Nahverkehrsgipfel der RE1-Bürgermeister

Bürgermeister, Hochschulpräsidenten, Wirtschaftsvertreter und Fahrgastvertreter nach der Unterzeichnung des offenen Briefes an die Ministerin. Foto: Stadt Brandenburg a.d. Havel

Brandenburg a.d. Havel / Werder (Havel), 22. September 2017 – In einer bisher einzigartigen Gemeinschaft haben sich gestern Bürgermeister, Hochschulpräsidenten, Wirtschaftsvertreter und Fahrgastvertreter zu den bisher veröffentlichten Überlegungen zum neuen Nahverkehrsplan 2030 für unser Land Brandenburg geäußert und einen offenen Brief an die Landesverkehrsministerin unterzeichnet.

Die Teilnehmer fordern von Ministerin Schneider eine Verbesserung des RE1-Angebotes für den Aufbau der Mobilitätsregion 2030 mit einer  leistungsfähigen, umweltschonenden und attraktiven Verkehrsinfrastruktur. Konkret geht es um:

  • Taktverdichtung des RE1 auf drei Verbindungen stündlich von Brandenburg an der Havel und zwei Takte die Stunde an den Bahnhöfen Götz und Groß Kreutz mindestens in den Hauptverkehrszeiten 5 bis 9 Uhr und 15 bis 19 Uhr sowie Ergänzung des abendlichen Fahrangebotes
  • Erweiterung des Platzangebotes sowohl an Sitzplätzen als auch zur Fahrradmitnahme
  • Anpassung des inneren Tarifbereiches Werder / Groß Kreutz und Ausweitung des Berlin ABC-Tarifs bis nach Brandenburg an der Havel.
  • Weiter in die Zukunft gedacht, sollten Querungen entlang der RE1-Linie abgebaut werden und zudem die Einführung einer Bahnverbindung zwischen Brandenburg an der Havel, Werder und Golm bis an den ICE-Bahnhof Berlin Spandau nachgedacht werden.

Als Begründung führen die Teilnehmer aus:

„Die Region hat sich stark entwickelt und erlebt Geburtenrekorde und Zuzüge insbesondere von Familien. Heute gibt es zehntausende Ein- und Auspendler jeden Tag, die insbesondere auf ein funktionierendes Kernstück des regionalen Schienenverkehrssystems, die Linie RE1, von Brandenburg an der Havel über Götz, Groß Kreutz, Werder bis nach Potsdam und Berlin angewiesen sind.

Die derzeitigen Kapazitäten des RE1 werden diesem Bedarf zunehmend nicht mehr gerecht.

Die Folgen vor Ort sind: übervolle Züge zu den Hauptverkehrszeiten, zu wenig Taktungen pro Stunde, zu wenig Möglichkeiten der Fahrradmitnahme und ein zu geringes Angebot in den Abendstunden.“

„Gerade mit Blick auf die sich immer mehr zuspitzende Straßenverkehrssituation auf der B1 sowie der A2 und A10 werden repressive Maßnahmen, wie derzeit in Potsdam auf der Zeppelinstraße erprobt, nicht funktionieren und auch nicht zu einer gemeinsamen Lösung beitragen“, so die Teilnehmer.  (red)


  • Die Kapazitätsgrenzen der auf der Linie RE 1 eingesetzten Züge werden insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten bereits zum jetzigen Zeitpunkt erreicht.
  • Nach der Verbundstatistik der VBB GmbH hat sich im Zeitraum von 2005 bis 2015 die Anzahl der Berufspendler auf der Strecke von Brandenburg an der Havel nach Berlin um 44,7% sowie die Anzahl der Berufspendler von Berlin nach Brandenburg an der Havel um 29,1% erhöht.
  • Alleine schon nach den Untersuchungen der VBB GmbH im Rahmen des ÖPNV-Konzeptes 2030 wird bis zum Jahr 2030 mit einer weiteren Nachfragesteigerung auf der Linie RE 1 ab Brandenburg an der Havel um 23% gerechnet.
  • Aufgrund der äußerst starken Verkehrsbelastung im motorisierten Individualverkehr, insbesondere auf der B1 nach Potsdam und den Autobahnen A 2 und A 10 nach Berlin, ist mit einem weiter zunehmenden Umstieg bisheriger PKW-Nutzer auf den ÖPNV und SPNV zu rechnen.

Hier kann man den vollen Wortlaut des offenen Briefes nachlesen.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß:

„Eine Ausweitung des ABC-Tarifs bis Brandenburg (Havel) ist ebenso dringend geboten wie eine Taktverdichtung für den RE1, und zwar auch in Groß Kreutz und Götz. Von künftig geplanten Verbesserungen auf der Bahnstrecke sollte nicht nur Werder (Havel), sondern auch Groß Kreutz, Kloster Lehnin und Brandenburg (Havel) profitieren.

Das Land Brandenburg endet nicht am Speckgürtel: Brandenburg (Havel), Groß Kreutz und Kloster Lehnin haben wie Werder (Havel) ihre Wirtschaftskraft und den Tourismus enorm entwickelt und profitieren vom Zuzug aus Berlin und Potsdam. Das ist nicht zuletzt an überfüllten  Pendlerzügen zu erkennen. Die Entwicklung des Nahverkehrs muss mit dem Wachstum der Region korrespondieren.
Die derzeitige Situation führt unter anderem dazu, dass unser Stadtbahnhof in Werder (Havel) durch Pendler aus Kloster Lehnin und Groß Kreutz dermaßen strapaziert ist, dass wir trotz Parkplatzerweiterungen erneut vor der Aufgabe stehen, ein zweites Parkhaus errichten zu müssen.“

Die Bürgermeisterin der Stadt Brandenburg a.d. Havel, Dr. Dietlind Tiemann, bei der Unterzeichnung des offenen Briefes - hier mit dem Groß Kreutzer-Bürgermeister Roth Kalsow und Werders Bürgermeisterin Manuela Saß. Foto: Stadt Brandenburg a.d. Havel