Mein Werder (81): Bettina Lindicke

Bettina und Stefan Lindicke. Foto: privat

Kurz & knackig

Name: Bettina Lindicke
Alter: 43
Wohnort: ganz weit draußen ☺ – in bzw. nahe Plessow
Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? – seit 1996
Haben Sie Kinder oder möchten Sie gerne welche haben?
Mein Mann Stefan und ich haben drei tolle Kinder (fast 19, 17 und 11) und damit ist unser Kleeblatt komplett.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist eine wunderschöne kleine Stadt mit perfekter Nähe zu Potsdam und Berlin.
Der (Ur)Werdersche sprüht vor ‚Havelländischem Charme’ bzw. brandenburgischer Brummeligkeit, die durch Zugezogene angenehm aufgeheitert wird (zwinker 😉 )
Der Mix aus Stadt, ländlicher Idylle, Wasser und Kultur ist perfekt zum Leben.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns, wo?
Ich finde überall in Werder Ecken, die ich dann in diesem Augenblick wunderbar finde. Sehr gerne bin ich immer an einem der vielen Gewässer um uns rum und in unserer Hängematte im Garten.

Der Lieblingsplatz im Garten. Foto: privat

Rummel oder Muckergarten – wo ist Ihr Lieblingsort auf dem Baumblütenfest?
Ich bin lieber in unserem Stadtgarten am Hohen Weg oder in unserer Blütenplantage an der Lehniner Chaussee, als auf dem Rummel. Aber für das Baumblütenfest an sich macht es die Mischung: Rummel und Trubel in der Stadt gehören definitiv genau wie Obstwein zum Blütenfest.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Mein Mann Stefan hat 1995 einen Obsthof neu gegründet. Von Anfang an war ich dabei und führe also mit ihm diesen Betrieb, mit allem was dazu gehört: Pflege, Produktion, Ernte und Verkauf von einheimischem Obst. Außerdem veredeln wir einen Teil unserer Früchte zu Säften, hausgemachtem Obstwein, Secco, Brand und sehr leckeren Fruchtaufstrichen.
Nebenbei arbeite ich als Systemischer Coach und Mediator.
Die Mischung aus Familie, Beruf und den ‚üblichen Kleinigkeiten’ wie Haushalt, füllt den Tag doch recht aus. Langeweile kommt nicht auf.

Was würden Sie lieber machen?
Nichts lieber, aber manchmal würde ich gerne etwas gelassener in die kommenden Wochen blicken können. Wir leben von und mit der Natur – da sind wir sehr wetterabhängig. Gerade dieses Jahr hat uns schon so einiges beschert, was mich und meinen Mann so manche Nacht um den Schlaf bringt: Die Sorge, wie wir übers Jahr nach den starken Frösten und nun dem ständigen Regen kommen, ist nicht klein und fordert uns schon recht viel ab.

Sie – ganz speziell

Wie und wann sind Sie denn aufs Land gekommen?
Landleben an sich war mir nie fremd. Ich komme aus einer kleinen Stadt am Rande des Oderbruchs, wir hatten einen Garten und immer auch Tiere.
Dass wir unseren Obsthof etwas weiter vor den Toren Werders in bzw. nahe Plessow haben, liegt daran, dass wir dort Fläche Mitte der 1990er kaufen konnten und dort das Bauen im Außenbereich gestattet wurde. Unseren Betrieb gab es ja nicht, wir haben ihn sprichwörtlich hier draußen aus dem Boden gestampft.

Auf so einem Hof mit Hofladen ist ja eine Menge zu tun – immer und jeden Tag. Wie sind die Aufgaben verteilt?
Die Aufgabenverteilung zwischen mir und Stefan ist recht klassisch – ich mehr drinnen, er eher draußen. Ich habe sozusagen das komplette Büro für mich, mit allem, was dazu gehört: Lohnabrechnung, Marketing, Buchhaltung etc. Außerdem koche ich Fruchtaufstriche für den Verkauf und bin mit im Hofladen.
Stefan produziert unser Obst, managt die Ernte, Lagerung und den Warenvorrat und macht unseren Obstwein. Außerdem fährt er zum Wochenmarkt. Bei der Produktion und im Verkauf werden wir von drei Festangestellten unterstützt. In der Erntezeit bekommen wir Hilfe von Saisonarbeitskräften.

Welches ist denn Ihr Lieblingsobst und warum?
Ganz klar: der Apfel – ich bin immer wieder entzückt über die unterschiedlichen sensorischen Eigenschaften – jede Sorte riecht und schmeckt anders. Und Äpfel sind so unkompliziert – die schmecken sowohl auf einem Kuchen, als auch auf einer schönen herzhaft belegten Stulle und nehmen es auch nicht übel, wenn man sie mal ein paar Tage links liegen lässt.

Sie haben ein Soziologiestudium absolviert und sind auch Coach und Mediator?
Ja, nach meinem Abitur habe ich Soziologie mit Erziehungswissenschaften und Musik studiert, dann aber noch eine Gärtnerlehre absolviert.
Als jetzt unsere Kinder vor ein paar Jahren selbständiger wurden, erfüllte ich mir einen Wunsch und ließ mich erst an der FH Potsdam zum Mediator ausbilden und schob dann eine Coaching-Ausbildung hinterher.

Bleibt da noch Zeit für Ihr schönes Hobby – dem Chorgesang?
Andersrum: Ohne das Singen in meinem Chor hätte ich sicher oft viel weniger Energie für mein Leben.
Singen erleichtert so manches und baut definitiv Stress ab.

Wie kam es dazu, dass Sie im Cantamus-Chor singen?
Ich war von 1988 bis 1992 am Helmholtzgymnasium in Potsdam in einer ‚Spezialklasse für Musik’. Mein damaliger Chorleiter ist dort heute immer noch Lehrer und leitet den großartigen Jugendchor dieses Gymnasiums. In unserem Kammerchor Cantamus Potsdam e.V. singen sehr viele ehemalige Schüler bzw. Chorsänger wieder unter der Leitung eben dieses Chordirektors Helgert Weber.
Wir sind zwar altersmäßig und berufsmäßig bunt gemischt, uns verbindet aber die Freude am Singen eng miteinander.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Gesundheit für Familie und Freunde bzw. eigentlich für alle …
Die Fähigkeit, in der Zeit zurück zu reisen. Nicht, um etwas anders zu machen – einfach noch mal still beobachten … Die Zeit fliegt nur so dahin – ein Wimpernschlag, und die Kinder sind groß.
Den dritten Wunsch würde ich gerne dem erwähnten Jugendchor des Helmholtzgymnasiums in Potsdam schenken: Der Chor hat sich für die Teilnahme an der Chor-Weltmeisterschaft 2018 in Südafrika qualifiziert. Nun brauchen die Jugendlichen Unterstützung bei der Finanzierung der Reise. Ich unterstütze das nicht nur, weil auch unser Sohn mitfliegen möchte, sondern weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass Singen und gemeinsames Musizieren verbindet. Diese Erlebnisse bleiben ein ganzes Leben im Herzen.
Wer vielleicht mal gucken will oder gerne mit unterstützen möchte – es gibt super Dankeschön-Geschenke:
leetchi.com

Familie Lindicke. Foto: privat

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Berühmte Personen an sich beeindrucken mich nicht so, ich finde authentische Menschen einfach interessant, egal ob Promi, Professor, Verkäufer oder Krankenschwester.
Aber wenn ich mich jetzt festlegen muss, dann bitte einen Musiker: Herbert Grönemeyer oder Axel Prahl.

Welche Fragen würden Sie stellen?
Was möchtest du trinken?
(alle anderen Gesprächsthemen ergäben sich dann schon).

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Nie eines allein … 😉 ‚Das falsche Leben’ von H.J. Maaz und zum schnellen Abschalten einer der Krimis von Alexander Hartung: ‚Die Erinnerung so kalt’.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Meine Eltern – sie sind seit 58 Jahren verheiratet und reden immer noch gerne miteinander.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie? Warum?
‚Call the Midwife’ –eine BBC-Serie über Hebammen der 1950er und 1960er in den Hafenvierteln Londons ist sehenswert, weil sie nicht nur filmtechnisch toll gemacht ist, sondern auch die Charaktere und Geschichten sensibel beeindrucken.
‚Dicte’ – eine dänische Krimiserie – skandinavisch, spannend und real erscheinend.
Einer meiner Lieblingsfilme wird für immer ‚Dirty Dancing’ sein – ein bisschen Kitsch muss einfach sein und wer möchte nicht mal eine Wassermelone tragen ….

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Ich hoffe immer noch, dass sich ein verborgenes sportliches Talent offenbart – es hat sich aber bisher noch nicht mal angekündigt …

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Wir haben beides und ich würde mich auch nicht entscheiden wollen.