Mein Werder (108): Christin Kreutzburg-Sütterlin

Christin Kreutzburg-Sütterlin - dieses Bild entstand für das Video beim Interview anlässlich des Jubiläums von Mercedes Benz. Foto: privat

Kurz & knackig

Name: Christin Kreutzburg-Sütterlin
Alter: 45 Jahre
Wohnort: Freiburg im Breisgau

Seit wann sind Sie in Werder zu Hause?
In meiner Heimat Werder habe ich von meiner Geburt an bis 1998 gewohnt. 1998 bin ich aufgrund des Jobs nach Berlin gezogen und seit 2006 lebe ich, der Liebe wegen, in Freiburg.

Haben Sie Kinder oder möchten Sie gerne welche haben?
Ich habe eine ganz wundervolle 11-jährige Tochter, auf die ich sehr stolz bin.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist ein ganz wunderschönes, ruhiges, grünes Fleckchen Erde, umgeben von Wasser und in unmittelbarer Nähe zum Kultur-Hotspot Potsdam und dem trendigen, quirligen Berlin.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Seit 1998 arbeite ich für Mercedes-Benz in der Forschung & Entwicklung und beschäftige mich mit Einstellungen, Anforderungen und Verhaltensweisen von Autofahrern mit dem Ziel, die Fahrzeuge aus Kundensicht so optimal wie nur möglich zu gestalten.

Nach der alltäglichen Arbeit trete ich meinen Job Nummer zwei als Familienkoordinatorin an: Hausaufgaben-Betreuung, Chauffeur-Dienste sowie nahrungstechnische Grundversorgung fallen in dieses Aufgabengebiet 😉.
Beide Tätigkeiten machen mir sehr viel Spaß.
Reine Christin-Zeit nutze ich, um laufen zu gehen.

Was würden Sie lieber machen?
Ganz ehrlich: nichts!

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder? Wo und warum?
Ich habe zwei Lieblingsorte.

Der erste ist der Innenhof unseres Ferienhäuschens. Wenn ich dort mit der Familie zusammen sitze und auf die Kirchturmspitze der Heilig-Geist-Kirche gucke … Das ist einfach nur herrlich.
Mein zweiter Lieblingsort ist direkt auf der Havel. In aller Frühe ein Boot von Krüger & Till mieten, Frühstück einpacken, raus aufs Wasser, mittags an der Anglerklause in Wildpark-West anlegen und dort im Garten essen und am Abend noch mal ankern und ein Gläschen eisgekühlten Weißwein auf dem Boot genießen (natürlich nicht für den Kapitän des Bootes) und auf die Insel schauen – das ist ein perfekter Sommertag für mich.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Ganz klar Rummel. Jedes Mal setze ich mir ein Budget, wie viel Euros ich in Rummel-Aktivitäten investieren möchte, welches ich jedes Mal weit überschreite.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Ich trinke keinen Alkohol. Kleiner Spaß.

Seit Jahren ist Schwarze Johannisbeere mein Favorit. Und hier am liebsten den von Thomas Herzog, der ja 2017 mit seiner Schwarzen Johannisbeere die bronzene Kruke gewann.

Sie – ganz speziell

Vorweg: Sie leben in Freiburg. Beherrschen Sie neben Hochdeutsch und bestimmt den Berliner Dialekt und jetzt vielleicht auch niederalemannisch? Und ist es nicht etwas wärmer in Freiburg als anderswo?

Also mit dem Hochdeutsch … ick weeß ja nich, ob dit so jut klappt … Hier in Freiburg werde ich schon nach dem ersten Satz als Berlinerin entlarvt. Und auch nach elf Jahren in Freiburg muss ich gestehen, dass ich mir, wenn jemand stark badisch redet, mindestens die Hälfte des Gesprächs zusammenreimen muss. Aber ich bin ein Fan von Dialekten – und zwar von jedem.

Das Gebiet um Freiburg ist nicht nur eines der wärmsten Gebiete Deutschlands, sondern auch das mit den meisten Sonnenstunden pro Jahr. Ein Ergebnis dessen sind die wirklich hervorragenden badischen Weine.

Vom Frühjahr bis in den Herbst wird das soziale Leben mehr oder weniger nach draußen verlegt und man genießt, in zahlreichen Gasthöfen, Straußenwirtschaften oder Weingütern, ein ‚Viertele‘ des badischen Weines. Eine Art zu leben, die ich sehr schätze.

Sie haben seit 1988 Grundschulpädagogik in Potsdam studiert, nach der Wende dann Psychologie in Berlin. War die Wende ein großartiges Geschenk mit den neuen und vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten für Sie und Ihre Altersgruppe?
Absolut! Ich kann mich noch genau an den 9. November 1989 erinnern. Wir waren zum Vortrag ‚Glasnost und Perestroika‘, anschließend zur Mensa-Disko im Institut für Lehrerbildung in Potsdam, als der DJ gegen 20 Uhr verkündete, dass die Mauer gefallen ist. Meiner Generation standen nun alle Türen offen, um selbstbestimmt in die Zukunft zu gehen und sich frei entfalten zu können.

Ich bin aber dennoch froh, dass ich die Wende, im Alter von 17 Jahren, ganz bewusst erlebt habe. Ich finde, dass gerade meine Generation von der Wende sehr profitiert hat. Ich bin mit positiven Erinnerungen an ein Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt in der DDR aufgewachsen und hatte nach der Wende dann alle Entwicklungsmöglichkeiten.

Sie arbeiten als Psychologin in der Mercedes-Kundenforschung daran, die Fahrzeuge so zu entwickeln und zu optimieren, dass keine Wünsche der Käufer offen bleiben – wie kann das gelingen, wenn doch Ansprüche, Technik und nicht zuletzt die Mode einem ständigen Wandel unterliegen?
Bei uns im Unternehmen gibt es in jedem Bereich sehr viele schlaue Köpfe. So beschäftigen sich z. B. unsere Trend- und Zukunftsforscher mit eben genau diesen Trends und Zukunftsszenarien. Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt im letzten Jahr wurde beispielsweise das Zukunftsbild der Stadt Stuttgart präsentiert, das zeigt, wie Mobilität im Jahr 2035 aussehen könnte. Solche Zukunftsszenarien dienen z. B. den Entwicklern und Designern als Anregungen für Innovationen, Technologien, Mobilitätsszenarien und Produkte. Gibt es die ersten Ideen von Fahrzeuginnovationen und -systemen, testen wir Kundenforscher diese dann mit Autofahrern hinsichtlich Akzeptanz oder Bedienerfreundlichkeit.
Um auf Ihre Frage zu antworten: Wir versuchen eben schon ganz früh, diesen Wandel an Ansprüchen, Technik und Mode vorherzusagen bzw. zu erfassen und in die Gestaltung von Fahrzeugen einzubringen.

In Ihrem Buch „Der Autokäufer – das bekannte Wesen“ machten Sie Ihre Doktorarbeit 2008 öffentlich. Sicher haben Sie bei Ihrer Arbeit inzwischen viele weitere Erfahrungen gesammelt. Wird es weitere Bücher von Ihnen geben?
Hier kann ich mit einem ganz klaren ‚jein‘ antworten. Ich weiß es nicht, man soll ja niemals nie sagen, aber zeitlich gesehen ist das momentan eher nicht realistisch. Wenn dann doch mal irgendwann, wird es eher ein Kinder-Einschlaf-Geschichten-Buch. Meine Tochter ist früher bei meinen selbst ausgedachten Einschlafgeschichten rund um eine Mäuse-Clique bereits beim dritten Satz in den Tiefschlaf gefallen.

In einem sehr emotionalen Interview, das der amerikanische Regisseur Austin Lynch anlässlich des 125. Jubiläums von Mercedes-Benz drehte, erzählen Sie, dass Sie bereits als 14-Jährige unter väterlicher Aufsicht in Werder an das Steuer eines Trabants durften – war das der oder ein Auslöser für Ihre Auto-Affinität?
Wahrscheinlich ja. Ich kann mich sogar noch an das Nummernschild des Trabbis erinnern: PG 45-45. Seitdem bin ich Auto-vernarrt. Ich glaube, ich bin diesbezüglich familiär auch etwas aus der Art geschlagen, von meinen Eltern und Großeltern habe ich die Leidenschaft für Automobile jedenfalls nicht vererbt bekommen. Heute kann ich meine Auto-Affinität komplett ausleben, denn neben meinem Beruf geht es auch privat viel um Autos, da mein Mann ein Autohaus hat – was für ein Glück 😉.

Sie beobachten das Geschehen in Ihrer Heimatstadt aus der Ferne sehr genau – gefällt Ihnen die Entwicklung der Blütenstadt?
Wir sind alle Ferien in Werder, auch viele Feiertage nutzen wir, um nach Werder zu fahren. Zudem bin ich, dank Facebook, immer informiert, was in Werder so läuft. Natürlich bin ich sehr stolz darauf, wie sehr sich Werder entwickelt hat. Und die Zahl der Zugezogenen sowie der Besucher sprechen ja auch für sich. An dieser Stelle ein Riesenkompliment an Alt-Bürgermeister Werner Große und Bürgermeisterin Manuela Saß mit dem gesamten Team für ihr Engagement, unser Werder immer noch lebenswerter zu machen.

Kleiner Wermutstropfen ist – natürlich – die Blütentherme. Und wenn ich mir noch etwas wünschen könnte, wäre es die Verschönerung des Bahnhofs, denn der repräsentiert nicht annähernd den Liebreiz von Werder.

Zu guter Letzt – 1991 waren Sie nach Jana Mußfeld 1989 und Doreen Jacobi 1990 die dritte Blütenkönigin der Stadt Werder (Havel). Wie erinnern Sie sich daran?
Mit Stolz natürlich. Das besondere Highlight war damals die Grüne Woche in Berlin. Nach Jahren der deutsch-deutschen Teilung war 1991 das Jahr, in dem die Grüne Woche wieder zu einer gesamtdeutschen Messe wurde.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Mein größter Wunsch ist Gesundheit und ein langes, glückliches Leben für meine ganze Familie und für mich.

Mein zweiter Wunsch ist ein Leben in Frieden – für alle Menschen.

Mein dritter Wunsch ist, dass ich mich, wann immer ich Heimweh habe, nach Werder beamen kann und nicht erst 800 km mit dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug zurücklegen muss.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Robbie Williams.

Welche Fragen würden Sie ihm stellen?
„Robbie, wie ist es für Dich, wenn Du, wie z. B. im Jahr 2006 im Olympiastadion, Deinen Hit ‚Angels‘ singst und 60.000 Fans mitsingen? Musst Du da nicht heulen?“

und

„Robbie, könnte ich einmal, wirklich nur ein einziges Mal, als Background-Sängerin mit Dir auf die Bühne?“

Man muss dazu wissen, dass ich schon als kleines Kind immer Background-Sängerin werden wollte, stimmtechnisch jedoch völlig talentfrei bin.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Da ich viel lese, auch nachts, wenn ich nicht schlafen kann, liegt ein eBook-Reader mit Beleuchtung auf meinem Nachttisch. Momentan lese ich ‚Das Rosie-Projekt‘ von Graeme Simsion, was sehr lustig ist. Ansonsten lese ich fast ausschließlich Krimis.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Meine größten Vorbilder sind meine Eltern, die mir eine so wunderbare, unbeschwerte Kindheit und Jugend ermöglicht und meine Wertvorstellungen geprägt haben. Ich hoffe, dass ich das genauso an meine Tochter weitergeben kann. Aber auch mein Mann Marcus ist ein großes Vorbild. Er schafft es immer wieder, wenn ich mich mal über irgendetwas wahnsinnig aufrege, mich mit (badischer) Ruhe und Gelassenheit zu erden und den Fokus auf die wirklich wesentlichen Dinge des Lebens zu richten.

Nicht zu vergessen sind all die Helden des Alltags, zu denen auch Freundinnen von mir gehören, die alleinerziehend mit Job das Leben meistern und dabei immer noch gute Laune haben.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder –Serie? Warum?
Die Verfilmungen meiner Lieblingsbücher, der ‚Millennium Trilogie‘ von Stieg Larsson, gehören zu meinen Lieblingsfilmen. Ein Fan von Serien bin ich nicht.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Ja, sicher sehr viele. Ich weiß nur nicht welche, da sie noch immer tief verborgen sind 😉.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ich liebe Hunde, bin mit Hunden groß geworden. Wenn ich nicht mehr berufstätig bin und genug Zeit für ein Haustier habe, findet ein Hund aus dem Tierheim bei mir ein neues Zuhause.