Mittelstandsvereinigung für Wiedereinführung des Meisterbriefes

Dr. Saskia Ludwig, Ralph Bührig, Uwe Feiler und Wolfgang Schulz-Heidorf (v.l.) beim MIT-Lunch in den Bürgerstuben.

Werder (Havel), 10. Februar 2017 – „Lunch MIT uns“ heißt das neue Format der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) Potsdam-Mittelmark, zu dem am heutigen Freitag erstmals in die Bürgerstuben eingeladen wurde.
Thema war die „Wiedereinführung der Meisterpflicht als Nachwuchssicherung im Handwerk“ und dem Ruf gefolgt waren nicht nur interessierte Gäste, Inhaber meistergeführter Firmen aus Werder (Havel) und der mittelmärkischen Umgebung, sondern auch kompetente Ansprechpartner aus der Vertretung der Handwerker, der Wirtschaft und der Politik. So konnte MIT-Vorstand Wolfgang Schulz-Heidorf den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam Ralph Bührig, den Brandenburger MIT-Landesvorsitzenden Uwe Feiler (MdB) sowie die CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagskandidatin Dr. Saskia Ludwig (MdL) begrüßen. Die konnten dann nicht nur ihre Positionen darstellen, sondern an Ort und Stelle mit den Gästen ins Gespräch kommen.

Für die MIT vertrat Uwe Feiler die Position für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in allen Handwerksberufen. „Der Meisterbrief ist ein Qualitätsmerkmal des deutschen Handwerks“, so Feiler, der sich dafür aussprach, die Handwerks-Qualität wieder zu stärken, indem beispielsweise die Ausbildung attraktiver gemacht wird. Er stellte auch die provozierende Frage „Wenn alle studieren, wer baut eigentlich die Universitäten?“.

Auch Saskia Ludwig verwies auf eine drohende „Akademisierung“ und stellte klar, dass für sie nicht nur die Frage der Meisterpflicht, sondern grundsätzlich die Lage des Mittelstandes in den Fokus gehöre. Sie fordert beispielsweise eine generelle Entlastung der vielen bürokratischen Vorgänge, dem „Papierkram“, den den Mittelstand erledigen müsse. Sie unterstütze die Forderung nach der Wiedereinführung der Meisterpflicht, weil die Qualität der Arbeit nur durch die Meisterausbildung gesichert sei.

Ralph Bührig klärte auf, dass Vorbehalte, die gegen die Meisterpflicht oftmals mit den „Nazi-Gesetzen“ begründet würden, jeglicher Grundlage entbehrten, da die Meisterpflicht ihren Ursprung nachweislich schon im Kaiserreich hat.
Nach einem geschichtlichen Abriss zur Meisterpflicht betonte Bührig zusammenfassend, wofür die Meisterpflicht stehe: „Die Meisterpflicht gewährt die Qualität der handwerklichen Leistung, sorgt für Ausbildung und ist die Basis für wirtschaftliche Stabilität“. Seit dem Wegfall des Meisterzwangs für viele Handwerksberufe hätte sich die Zahl der zulassungsfreien Betriebe in Brandenburg zwar enorm vervielfacht. Dabei sei aber die Zahl der Ausbildungsverhältnisse nicht angestiegen, im Gegenteil, sie sei stark rückläufig, so Bührig, der die Situation mit Zahlen aus den Berufsgruppen der Fliesenleger, Gebäudereiniger oder Raumausstatter untermauerte.

Das bestätigt die Auffassung der MIT, nach der die Abschaffung der Meisterpflicht für 53 Berufe im Jahre 2004 auch die Qualität der Ausbildung in einer Reihe der davon betroffenen Berufe geschwächt hätte. Die Ausbildung von Nachwuchskräften ließe sich eben umso schlechter bewerkstelligen, je kleiner ein Betrieb sei. Dies und der Trend zur Akademisierung haben zu dem dramatischen Rückgang bei der Ausbildungsnachfrage im Handwerk geführt.

Dass ein Meistertitel freilich nicht immer ein Garant für beste handwerkliche Qualität sei oder dass es gute Beispiele aus der Schweiz oder Österreich gebe, wo es gänzlich beschränkungsfrei zuginge, kamen als nachdrückliche Einwände der anwesenden Meister in die offene Diskussion. Diese Anmerkungen sowie weitere Forderungen nach neuen Strukturen im Handwerk oder der besseren Kontrolle bei der „Altgesellenregelung“ wurden lebhaft diskutiert. (low)


Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU und CSU (MIT) ist nach eigenen Aussagen mit mehr als 25.000 Mitgliedern der stärkste und einflussreichste parteipolitische Wirtschaftsverband in Deutschland. Die MIT setzt sich für die Soziale Marktwirtschaft und für mehr Unternehmergeist in der Politik ein.
Das Handwerk steht für insgesamt 151 Berufe, rund eine Million Betriebe und 5,4 Millionen Menschen in Beschäftigung. 371.000 junge Menschen werden derzeit im Handwerk ausgebildet. Das ist ein Anteil von fast 27,3 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland.