Mein Werder (99): Achim Risch

Achim Risch mit der damaligen Kultusministerin Prof. Sabine Kunst und dem damaligen Bürgermeister Werner Große bei der Eröffnung des Morgenstern-Museums 2014. Foto: Zube

Kurz & knackig

Name: Achim Risch
Alter:  87 Jahre
Wohnort: Werder (Havel)

Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? – Seit 1997
Haben Sie Kinder oder möchten Sie gerne welche haben? Neue Kinder sind biologisch nicht mehr möglich. Habe Sohn und Tochter.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist eine aufblühende schöne Stadt an einem der schönsten Havelabschnitte unweit von Berlin und Potsdam.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns, wo?
Mein Lieblingsort ist die Aussichtsterrasse des Aussichts- und Museumsturms der Bismarckhöhe mit dem einzigartigen Blick auf Werder zu jeder Tages- und Jahreszeit.

Rummel oder Muckergarten – wo ist Ihr Lieblingsort auf dem Baumblütenfest?  Eher im Muckergarten.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Seit Jahren habe ich täglich für das Projekt Wiederbelebung der Bismarckhöhe gearbeitet und meine demenzerkrankte Frau gepflegt.

Was würden Sie lieber machen?  Mit meiner Frau Reisen unternehmen können.

Sie – ganz speziell

Was liegt Ihnen an der Literatur, speziell an Christian Morgenstern und wann kamen Sie auf die Idee zu dem Museum auf der Bismarckhöhe?
Am literarischen  Erbe Morgensterns liegt mir dessen Vielseitigkeit, wenn man nicht nur die allbekannten Galgenlieder sieht.

Die Idee zu einem Museum für den Dichter entstand, nachdem wir mit Erfolg 2007 das Morgenstern-Zimmer als erste Dauerausstellung für den Dichter überhaupt geschaffen hatten. Da wurde klar, dass Morgenstern mehr verdient hat und ein Museum für ihn in Deutschland bisher unterlassen worden war.

Das Museum – immer noch das Einzige seiner Art in Deutschland – entstand in einem unglaublichen Kraftakt – sind Sie zufrieden oder gibt es weitere Pläne?
Trotz Kraftakt ist ein respektables Museum für Christian Morgenstern auf der Bismarckhöhe von nationaler Bedeutung entstanden. Das Museum wurde nun auch zu Recht aufgenommen in die Brandenburgische Dichterstraße. Einige Ausstellungsteile sind etwas schnell gestrickt und bedürfen der Verbesserung. Das Museum benötigt unbedingt einen Galerieraum, um Werke der bildenden Kunst zu Morgenstern besser präsentieren zu können sowie einen Archivraum für bedeutende Bestände, der den Anforderungen an solchen Raum gerecht wird.

Sie gelten als versierter Chronist – Wann und warum haben Sie begonnen, alles von Morgenstern zu sammeln?
Als ich am Gründungstag des Freundeskreises Bismarckhöhe Mitglied wurde, hatte ich einige chronistische Erfahrungen bei verschiedenen Aufgaben bereits gesammelt. So bot ich mich für das Amt eines Vereinschronisten an und wurde dazu sehr schnell berufen.

Schon kurz nach der Vereinsgründung hatte ich dann den Auftrag erhalten, den Zusammenhang von Morgenstern und Bismarckhöhe zu erforschen. Das wurde dann sehr schnell auch der Beginn der Sammlung von Werken und Materialien um Dichter.

Publikationen von, mit und über Morgenstern – was sind darüber hinaus wichtige Exponate und warum muss man die mal gesehen haben?
Da sind z. B. mehrere Originalurkunden zu Christian Morgenstern. Gesehen haben sollte man unbedingt die Aussagen-Schautafel und Vitrine – zu Leben und Wirken von Margareta Morgenstern, der Gattin und späteren Witwe. Ihr verdankt die Welt die Sammlung und Bewahrung des umfangreichen literarischen Nachlasses Morgensterns und dessen Verbreitung.

Und haben Sie ein Ausstellungsstück besonders ins Herz geschlossen?
Die ausgestellten Eheringe der Morgensterns.

Wie steht es um die Kooperation des Museums und warum ist Ihnen so wichtig, dass junge Leute mit Morgenstern bekannt gemacht werden?
Es besteht eine gute Verbindung zu allen Literaturmuseen unseres Landes Brandenburg.
Wünschenswert wäre die Kooperation der Museen in Werder und den Ortsteilen für gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit, Besuchergewinnung und Lenkung der Besucherströme.

Das literarische Erbe eines großen deutschen Dichters, Morgensterns wie  aller anderen, kann nur bewahrt werden, wenn  es sich die jeweils nächste Generation zu eigen macht.

Haben Sie ein Lieblingszitat von Morgenstern – und – zitieren Sie ihn manchmal zu Hause oder im Verein?
Ich habe ein Lieblingsgedicht: „Möwenlied“. Bei den Zitaten liebe ich „Ich schenke dir heute eine Blume, die ich nicht gepflückt habe.“
Meine erst späte Verbindung zu Morgenstern, ich war 75 Jahre alt, machte es mir nur bedingt möglich noch Texte auswendig zu lernen.

Dass der „Flügelflagel gaustert“, haben die Musiker von der Kultband Orions in diesem Jahr für den Text des Werdersongs „Alte Stadt, junge Stadt“ benutzt. Haben Sie das Lied schon gehört? Und wissen Sie, wofür „Flügelflagel“ steht und was „gaustern“ ist?
Das Lied habe ich noch nicht gehört. Beide Begriffe stammen aus dem 1907 entstandenen und 1919 im „Gingganz“ veröffentlichten Gedicht “Das Gruselett“. Es ist wie weitere unbekannte neue Begriffe ein Spiel mit der Sprache, insbesondere mit dem Sprachklang. Nimmt man ein im selben Jahr entstandenes anderes Gedicht könnte sich der Dichter mit diesen von ihm geprägten Begriffen auf die Fledermaus beziehen.

Schreiben Sie selbst?
Ja, ich schreibe. Dazu gehören verschiedene Chroniken, z. B. der Baumblütenköniginnen Werders oder des „Clubs plus-minus 60“. Zu einem geschichtlichen Buch reichte bei meinen vielen ehrenamtlichen Aufgaben der letzten Jahre die Kraft nicht, um ein gewolltes Projekt zu vollenden.
Ich habe jedoch viele Beiträge in den heimatgeschichtlichen Heften Werders in den Jahren seit 2005 veröffentlicht.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
1. Einen hautamtlichen Mitarbeiter für das Christian-Morgenstern Literatur-Museum, um bessere ständige Öffnungszeiten zu ermöglichen.

2. Mehr Engagement der entsprechenden Organe, das Museum als Objekt nationaler Bedeutung bekannt zu machen und zu führen.

3. Noch den 150. Geburtstag Christian Morgensterns 2021 zu erleben und mit zu einem kulturellen Ereignis von nationaler Bedeutung und Wirksamkeit zu gestalten.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Ich hätte gern den „Literaturpapst“ Professor Karasek getroffen. Leider verstarb er noch vor dem vereinbarten Termin dafür.

Welche Fragen hätten Sie ihm gestellt?
Was halten Sie von unserem Literaturmuseum für Morgenstern?
Was muss getan werden, um Christian Morgensterns literarisches Werk nach nachhaltiger bekannt zu machen, insbesondere für die junge Generation.

Einen Nachfolger für die Beantwortung dieser Fragen weiß ich leider nicht.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Jonas Jonasson „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Eigentlich keine.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie? Warum?
Persönliche Bedingungen hindern mich seit Jahren daran, ins Kino zu gehen oder Filme im Fernsehen zu sehen.
Schon lange fand ich den Film „Einer trage des anderen Last“ als besonders gelungen und wertvoll, weil so echt menschlich.
Toll fand ich „Manche mögen’s heiß“ und „Schwestern teilen alles“.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Wenn ja, dann ist es immer noch verborgen!

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ja! Katze und Hund gleichermaßen, Hund jedoch immer mit gebührender Vorsicht.

Achim Risch spricht die Geleitworte zur Eröffnung des Morgenstern-Zimmers im April 2007. Foto: Glante
Achim Risch bei einem Arbeitseinsatz des Freundeskreises Bismarckhöhe 2004. Foto: Enke
Achim Risch stellt bei der Eröffnung des Altenkirch-Zimmers im April 2006 die von ihm geschaffene historische Ausstellung vor. Foto: Zube