Werner Große.

Name: Werner Otto Adolf Große

Damals war es noch üblich, Vornamen von den Großvätern mit zu bekommen. Schlimm war, dass mich als Kind mal eine alte Frau „Russen-Kassin“ nannte. Ich rannte nach Hause und heulte: Ich will kein Russe sein“.

Und das ist die Geschichte dazu: Ich bin auf der Insel groß geworden. Oma war eine geborene Kassin, sie wohnte in der Mühlenstraße neben dem „Schwarzen Haus“. Die Familie hatte 1648 das Fischereirecht bekommen, die Urkunde ist leider verschwunden. Ein Urahn von Oma war preußischer Soldat im 2. Garderegiment zu Fuß und kämpfte in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Er kam in französische Gefangenschaft und erhielt eine andere Uniform. Das war damals üblich. Er musste dann mit den Franzosen gegen die Russen ins Feld ziehen. Sogar den St. Georgs-Orden für besondere Tapferkeit hat er bekommen. Der Feldzug gegen die Russen war ja bekanntermaßen nicht erfolgreich. Dann gab es die Tauroggen-Konvention und die Befreiungskriege. Unser Kassin war auch bei der Völkerschlacht bei Leipzig dabei. 1825 wurde er in Ehren entlassen. Und weil er nun bei dem Russland-Feldzug dabei war, wurde er „Russenkassin“ genannt.

Alter: geboren am 9. November 1949 in Glindow

Ich wurde im Krankenhaus in Glindow geboren – als Achtmonatskind, sonst gab es bei uns nur Hausgeburten. Meine Schwester wurde zu Hause auf der Insel in Werder geboren.

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Sie müssen herkommen und selbst sehen – das ist schwer zu beschreiben – die bewohnte Inselstadt, der Qualitätswein, die blühenden Obstanbaugebiete …

Wir haben beste Verkehrsanbindungen an Potsdam, Berlin und die Welt! Und beachtlich ist ja auch, dass Werders Wasserfläche 42 Prozent beträgt! Das ist unser Potenzial – die Natur und das Wasser.

Hier kann man gut leben.

Viele Gäste, die das erste Mal herkommen, glauben es nicht. Die sitzen beim Fischer und schauen auf die breite Havel und denken, das ist ein See.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder?
Der Blick vom Werderschen Damm ist schon großartig. Aber gern bin ich auch am Plessower See, kurz vor der Autobahnbrücke gibt es eine kleine Anhöhe. Mit dem Blick auf den tief liegenden See kann man gut entspannen. Auch schön ist es an der Telegrafenstation auf der Glindower Platte – da war und bin ich viel mit den Hunden.

Rummel oder Muckergarten?
Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?

Natürlich in den Gärten.
Als Kind habe ich Flieder geschnitten und auf dem Hohen Weg verkauft. Vom Geld habe ich dann Postkarten gekauft und den Touristen angedreht. Das wurde mir irgendwann zu aufwändig. Dann habe ich im Hohen Weg an den Fässern, aus denen damals ausgeschenkt wurde, Flaschen gesammelt. Es gab einen Groschen für eine Weinflasche bei Flaschen-Müller. Und schließlich war ich auch „Kleingeldsammler“. Wenn die angetrunkenen Herrschaften das Geld zum Bezahlen aus der Tasche zogen, fiel auch mal ein Groschen runter …

Was machen Sie so den lieben langen Tag?
Morgens gehe ich erstmal zum Bäcker auf der Insel frühstücken und eine Runde mit dem Hund. Wenn mein Sohn Christian einen langen Tag hat, nehme ich seinen Hund auch mal in „Pension“. Dann sind vielleicht Termine mit der Partei zu klären oder ich bin im Büro im Kreistag, oder es sind Versammlungen. Zum Training mit dem Hund fahre ich nach Fichtenwalde – natürlich nicht täglich. Irgendwas ist eigentlich immer.

Im Kreistag bin ich Vorsitzender, da müssen Sitzungen vorbereitet und geleitet werden. Der Kreistag ist schon ein bisschen weg von der gemeindlichen Ebene – das wird abstrakter bei über 200.000 Einwohnern. Aber das macht auch viel Spaß. Der Kreis kann sich sehen lassen: ist schuldenfrei und hat Rücklagen. Von der Kreisgebietsreform bleiben wir hoffentlich verschont, ich bin dagegen. Das kostet nur Geld. Und überhaupt: Mein Bedarf an Reformen ist gedeckt. Und die Amtsmodelle funktionieren doch.

Was würden Sie lieber machen?
Es gibt viele Dinge, die ich gern machen würde. Ich würde gern mehr Museen besuchen.

Zum Beispiel die „Karl IV. Ein Kaiser in Brandenburg“-Ausstellung in Potsdam. Das habe ich jetzt so oft auf Plakaten gesehen, da will ich eigentlich mal hin. Oder nach Berlin, ins Bode-Museum. Da war ich auch noch nicht. Schade. Zum Beispiel auch die Krokodilstation Golzow. Wenn ich aus Belzig vom Kreistag komme, fahre ich manchmal einfach „über die Dörfer“ zurück. Da bin ich 50 mal vorbeigefahren und habe es nicht geschafft – man nimmt sich einfach zu wenig Zeit!

Sie waren seit 1990 und dann fast 25 Jahre Bürgermeister in Werder. Jetzt feiert die Stadt ihr 700. Jubiläum und Sie haben am Erfolg der Stadt großen Anteil.
So einen Anteil hat man nie allein! Das ist immer Teamarbeit. Ich erinnere mich daran, wie wir nach der Wende die ersten freien Wahlen hatten. Es gab ein klares Ziel, wo wir mit Werder hinwollen. Wir haben die Stärken gesucht: Wohnen, Gewerbe, Tourismus, Dienstleistungen. Das alles wieder aufzubauen war eine schwere Zeit. Aus den zerschlagenen Genossenschaften heraus haben sich die Werderaner Obstbauern selbst geholfen: mit dem Verkauf ihrer Produkte an der B1. Das zeichnet die Werderaner aus. Sich selbst zu helfen. Wir wurden ein paar Mal aufgefordert, diesen Markt zu beseitigen. Das kam nicht in Frage.

Dann die Infrastruktur, der soziale Wohnungsbau, die Insel – die wurde ja quasi neu gebaut. Da gab es 2009 mal eine Ausstellung mit Bildern von vor 1989 – da hatte man Mühe, die Ecken wieder zu erkennen!
Entscheidend war, nicht zu jammern! Auch das zeichnet die Werderaner aus, nach dem Motto: „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“.

Und heute: Das Hauptproblem sind nicht Sozialwohnungen sondern bezahlbarer Wohnraum für diejenigen, die kurz über der Einkommensgrenze liegen. Da stimmt das System in Deutschland nicht und müsste angepasst werden.

Können Sie eine schöne Erinnerung an Ihre Amtszeit nennen?
Es war insgesamt eine schöne Zeit! Wir haben ein Gymnasium gebaut – das haben wir geschafft, obwohl es eigentlich Kreissache war. Hier in Werder ist das soziale Leben intakt, wir haben viele Vereine. 1989 waren es 20, jetzt sind es über 70.
Das ist so wichtig für die Menschen, besonders für die Kinder. Die, die jetzt hierher ziehen, können sich auch einbringen – es gibt genug Möglichkeiten.

Ich finde, wenn der soziale Zusammenhalt nicht mehr stimmt, dann haben wir etwas falsch gemacht. Straßenbau ist wichtig, ja, aber das Soziale ist wichtiger!

Gibt es eine schlimme Erinnerung?
Na klar, aber das ist schon länger her, 1973, da war ich noch stellvertretender Bürgermeister. Da ist die Mühle abgebrannt. Oder der schwere Unfall am Bahnübergang. So etwas nimmt einen schon mit.

Ihre Wünsche für Werders Zukunft?
Ich wünsche mir, dass auch zukünftig der soziale Zusammenhalt gewahrt wird. So, wie es schon der Alte Fritz wollte: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“. Wichtig ist es, die Kinder und Jugendlichen an ihre Stadt zu binden, ihnen hier eine Ausbildung zu ermöglichen. Ich wünsche mir, dass man auf die älteren Mitbürger noch mehr eingeht. Die haben nunmal andere Bedürfnisse als die 30-Jährigen. Aber wir haben ja auch schon viel geschafft: Kunstgeschoss, Scala Kino, Comédie Soleil – das ist doch eine gute Entwicklung. Aber auch der Zuzug vieler junger Familien stellt die Stadt vor neue Herausforderungen.

Ganz wichtig: Der Obstbau darf nicht untergehen. Die Neuanpflanzungen auf der Glindower Platte sind sehr gut. Hier soll noch in 100 Jahren Baumblüte gefeiert werden!

Als was nehmen Sie am großen Umzug zum Jubiläum der Stadt teil?
Na, ist doch klar – als ehemaliger Bürgermeister!

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Ich musste so viele Jahre durch die Arbeit jeden Tag so viel lesen – da liegt kein Buch auf dem Nachttisch. Ich lese den „Spiegel“, das dauert eine Woche. Früher habe ich viel gelesen, aber die Ruhe ist irgendwie weg, ein Buch zu Ende zu lesen.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
Im Fernsehen hat mir jüngst die Serie aus Schweden „Modus“ gut gefallen. Sonst sehe ich keine Serien. Bei Filmen bin ich eher der Action-Typ, „Der Soldat James Ryan“ fand ich gut, aber auch „Der mit dem Wolf tanzt“.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Hunde. Als ich 12 Jahr alt war, bekam ich vom Vater den ersten Schäferhund, dann hatte ich nochmal drei Schäferhunde, dann war ein paar Jahre Pause und dann mit dem Grundstück wieder einen Schäferhund – mit Ausbildung im Verein. Dann wollte ich einen Hund, der nicht mehr so schwer ist, man wird ja älter. Also habe ich mir einen Airedale Terrier, meinen Hunter, angeschafft. Der ist sehr schnell, das macht es also doch nicht leichter. Aber er ist gut auszubilden. Und man bleibt in Bewegung, man muss spazieren gehen, man muss raus – egal, wie das Wetter ist. Sonne, Schnee, Regen, man ist gezwungen, zu marschieren und nicht faul auf der Couch zu liegen. Außerdem macht die Ausbildung viel Spaß. Jetzt freuen sich meine Frau und ich aber erstmal auf das dritte Enkelkind.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Bestimmt nicht. Ich habe zwei linke Hände und lauter Daumen dran – ich bin nicht versiert als Handwerker. Aber vielleicht kann ich ganz gut fotografieren.
Kurator Frank W. Weber fand jedenfalls 2012 die Bilder von meiner Indienreise so gut, dass es eine Ausstellung im Schützenhaus in der „Galerie am Glas“ gab.

An die Werderaner:
Im Jahr 2017 können wir auf eine lange und erfolgreiche Geschichte unserer Stadt zurückblicken. Werder wird zeigen, dass viele Menschen daran Anteil haben.

Sie, die hier geboren sind und Sie, die hierher gezogen sind – machen Sie sich mit der Geschichte vertraut und gestalten Sie Ihre Stadt mit, sodass die erfolgreiche Geschichte Werders weiter geschrieben wird. Wer die Wurzeln kennt, kann die Zukunft gestalten.

Ihnen persönlich und Ihren Familien wünsche ich alles Gute!

Ihr Werner Große