Mode nach Maß – Kunst kommt von Können

Antje Heckel mit ihrer Azubine Amy im "Atelier am See". Foto: wsw

Werder (Havel), 19. März 2018 – Für Amy ist es der Traumberuf – Schneiderin! Schon als Kind stand für sie fest, das sie diesen Beruf ergreifen möchte – die gelungene Reparatur ihres Schulrucksackes war dann die Initialzündung. Es ist allerdings schwer bis unmöglich, in unserer Region einen Ausbildungsplatz zu bekommen, denn es gibt es kaum noch echte Maßschneider und noch weniger Inhaber, die die Berechtigung haben, auszubilden.

Über eine Fördermaßnahme der Arbeitsagentur darf Amy nun im „Atelier am See“ bei Antje Heckel beweisen, dass sie es ernst meint mit ihrer Berufswahl. Und in der Meisterin Antje Heckel hat sie eine engagierte Ausbilderin gefunden, die dem jungen Mädchen gern auch die weitere Ausbildung zukommen lassen möchte.

Das ist allerdings auch eine Frage des Geldes – denn bislang hatte Antje Heckel nur für ihr eigenes Auskommen und die Ausstattung des Ateliers zu sorgen. Von Verbänden, Kammer oder Innung gebe es kaum Unterstützung, klagt sie. Angesichts der fehlenden Unterstützung würde der schöne Beruf wohl bald „aussterben“. „Wenn ich jemanden ausbilde, will ich die Verantwortung, die ich übernehme, auch ausfüllen“.

Antje Heckel, die mit ihrer hohen Professionalität, Geschick und Geschmack aus Stoffen wunderbare individuelle, nachhaltige und tragbare Mode, besondere Festkleidung oder phantasievollste Kostüme stil- und typgerecht nach Kundenwunsch näht oder ändert, bemüht sich um den Verbleib des talentierten Mädchens. „Ich werde noch mehr arbeiten und noch mehr Kurse anbieten“, kündigt die Werderanerin kämpferisch an.

Montags von 16 bis 20 Uhr findet im Atelier bereits ein offener Nähkurs statt. Genäht wird was gefällt – es gibt einige freie Plätze. Auch beim vormittäglichen Freitagskurs könne man jederzeit einsteigen. Kinderkurse bietet Antje Heckel am 27. und 28. März jeweils zwischen 10 und 14 Uhr an – dabei will sie Kindern den Umgang mit der Nähmaschine zeigen, mit ihnen ein einfaches Werkstück nähen, die dann noch mit Pailletten, Strasssteinen oder Monogrammen verziert werden können. Einen weiteren Kurs zum Thema „Upcycling“, dem Umarbeiten von gebrauchter Kleidung und dem „Upgraden“ durch Verzierungen gibt es am 4. und 5. April zwischen 10 und 14 Uhr. Einen Workshop zum Thema Badeanzug ist am 21. und 22. April in der Zeit von 10 bis 15 Uhr geplant. Informationen gibt es auf ihrer Internetseite www.antje-heckel.de oder Telefon 03327 71976. Genäht wird ein eigens entwickelter Schnitt.

Für ihre Idee, in Schulen Projektwochen oder Arbeitsgemeinschaften zu nachhaltiger Mode, Einführung ins Nähen und weiteren Themen zu organisieren, erhofft sie sich offene Ohren und Interesse in der Blütenstadt und der Umgebung.

Auch am 26. April öffnet die Schneidermeisterin die Tür ihres schönen Ateliers. Dann findet der 16. Zukunftstag für Mädchen und Jungen in ganz Brandenburg statt. Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse können an diesem Tag in das Berufsleben schnuppern und bestimmt wird Amy an diesem Tag berichten, wie es ihr gefällt und was sie bereits unter den aufmerksamen Augen der Meisterin gelernt und wie sie  hat.

Interessierte Werderaner und Gäste der Stadt dürfen sich auch auf die 5. Europäische Tage des Kunsthandwerks freuen. Antje Heckel wird dann wie viele Kunsthandwerker und Designer sowie Museen und Hochschulen des Landes Brandenburg vom 23. bis 25. März ihr Atelier öffnen. Sie wird sich und ihre vielfältige Arbeit am 24. und 25. März vorstellen – die künstlerische Umsetzung der Kostüme für das Karnevals-Prinzenpaares des Landes beispielsweise zeugt von großem handwerklichen Geschick. Außerdem gibt es dann bei ihr einen Stoffräumungsverkauf und verschiedene Angebot an Knöpfen und Schnallen – da ist in den gut gefüllten Regalen für jeden Geschmack etwas dabei. Geöffnet ist das „Atelier am See“ am Plessower See 132 dann jeweils von 10 bis 17 Uhr. (wsw)