Mein Werder (11): Heidemarie Garbe

Frau Obstzüchter lacht gern. Foto: privat
Frau Obstzüchter lacht gern. Foto: privat

Name: Heidemarie Garbe
Alter: 65
Wohnort/Ortsteil: Werder
Seit wann sind Sie in Werder zuhause? – Seit 1958.
Haben Sie Kinder? – eine Tochter

Was arbeiten / machen Sie den lieben langen Tag?

Ich bin die Wirtin des Heimatmuseums Café Muckerstube in Werder. Bei mir gibt es Essen und Trinken wie vor 100 Jahren. Ich backe selbst – wie es auch unsere Ahnen bewerkstelligten. Ab sechs Personen bereite ich ein zweites Frühstück wie bei Opa. Auch zum Abendbrot wird geladen – da gibt es beispielsweise Fleischkuchen mit Püree oder Kartoffelkuchen mit Heringshappen und rotes Apfelmus. Lecker ist auch der Pudding in alten Puddingformen. Bei Gesellschaften bis zum 25 Personen brauche ich dann schon entsprechende Topfgrößen!
In der Muckerstube halte ich Vorträge und bin außerhalb als „Muckersche“ oder „Frau Obstzüchter“ unterwegs. Als Mitglied der Gilde der Stadtführer kümmere ich mich gern um die Gäste unserer Stadt. – Langeweile gibt es nicht. Mein Hobby wurde meine Mission!
Außerdem habe ich hier im Haus noch eine Ferienwohnung.

Was würden Sie lieber machen?

Nix!

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?

Werder – mit dem Wasser drumherum und mit dem Grün und mit dem Flachland – hier wird man zum Radfahren verleitet. Und was wir zu bieten haben, innerhalb der fast 700-jährigen Geschichte der Stadt – das ist sehens- und erkundenswert!

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder? Wo und Warum?
Eine Bank auf der Insel. Von dort aus habe ich einen herrlichen Blick auf’s Wasser, über die Havel.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Zur Baumblüte nehme ich mir einen halben Tag frei, nehme mein Fahrrad und enteile dem Trubel der Stadt. Dann setze ich mich unter einen blühenden Baum und genieße bei einem Kaffee die Natur. Zum Rummel in der Stadt: Ich kaufe da ganz sicher keine Schlüpper. ,-)

Was ist das Besondere an Ihrem Ortsteil?

Meine Innenstadt! Die Straße Unter den Linden ist ja der „Broadway“ von Werder. Der müsste noch mehr ein kulinarischer Broadway werden, mit noch mehr kleinen Restaurants, Geschäften, Boutiquen. Eine schöne Verbindung der Vorstadt – und da beziehe ich schon die Bismarckhöhe mit ein – mit der Inselstadt.

Was ist Ihre Lieblingsjahreszeit und warum?

Das Frühjahr! Ich freue mich über das erste zarte Grün – das ist nach den tristen, langen Tagen des Winters wunderbar. Ein schöner Moment beispielsweise, den Maienaustrieb einer Tanne zu sehen.

Wo muss ein Besucher unserer Stadt unbedingt gewesen sein?

Am Wasser. Auf dem Wasser. Im empfehle unbedingt, mit dem MS Bismarckhöhe die schöne Ansicht vom Wasser aus zu genießen.
Und natürlich sollten alle Gäste der Stadt bei einer fundierten Stadtführung dabei sein.

Werderaner oder Werderscher? Wie stehen Sie dazu?

Ich stamme aus Glindow – bin also eine Werderanerin. Könnte auch nie eine Werdersche werden, selbst, wenn ich einen Werderschen heiraten würde.

Was macht den typisch „Werderschen“ für Sie aus?

Der kennt alles, der weiß alles und gibt kein Geld aus. Der hält die Cents zusammen.

Wie sind Sie nach Werder gekommen?
Mit dem Auto!
Meine Eltern haben hier auf diesem Grundstück in der Brandenburger Straße ein Haus gebaut. In Glindow wohnten wir zur Miete.

Marmelade oder Wein?
Obstanbau ist in Werder Tradition. Haben Sie einen Garten? Mit Obstbäumen? Und was machen Sie aus den Früchten? Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?

Ich verrate keine Rezepte! Das haben schon viele Leute gefragt, aber ich habe da meine Grundsätze, besonders wenn es um meine Rezepte für die alten Gerichte geht.
Einen Garten habe ich nicht. Aber früher gab es für meine Mutti ein jährliches Pflichtprogramm beim Konservieren von Obst: 80 Gläser Erdbeeren, 80 Gläser Süßkirschen, 80 Gläser entsteinte Sauerkirschen, 80 Gläser Pfirsiche. Bei der „Kür“ kam dann beispielsweise noch Apfelmus dazu. Da war also immer viel zu tun. Wenn es dann um das sonntägliche Kompott ging, wurden wir Kinder in den Keller geschickt. Da hieß es dann natürlich: „Immer ich!“. Mein Bruder holte immer Süßkirschen, ich immer Pfirsiche. Manchmal ging auch meine Mutter in den Keller. Sie holte Pflaumen. So sorgte sie dafür, dass alles verbraucht und gegessen wurde. Eine kluge Hausfrau.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?

Ich liebe Tiere, aber ich habe keinen Hund, weil ich den in Werders Innenstadt nicht halten möchte. So ein Tier will laufen, hier wäre er den ganzen Tag eingesperrt.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?

„Die Geschichte Brandenburgs“. Ein sehr sehr dickes Buch. Das fällt mir jeden Abend auf die Nase …

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?

Meine Eltern sind für mich Vorbilder. Sie waren fleißig, sie haben etwas erreicht im Leben. Meine Mutter hat nach einem arbeitsreichen Tag noch meine Hausaufgaben durchgesehen, auch mal einen Aufsatz für mich geschrieben – damals konnte ich noch nicht so spinnen …
Meine Eltern hatten immer einen Spruch parat, heute kenne ich die Geschichten dahinter und weiß, dass die auch stimmen: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder „Die Kirche bleibt im Dorf“.
Den Grundstock für mein heutiges Leben hat meine Mama gelegt; sie hat die Sammlung hier in der Muckerstube begründet. Und die Gäste bringen immer noch Geschirr oder anderes Gerät zu mir. Jedes Teil hat eine schöne Geschichte.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Nein. Da ist nichts verborgen. Ich kenne alle meine Talente. Talent ist ja auch, Talente zur richtigen Zeit am richtigen Ort einzusetzen.

Ich bin ausgeglichen. Es kommt alles, wie es kommt. Schön, dieses geniale Stadium erreicht zu haben.

Was müssen wir noch von Ihnen wissen – Ehrenämter, Vereine …

Ich bin Mitglied der Gilde der Stadtführer, Mitglied im Heimatverein und als „Muckersche“ Ehrenmitglied im Werderschen Obst- und Gartenbauverein.

Und wer heute nachmittag mit uns singen möchte, ist ab 14.30 Uhr in die Muckerstube zum „Frühlingssingen“ eingeladen.
Dabei werden alte Volkslieder als Hausmusik – wie wir es noch bei den Großeltern erlebten – von den Gästen mitgesungen. Dazu gibt es die Texte und Noten und auch für die musikalische Unterstützung ist gesorgt. Der Eintritt ist frei. Selbstverständlich gibt es Kaffee und Kuchen!

im Heimatmuseum Café „Muckerstube“