Ernst!

Und was würden Sie lieber machen?
Mal wieder richtig Urlaub. Aber naja.

Sie – ganz speziell

Wie feiern Sie Weihnachten?
Nach dem Weihnachtsessen hier heute in der Tee- und Wärmestube ist dann Weihnachten ganz privat zu Hause. Nur die Familie – und alle bringen etwas mit, alle helfen.

Sich ehrenamtlich zu engagieren, erfordert ein großes Herz. Nimmt man Sorgen und Probleme, die man hier erfährt, mit nach Hause?
Nein. Das bekomme ich gut hin. Zu Hause ist Ruhe.

Können Sie sich an ein besonders schönes Erlebnis erinnern?
Die Truppe hier ist ja wie eine kleine Familie! Und besonders schön sind die Momente, in denen wir zusammensitzen, mal bowlen oder essen gehen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Eine Million 😀, Gesundheit und Weltfrieden!

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Demis Roussos. Der singt so schön.

Welche Fragen würden Sie ihm stellen?
Ich glaube, ich wäre in dem Moment sprachlos.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Keins. Da steht ein Glas Wasser.

Haben Sie Vorbilder?
Nein, eigentlich nicht.

Habe Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
„GZSZ“, das schaue ich von Anfang an. Und wenn ich mal nicht da bin, dann wird es aufgenommen.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Wir hatten lange Zeit Hunde, aber jetzt nicht mehr. Da kann man ja nicht verreisen.