Mein Werder (55): Sigmar Wilhelm

Sigmar Wilhelm.

Kurz & knackig

Name: Sigmar Arthur Wilhelm
Alter: 69
Wohnort / Ortsteil: Werder (Havel), OT Elisabethhöe
Seit wann sind Sie in Werder zuhause?  – Elisabethhöhe seit März 1971

Ich bin gebürtig aus Thüringen. Mein Großvater väterlicherseits hatte eine kleine Landwirtschaft im schlesischen Liegnitz. Das ist in Polen. Nach 1945 wurde er vertrieben, wurde im Volkssturm „verheizt“. Meine Mutter stammt aus Thüringen, sie war Schneiderin und hatte als Nebenerwerb auch eine kleine Landwirtschaft. In Thüringen lernten sich meine Eltern kennen, in Erfurt ging ich zur Schule, machte das Abitur auf der EOS und lernte Gärtner. Dann studierte ich an der Humboldt-Uni in Berlin, Fachrichtung Gartenbau, Spezialisierung Obst und Gemüse. Und schon damals, 1969, machte ich mein Praktikum hier bei der GPG Pomona! Und die Absolventenvermittlung nach dem Studium schickte mich wieder nach Werder: Zur „LPG 5. Parteitag“. Dort habe ich als junger Mann 1971 als Produktionsleiter angefangen. Da musste ich noch viel kennenlernen und Erfahrungen sammeln – was ist wo, wer hat eine Flurkarte? Da gibt es eine lustige Geschichte, wie ich mich mit einem Wagen voller Dünger verfahren habe … Die Wehrpflicht habe ich auch absolviert. Dann kam ein Jahr in Kammerode, dann der Zusammenschluss der Betriebe Schwielowsee, Kammerode und Glindow zur GPG Glindow, da war ich dann Bereichsleiter bis 1980. Mit der Umwandlung ist die LPG wurde ich LPG-Vorsitzender. 850 Mitglieder auf 1850 Hektar! Erdbeeren, Süß- und Sauerkirschen, Äpfel, Buschtomaten – allein hier gab es jährlich 3000 Tonnen in der Ernte! Das war der Grundstock für den hier in Werder produzierten Tomatenketchup. Dann die Wende, die Liquidation – was nun? Nach einigem Hin- und Her entstand die Werderfrucht Vermarktungsgesellschaft, da war ich dann verantwortlich für die Qualitätssicherung, Bindeglied zwischen den Erzeugern und Abnehmern. Da bin ich viel rumgekommen: Deutschland, Österreich, Polen, Holland. Zudem koordinierte ich die Verpackungsmittelherstellung. Auch sehr spannend. Meine letzten Tage im Job war ich beim „Fruchtexpress“, dann gab es ja die Aufspaltung in Werderfrucht und Fruchtexpress. Inzwischen hat ja Fruchtexpress auch andere Aufgaben. Mit 62 gab es den Schnitt – ich nahm die Altersteilzeit in Anspruch.

Haben Sie Kinder oder möchten Sie gerne welche haben? – Wir sind eine Patchworkfamilie mit vier Kindern.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Schon mein erster Eindruck vor vielen Jahren war: Der Obstbau ist wieder im Kommen! Die modernen Obstanlagen sollte man sich unbedingt ansehen. Die Geschichte Werders und Glindows in der Vielfalt ist sehr beeindruckend. Ich habe auf der Insel im Lehrlingswohnheim gewohnt. Da hat sich so viel verändert. Aber wie man dort die Historie mit der Moderne verbunden hat, ist vorzeigenswert. Ebenso sollte man die Havelauen besuchen und nicht zuletzt den Telegrafenberg und den Glindower See. Der Weg am Wasser entlang nach Petzow – das ist eine schöne Tour.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder? Wo und warum?
„My home is my castle“ – ich bin gern zu Hause. Ich wohne gern in Elisabethhöhe, ich liebe die Weite, die freie Sicht! Bei uns sind es 40 Meter bis zum nächsten Haus! Wunderbar.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Ich bin gern in den gemütlichen Gärten – Rummel ist nicht mein Ding. Lehnst, Schultz, Wels, Giese und alle anderen Muckergärten – dort kann man viele Leute treffen, gute Gespräche führen, es wird gescherzt, das mag ich.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ein großer Teil ist Zeit für gesellschaftliche Arbeit. Das ist schon aufwändig. Telefonieren, es gibt viel zu organisieren, ich bin seit 2003 Ortsvorsteher in Glindow. Seit 1998 bin ich kommunalpolitisch aktiv, wie schon vorher bis zur Wende. Für die Freien Bürger (FB) sitze ich in der Stadtverordnetenversammlung. Eine spannende Aufgabe, wir pflegen gute Verhältnisse zur Verwaltung und zu den anderen Parteien. Mein Motto: Immer auf dem Teppich bleiben und nichts persönlich nehmen.
Außerdem unterstütze ich den Werderschen Obst- und Gartenbauverein gern. Beispielsweise bei den beliebten Obstschnittkursen – der nächste findet am 11. März statt. In Sachen Obstschnitt, Pflanzenerziehung, Düngung oder Pflanzenschutz bin ich als Fachberater noch für bei Havelfrucht aktiv, außerdem bin ich auch gern bereit, privaten Interessenten und Kleinerzeugern zu helfen. Die können sich telefonisch bei mir melden: 03327 43363. Außerdem sind da ja zu Hause auch noch Haus, Hof und Garten in Schuss zu halten.

Was würden Sie lieber machen?
Ich würde die Frage anders formulieren: Was würden Sie gern machen? Denn all’ das mache ich gern, ich werde immer gern meinen Beruf ausüben – so lange mich meine Kräfte nicht verlassen. Früher war ich sehr aktiv – wandern in den Bergen, auch alpin. Ich bin leidenschaftlicher Wasserwanderer, ich paddele gern.

Sie – ganz speziell

Glindow feiert in diesem Jahr auch ein ganz besonderes Jubiläum – wie die Stadt Werder (Havel) nämlich 700 Jahre Ersterwähnung. Wie stehen die Vorbereitungen?
Wir sind mit vielen Helfern und natürlich unserem engagierten Heimatverein seit einiger Zeit mit den Vorbereitungen beschäftigt. Zunächst einmal wird zur Saisoneröffnung des Heimatmuseums am 1. April 2017 der „Almanach“ zum Jubiläum Glindows erscheinen. Der Almanach trägt den Namen „Überliefertes. Verbrieftes. Streiflichter – aus der 700-jährigen Geschichte Glindows“. Der kann jetzt schon neugierig machen, die Redaktion hat viel Zeit und intensive Recherche in das Heft gesteckt, das sicher ein Sammlerobjekt werden wird. Gebündelt werden in diesem Almanach Geschichten aus dem Ort, die Vereine werden sich und ihre Geschichte darstellen. Beiträge über die Ziegelei, die Kirche, die Schule und das Wasserwerk werden nicht fehlen. Ich durfte Beiträge über die LPG und das Brauchwasserwerk beisteuern. Im Heimatmuseum wird es eine Ausstellung geben, die Glindower Häuser von früher und heute gegenüberstellt.

Die Vereine, die ja traditionell in die Vorbereitungen der Festlichkeiten zum alljährlichen Kirsch- und Ziegelfest involviert sind, werden auch in diesem Jahr fleißig arbeiten. Es gibt Treffen, bei denen über den Stand der Vorbereitungen informiert wird – wer macht was – das ist ja wichtig. Dazu gibt es immer ein Protokoll. Unabhängig davon sind natürlich auch die Schulen aktiv in der Vorbereitung von 700 Jahre Glindow, unter anderem wird es einen Tag der offenen Tür geben.

Unser Jubiläumsfestumzug wird zum Kirsch- und Ziegelfest am 1. und 2. Juli stattfinden. So ein historischer Umzug will auch gut vorbereitet werden, alle Aktiven sind längst dabei. Das 21. Kirsch- und Ziegelfest selbst wird wieder aus drei tollen Tagen bestehen, die Vereine werden sich präsentieren, am Vorabend gibt es wieder Kabarett und in diesem Jahr wird auch das Ton- und Kirschentheater auftreten. Es gibt natürlich noch viele weitere Programmpunkte für Jung und Alt. Es wird ein wirklich schönes Fest werden, das Programm wird rechtzeitig erscheinen. Auch eine Delegation aus unserer Partnerstadt Rahden will kommen.

Wer wird denn die neue Kirschkönigin als Nachfolgerin von Anika Wolf?
Netter Versuch – aber das wird natürlich noch nicht verraten. Nur soviel: wer es wird, steht schon fest. Und Manuela Giese wird sicher erneut ein wunderschönes Kleid nähen.

Es gibt ja noch mehr Jubiläen in Glindow …
Richtig, im vergangenen Jahr feierte der Gemischte Chor 40 Jahre, in diesem Jahr gibt es das Jubiläum 90 Jahre Elisabethhöhe. Das ist natürlich integriert, ebenso feiern wir 25 Jahre Förderverein Elisabethhöhe, 10 Jahre „Klangkirschen“ und 70 Jahre Fußball. Und das ist mein Wunsch – dass wir bald im neuen Heim der Sportler feiern können. Mein zweiter großer Wunsch ist, dass das Bad in Werder fertig gestellt wird. Und wir sind natürlich auch am historischen Festumzug der Stadt Werder beteiligt.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Das ist schwer. Aber eigentlich würde ich gern mal einen Politiker treffen, der sich die Probleme der Obstbauern nicht nur anhört sondern dann auch etwas bewegt!

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Ich lese gerade ein Buch, in dem die Entwicklung der Menschheit beschrieben wird. Sehr interessant, besonders in der Sicht darauf, wie der Mensch aktiv in die Entwicklung des Systems Erde eingegriffen hat. Dann viel Fachpresse zum Obstbau. Zum Frühstück lese ich immer die Tageszeitung.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie? Warum?
Ach, ich bin ein Filmmuffel. Lieber schaue ich aktuelle Sendungen zum Zeitgeschehen. Allerdings sehe ich dienstags gern „In aller Freundschaft“ – das ist eine Kultsendung.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Ich spiele Akkordeon, seit ich 12 Jahre alt war. Meine Großeltern haben mir mit den besten Absichten – „der Junge soll etwas Gutes bekommen“ – ein 120 Bass Akkordeon geschenkt. Schwer wie Blei! Aber ich habe das hinbekommen und das Akkordeon-Spiel ist immer noch mein Hobby. Im Winter im Keller und im Sommer im Garten.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Wir haben eine Katze im Haus.