Mein Werder (75): Marie Schöneburg

Die Schauspielerin Marie Schöneburg. Foto: Joachim Gern

Kurz & knackig

Name: Marie Schöneburg
Alter: 33
Wohnort: Insel Töplitz
Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? Seit Geburt … mit längeren und kürzeren Unterbrechungen.
Haben Sie Kinder oder möchten Sie gerne welche haben? Ich habe zwei kleine Mädchen.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist da, wo andere gerne Urlaub machen. Ein kleines Idyll, mit viel Wasser drum herum, vielen Pferde- und Kuhställen, schönen Aussichten und einer unsagbar genialen Nähe zum Kontrastprogramm Berlin.
Werder ist da, wo vor Häusern Blumen und Marmelade verkauft werden, es manchmal nach süßem Ketchup riecht, im Frühjahr sehr viele Obstbäume prächtig die Straßen und Gärten schmücken und man stolz auf Obstwein ist.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ich verbringe sehr gern möglichst viel Zeit mit meinen quirligen Töchtern. Sie sind noch klein, fünf und bald zwei Jahre, und sie wachsen einfach viel zu schnell. Ich bin deshalb sehr darum bemüht, diese doch kurze, im Vergleich zum ganzen Leben, und einzigartige Zeit, voll und ganz auszukosten und ihnen eine schöne Kindheit zu bereiten.

Wir lieben es, in der Natur zu sein, daher freuen wir uns umso mehr, im schönen Werder auf der Insel Töplitz mit eigenem Garten zu leben. Unser erster Obst-und Gemüseanbau gedeiht, das macht uns mächtig stolz.

Am Ende des Tages sitze ich manchmal an meiner Nähmaschine. Seit ungefähr vier Jahren nähe ich leidenschaftlich gern. Ich hab in Babelsberg Kindern Kurse gegeben und hoffe, noch weiteren Menschen, ob groß oder klein, das Nähen schmackhaft zu machen. Und dann bin ich auch noch hauptberuflich Schauspielerin und stehe ab und an vor der Kamera, daher lese ich auch manchmal Drehbücher. Das war mein größeres Hobby vor dem Nähen, was zu meinem Beruf wurde und wenn die Kinder größer sind, möchte ich auch wieder Theater spielen.

Was würden Sie lieber machen?
Mehr Zeit für alles haben, was ich so gerne mache und das Talent dabei besitzen, im Moment des Augenblicks zu bleiben. Wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich wirklich sehr gerne zaubern können. Barbara Blocksberg ist und bleibt mein Idol.

Also das alltägliche Geschäft einer Mutter mit zwei kleinen Kindern namens „Haushalt wieder in Ordnung bringen und putzen“ – wäre doch wirklich schön, das ließe sich einfach allabendlich pünktlich 20 Uhr mit einem kleinen ‚Hex Hex‘ wegzaubern.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder? Wo und warum?
Ich bin ja ursprünglich aus Töplitz, was nun schon seit vielen Jahren zu Werder gehört. Einst wohnte ich in der Dorfstraße und nun heißt sie ja schon lange An der Havel – das klingt auch schön.
Also in Werder gibt es Lieblingsorte, die mich mein Leben lang begleiten, immer wieder anders. Zum Beispiel der Blick auf das Wasser der Havel vom kleinen Steg aus, runter den Zernseeweg. Mit sechs Jahren bin ich da mutig ins Wasser reingehopst, stolz wie Bolle, das Wasser ging mir bis zur Brust, später dann mit 16 habe ich die erste große Liebe auf der Bank geknutscht und hatte Schmetterlinge im Bauch und gerade vor wenigen Wochen bin ich dem rot-weiß gepunktetem Gummistiefel meiner kleinen Tochter hinterher gesprungen, der aus Versehen ins Wasser fiel.
So wird dieser Ort immer einer meiner liebsten bleiben.

Ein weiterer Ort, den ich unbedingt an dieser Stelle nennen muss, ist auf der Terrasse im Garten meiner Mutter, um kurz vor acht im Spätsommer. Da im Sonnenuntergang zu sitzen, unbeschreiblich. Das Licht ist immer sehr intensiv und taucht alles in ein orangelilarosa Samtkleid. Ein bisschen magisch.

Und die vielen anderen Orte Werders, die entdecke ich noch. Ich bin gespannt.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Mit 16 natürlich der aufregende Rummel, sehen und gesehen werden, Zuckerwatteduft und gebrannte Madeln in der Nase, Obstwein nippen, ach ja, das jugendliche Aufgeregtsein, immer wieder die schnellsten Karusselle fahren, laute wummernde Musik im Ohr –, dabei mutig sein und gut aussehen, um zu beeindrucken – Gott war das anstrengend – und jetzt?

Ganz klar, das gemütliche Beisammensein im ‚Muckergarten‘. Jetzt mit Kindern wird der Rummel wiederum attraktiver, aber bitte nur das Riesenrad, reicht mir an Aufregung und Nervenkitzel – den Rest können sie ja dann allein entdecken mit 18. Also, na gut, mit 16. Vielleicht. Ich muss da nochmal nachdenken. Aber, ist ja noch lange hin …

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Schwarze Johanna.

Foto: Joachim Gern

Sie – ganz speziell

Im September startet der Film „DAS SCHAFFEN WIR SCHON“ in den Kinos. Worum geht es da?
Der Film spielt zwei Tage vor der Bundestagswahl. In einer Talkshow für das Fernsehen präsentieren die Kandidaten ein letztes Mal ihre Wahlversprechen. Als Stimme des Volkes sitzt Herr Müllbeier, Chef einer Zeitarbeitsfirma, in der Politikerrunde. Plötzlich stürmt eine Frau, die ich spiele, namens Susanne Kleinke, soeben von Herrn Müllbeier gekündigt, das Studio und nimmt die gesamte politische Führungsriege als Geiseln.
Susanne fordet: eine Bestrafung ihres Chefs, Abschaffung von Hartz IV und bedingungsloses Grundeinkommen für alle.
Die Situation eskaliert und es ist nicht klar, wer bis zum Wahltag überlebt.

Es ist eine Komödie mit unvorhersehbaren Wendungen und Verstrickungen. Ich selbst bin sehr gespannt, wie der Film geworden ist. Ab 7. September 2017 heißt es, ins Kino gehen und anschauen.

Für diesen Film läuft gerade eine Crowdfounding-Aktion. Erzählen Sie uns davon …
Ja, man kann den Film unterstützen. Unter dem Link gibt es auch ein Video dazu. https://www.startnext.com/dasschaffenwirschon
Es gibt im Gegenzug für die Unterstützung attraktive Geschenke. Zum Beispiel signierte Premierenkarten, Filmplakate, DVDs vom Film und viele spannende andere Sachen.

Ich würde mich freuen, wenn wir viele Unterstützer erreichen. Die Aktion geht noch sechs Tage!

Auf der Theater-Bühne oder vor der Kamera – wo stehen Sie lieber?
Ich finde beides interessant und habe viel Freude dabei, ich würde es gerne kontinuierlich abwechselnd betreiben.

Sie haben am Mozarteum in Salzburg Schauspiel studiert – gab‘ es die Idee, in Österreich zu bleiben?
Nein, die gab es nicht. Als damals junger Mensch wollte ich endlich raus aus der ‚Kleinstadt‘ voll von Mozartkugeln, Gassen und barocken Kirchtürmen. Jetzt hab ich schon manches Mal Sehnsucht nach den Bergen. So ändert sich das eben.

Foto: Joachim Gern
Foto: Joachim Gern

Sie sind die Enkelin von Alfred Steinbrenner, dem deutschen Schauspieler, Opernsänger und Synchronsprecher – ist diese Verwandtschaft Bürde oder Ansporn?
Wenn der „Peter“, so rief man ihn nämlich,  diese Frage gelesen hätte, er hätte sich sicherlich erfreut daran. Mein Opa war ein wunderbarer Mensch. Ich war klein und hab gar nicht gewusst, was das genau bedeutet: Schauspieler, Opernsänger – das war mein Opa und der saß in diesem dunklen Sessel mit seiner Brille und seiner weißen Kaffeetasse.
Mich hat es immer beeindruckt, wenn er mal eine Arie ansetzte oder mit weit über 80 die Ringparabel aus ‚Nathan der Weise‘ zum Besten gab – auswendig!
Damals hatte ich ja keine Ahnung, heute schätze ich es umso mehr.
Er weiß leider nicht, dass ich seinen Beruf erlernt habe. Es wäre schön zu wissen, dass er stolz ist.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Camille Claudel, Paula Modersohn-Becker und Aretha Franklin.

Welche Fragen würden Sie ihnen stellen?
Oh nein, das Kleine ruft, Mittagsschlaf schon vorbei.
Ich hätte so viele Fragen, ich glaube ich würde mich gerne mit Paula Modersohn-Becker auf einen Tee treffen wollen und mit Camille Claudel auf einen trockenen Rotwein in Frankreich im Spätsommer. Der Rest ergibt sich von selbst. Bei der Gelegenheit könnte man vielleicht Picasso noch einen Besuch abstatten … Und Areatha, hach ja, die würde ich sehr gerne beim Konzert live sehen und hören und danach einfach backstage mit ihr bei einem Glas Prosecco „abhängen“.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
„Emma im Zoo“, „Die Prinzessin und die Freude“, „Meine ersten Wörter“ – Schande. Da liegt gar keins der Belletristik. Mit zwei kleinen Kindern fallen mir bei gehobener Literatur einfach die Augen zu. Das sanfte Rauschen umblätternder Buchseiten macht mich gerade sehr müde … Die Zeiten kommen ja wieder. Dann liegt da bestimmt Dario Fo – „Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu“. Ich lese sehr gerne Biografien.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Meine Mutter. Weil das einfach so ist. Wer sie kennt, weiß warum.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -Serie? Warum?
Mein absoluter Lieblingsfilm „Grüne Tomaten“ – ein Film über Freundschaft, Liebe, das Leben und Menschlichkeit. Großartig erzählt, hervorragend besetzt. Mein erster Kinobesuch, an den ich mich ganz bewusst erinnere, der mich tief bewegt hat.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Verborgen? Nö, ich glaub, man sieht mir an, dass ich sehr gerne koche. Am liebsten ‚semplice e buono‘ (einfach und gut), ich habe ein Jahr in Italien gelebt, das Gerne-Kochen hab ich im Koffer wieder mit heim genommen.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Auf jeden Fall Hunde. Ich habe eine Allergie gegen Katzen und muss gestehen, Katzen sind ernsthaft Tiere, die mir Angst einflößen. Ich habe leider noch keine Katze getroffen, die mich umgestimmt hat.

Foto: Joachim Gern