Nach „Schicksalsabstimmung“ zur Blütentherme „endlich ein klarer Auftrag“

Werder (Havel), 9. März 2017 – Mehrheitlich wurde heute Abend in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass die Stadtverwaltung den Auftrag erhält, nach einem Partner zu suchen, der die Blütentherme baut und dann auch betreibt. Die konkrete Empfehlung und der spätere Inhalt der Verfahrensunterlagen sind den Gremien der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen.

Erleichterung bei der Bürgermeisterin

Bürgermeisterin Manuela Saß zeigte sich erleichtert über das Votum: „Die schwierige Phase der Orientierung ist vorbei“, sagte sie. Im Interessenbekundungsverfahren hätte sich bereits gezeigt, dass es trotz der unerfreulichen Vorgeschichte großes Interesse an der Therme am Zernseeufer gibt, mit der der Erholungsort sein touristisches Profil erweitern werde. Sie sei froh, dass es für den Vorschlag eines kommunalen Badbetreibers keine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung gegeben hat, so Manuela Saß weiter. „Als Bürgermeisterin bin ich keine Bademeisterin. Es gibt kompetente und starke Unternehmen mit einschlägigen Erfahrungen am Markt, die das besser können.“

SPD spricht von „Schicksalsabstimmung“

Vorangegangen war der „Schicksalsabstimmung“, wie sie  Werders SPD-Chef Robert Dambon nannte, der Antrag seiner Fraktion, das Bad durch die Stadt fertig bauen zu lassen. Der Betrieb des Bades sollte dem Antrag zufolge durch einen Betriebsführer im Auftrag der Stadt erfolgen. Eine Ausschreibung für die Suche nach einem Generalplaner und -unternehmer sollte erfolgen, die Haus- und Grundstücksgesellschaft Werder (HGW) sollte die Aufgabe ausdrücklich nicht übernehmen. Schwerpunkte sollte das Blütenbad ohne Thermalwasser dann im Bereich Gesundheit sowie Sport und Spaß haben. Nach Meinung der SPD-Fraktion „hätte sich gezeigt, dass es niemanden gibt, der bereit ist, die Fertigstellungskosten für das Bad zu übernehmen“.

Bündnisgrüne für Abriss

Auch die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen hatten keinen Erfolg mit ihrem Änderungsantrag, nach dem das Projekt Blütentherme „mit sofortiger Wirkung aufgegeben“ werden und zurück in den Badausschuss überwiesen werden sollte. „Alle mit dem Projekt in Verbindung stehenden Ausgaben, Aufgaben und Aktivitäten innerhalb der Stadtverwaltung sind schnellstmöglich zu beenden“, hieß es in ihrem Antrag. Ilona Klapper als Vorsitzende betonte für ihre Fraktion, dass die städtischen Grundstücke – also die Therme und angrenzende Flächen – als Ganzes betrachtet und mit einem Entwicklungsplan belegt werden sollten. „Das Projekt Therme ist nicht im Interesse unserer Bürger“, sagte Klapper. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Freie Bürger für Partnersuche

Sigmar Wilhelm sprach sich für die Fraktion Freie Bürger gegen den Antrag der Bündnisgrünen aus: „Nein, wir wollen nicht abreißen“. Er kenne die hohe Erwartungshaltung der Menschen: „Mir hat keiner gesagt, reißt alles ab!“. Mit den Worten: Ich wünsche mir, dass nach der Diskussion heute der richtige Partner gefunden wird“, kündigte er das Votum seiner Fraktion für den CDU-Antrag an.

CDU: Investition in die Infrastruktur

Der Stadtverordnete Peter Kreilinger (CDU) fand klare Worte: „Selbstverständlich wissen wir, dass das Desaster, das wir mit dem Betrüger Heinz Steinhardt und der Kristall Bäder AG erleben mussten, vorrangig uns angelastet wird“. Dennoch sei die Entscheidung für das Bad an diesem Standort richtig und die Initialzündung für einen kompletten neuen Stadtteil gewesen. Klar müsse sein, dass ein Bad vor allem eine Investition in die Infrastruktur sei – kein Geschäft. Das Bad – gut betrieben – werde den Werderanern und dem Tourismusstandort nutzen. Risiken selbst bei besten Rahmenbedingungen seien allerdings immer vorhanden. „Wir werden mit aller Kraft daran arbeiten, das Beste aus der Situation zu machen und die Therme doch noch zum Erfolg zu führen. (low)


Details des CDU-Antrages zur Blütentherme (Auswahl)

Zielstellung des Verfahrens bei der Suche nach einem Partner: Fertigstellung der Blütentherme mit der baulichen Mindestausstattung gemäß dem Vertrag mit der Kristall Bäder AG, soweit sie mit der bestehenden Baugenehmigung zu realisieren ist, zuzüglich einem attraktiven Wasserspielbereich für kleinere Kinder.

Die Einzelausgestaltung und etwaige ergänzende Angebote/Anbauten etc. sollen eigenverantwortliche Entscheidung des künftigen Betreibers sein, allerdings bleibt dabei der Charakter als Therme mit Familien- und Sportbad – also als Einrichtung mit Freizeit-, Gesundheits- und Wellness-Aspekten, warmem Wasser sowie multipler Soleanwendung die feste Zielstellung.

Die Fertigstellung erfolgt auf eigene Kosten des Bieters. Eine Fertigstellungsbürgschaft über fünf bis sieben Millionen Euro ist zu stellen.

Die Therme ist über ein Modell zu finanzieren, das das Fertigstellungsrisiko überwiegend und das Betriebsrisiko zu substantiellen Teilen beim privaten Partner verortet. Die Überlassung des Thermengrundstückes erfolgt ausschließlich zum Zwecke des Betriebs einer Therme. Sollte die Therme nicht oder nicht mehr vertragsgerecht betrieben, fällt die volle Verfügungsgewalt an die Stadt zurück.

Die Therme muss grundsätzlich ganzjährig in allen Bereichen an sieben Tagen die Woche geöffnet sein. Ausnehmen lediglich Weihnachten/Neujahr sowie technisch erforderliche Termine. Tägliche Öffnungszeiten zwischen 7 und 20 Uhr sind anzustreben. Schulsport für Schulen in der Trägerschaft der Stadt Werder ist an allen Schultagen zwischen 7.30 und 14 Uhr zu gewährleisten.

Die Entwicklung der Grundstücke im Umfeld soll losgelöst von der Vergabe der Therme behandelt werden.