Mein Werder (103): Manuela Saß

Ruhe und Erholung in Norwegen - da werden manche Probleme ganz klein. Foto: privat

Kurz & knackig

Name: Manuela Saß
Alter: 52
Wohnort: Werder in den Havelauen
Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? – Seit 30. Oktober 1997, auf der Suche nach einer Alternative zu Potsdam haben wir die Havelauen entdeckt, mein Mann, der in Töplitz groß geworden ist, hat sofort gesagt, egal, welche Seite – Hauptsache Zernsee.

Haben Sie Kinder oder möchten Sie gerne welche haben? Ja, eine wunderbare Tochter, einen tollen Schwiegersohn und einen Enkel-Sonnenschein.

So kennt man die Bürgermeisterin eigentlich nicht - Aber Motorradtouren gehören seit vielen Jahren zu den Hobbys von Manuela Saß. Foto: privat

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist die schönste Stadt im Havelland. Wasser, blühende Obstplantagen und Alpen. Mehr auf so kleinem Raum geht nicht …

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns, wo?
Mein kleiner Garten in den Havelauen.

Rummel oder Muckergarten – wo ist Ihr Lieblingsort auf dem Baumblütenfest?

Diese Frage zu beantworten fällt mir schwer, da ich in der Regel zur Baumblüte sowohl auf dem Rummel als auch in den Muckergärten dienstlich unterwegs bin. Aber mein Lieblingstermin ist das „Hähnekrähen“ immer am 1. Mai auf dem Hohen Weg in einem Muckergarten, mit wunderbarem Blick auf die Havel und vielen Werderanern, die sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ich kümmere mich um die großen und kleinen Belange dieser Stadt. Neben einer Vielzahl von repräsentativen Aufgaben gehört natürlich die alltägliche Verwaltungsarbeit dazu.
Selbstverständlich gelingt mir das nicht allein – ich habe ein tolles Team mit der gesamten Stadtverwaltung an meiner Seite. So kümmern sich beispielsweise um die Kitas und Schulen sowie den Straßenbau Spezialisten, meine Aufgabe ist es, alles zu organisieren und zu kommunizieren, wichtige Entscheidungen gemeinsam mit meinem 1. Beigeordneten und den Fachbereichsleitern zu treffen und als ausgebildete Juristin immer auch ein Auge darauf zu haben, dass alle Entscheidungen rechtens sind. Leider ist es hierbei nicht immer möglich, es allen 26 000 Werderanern auch recht zu machen.

Was würden Sie lieber machen?
Ich habe mit diesem Job für meine Stadt meinen Traumjob gefunden.

Sie – ganz speziell

Sie haben sich im September 2014 mit einem beachtlichen Erfolg gegen drei andere Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl durchgesetzt. 65 Prozent der Stimmen: Zwei von drei Werderaner gaben Ihnen ihre Stimme. Erinnern Sie sich an den Moment der Verkündung des Ergebnisses?
Ganz genau! Das war einer der aufregendsten Tage in meinem Leben. Ich bin an diesem Tag von meinem Studienjahrestreffen von Leipzig nach Werder gefahren und habe im Radio Nachrichten über die Wahlen gehört. Zu meinem Mann habe ich gesagt: „Kann man nicht auch über Rostock nach Werder fahren?“ – ich hätte die Fahrt gern verlängert, um vielleicht die Aufregung zu besiegen. Die endgültigen Ergebnisse habe ich im Schützenhaus mit Freunden und Verwandten und natürlich unserem Ehrenbürger Werner Große verfolgt und war von dem Ergebnis überwältigt.

Bereits zuvor hatten Sie vier Jahre als 1. Beigeordnete gearbeitet und während der Krankheit den damaligen Bürgermeister Werner Große souverän vertreten – haben Sie geahnt, welche Aufgaben auf Sie zukommen?

Jein.

Besonders die Therme hat sich als eher negativer Dauerbrenner erwiesen – wie schwierig ist das zu kommunizieren, wenn sich die Menschen immer an diesem einen Thema festhalten?
Die Therme ist tatsächlich einer der größten und wichtigsten Bausteine. Ich möchte aber auch daran erinnern, dass die Entscheidung, die Therme an diesem Standort zu errichten, den Anstoß für die grandiose Entwicklung der Havelauen gegeben hat. Ich selbst wohne seit 1997 in den Havelauen und konnte nach der Insolvenz der Mega AG sehen, das sich nichts mehr tat. Die Bewohner in den Havelauen wünschten sich einen Supermarkt und Infrastruktur und nichts passierte. Mit der Entscheidung für die Therme und die Übernahme der Entwicklung der Havelauen durch die HPG und die TRAX ging es plötzlich rasant schnell. Kindergärten, Einkaufszentrum, Hafenpromenade und selbst die Brücke über den Stichkanal konnten in kürzester Zeit realisiert werden.

Und wenn heute jemand sagt, man hätte bereits zur Vergabe der Therme das jetzige Dilemma voraussehen können, so weise ich darauf hin, dass auch diese Vergabe nach strengen rechtlichen Vorgaben realisiert wurde.

Und – auch wir wollen das wissen – wie geht es weiter mit der Therme?
… und auch heute noch sind wir an strenge europarechtliche Vorgaben gebunden. Dies bedeutet, dass wir uns in einem europaweiten Vergabeverfahren befinden, das die Fertigstellung und den Betrieb der Therme zum Inhalt hat. Leider bedeutet dies aber auch, dass die Öffentlichkeit von diesem Verfahren ausgeschlossen ist. Gern würde ich mehr dazu sagen, aber hier sind mir leider die Hände gebunden.

Wenn wir gerade dabei sind – gibt es Pläne für den Stadtwald?
Ja, auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung läuft derzeit die Planung für die Gestaltung des Stadtwaldes als attraktiven Anlaufpunkt für Jung und Alt. Das Ergebnis der Planungen wird im Übrigen in öffentlicher Sitzung des Fachausschusses der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt und alle interessierten Bürger sind eingeladen, mit zu diskutieren.
An dieser Stelle möchte ich aber auch auf ein Problem hinweisen, das uns große Bauchschmerzen bereitet. Und das ist der auch in unserer Stadt zunehmende Vandalismus. Mit viel Steuergeld und Engagement werden öffentliche Plätze hergerichtet und einigen wenigen Idioten gelingt es in kürzester Zeit alles zunichte zu machen. Da wird das neu hergerichtete Parkhaus am Bahnhof beschmiert, wichtige Rettungsmittel wie Feuerlöscher werden zerstört und im Stadtwald wird ausprobiert, ob Parkbänke brennen und Glasflaschen an Mauern zerbrechen. Dafür fehlt mir und bestimmt allen Werderanern das Verständnis.

Jetzt Schluss mit dem Job und zurück zu Ihnen privat. Was machen Sie in Ihrer begrenzten Freizeit?
Ich genieße meinen Garten, schöne Abende mit Freunden und natürlich die Zeit mit meinem Enkelsohn.

Und wohin reisen Sie im Urlaub?
Im Urlaub suche ich Ruhe und Erholung – und da bietet sich nichts mehr an als Norwegen. In einem Ferienhaus sitzen, auf den Fjord schauen, die Ruhe und die Landschaft genießen und ein bisschen Action beim Angeln gehört natürlich dazu. Die Landschaft und die Ruhe bescheren Momente, in denen viele Probleme ganz klein und unbedeutend werden. Dieses Gefühl habe ich übrigens auch beim Skifahren in den Dolomiten.

Ski-Urlaub in Südtirol. Foto: privat
Das ist Traumurlaub in Norwegen. Grandiose Landschaften und viel Ruhe. Ein kapitaler Fang: der selbst geangelte Dorsch. Foto: privat
Magische Momente: Wenn die Sonne nicht untergeht, kann man in Norwegen auch um 22.30 Uhr noch angeln. Foto: privat

Wir haben Sie im Colonial-Cafe erlebt, wartend auf die Übertragung des olympischen Wettbewerbs im Gehen mit unserem Christopher Linke und wir haben dann zugehört, dass Sie beim ZDF anriefen und auf die ausgefallene Übertragung gedrungen haben! Wo kommt die Begeisterung für den Sport her?

Ich habe als Jugendliche selbst Leistungssport betrieben und war mit Leib und Seele Leichtathletin. Auch wenn mir die große Karriere versagt blieb, hat sich die Begeisterung bis heute gehalten. Und die gilt nicht nur der Leichtathletik sondern allen Sportarten – das ist der Respekt vor den Sportlern, die in großen oder kleinen Wettbewerben von der Kreisliga bis zur Olympiade Leistungen erbringen.

Haben Sie eine Lebensphilosophie?
Ja. Immer ich selbst bleiben.

Wann waren Sie das letzte Mal im Kino, wann haben Sie das letzte Mal einen Kuchen gebacken?

Kino genieße ich gern zu Hause. Das Kuchenbacken hat inzwischen meine Tochter übernommen. Und das besser als ich es je konnte.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Frieden.
Gesundheit.
Zufriedenheit, denn Zufriedenheit bedeutet für mich Glück.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Nachdem ich im Sommer auf der Olympia-Schanze in Lillehammer gestanden habe, würde ich gern Jens Weißflog treffen und ihn fragen, wie man so verrückt sein kann, dort runter zu springen.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Tana French „Sterbenskalt“. Ich habe alle Bücher von Tana French gelesen, das sind Krimis, die für mich vom übrigen Krimi-Klischee abweichen.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Meine Eltern. Weil die ihr Leben gemeistert haben und so sind, wie sie sind.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie? Warum?
Ja, ich habe einen Lieblingsfilm: „Magnolien aus Stahl“. Weil Tränen und Lachen so dicht beieinander liegen.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Wenn, dann kenne ich es noch nicht.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Katze – aber dank meines „Enkelhundes“ freunde ich mich auch mit Hunden an.

Ich wünsche allen Werderanerinnen und Werderanern einen guten Rutsch und ein gesundes neues Jahr!

Urlaub in Norwegen - Zeit für den Enkelsohn. Foto: privat