Neu im Amt des Vereinsgeschäftsführers: Ex-Bundesligist Hannes Lindt

Hannes Lindt, der neue Geschäftsführer des HV Grün-Weiß Werder. Foto: Maria Ulrich

Werder (Havel) – Der HV Grün-Weiß Werder steht nach dem Abstieg aus der 3. Bundesliga und dem Aufstieg der Frauenmannschaft in die Ostsee-Spree-Oberliga nicht nur sportlich, sondern auch in der Führung vor einigen Umbrüchen.

Nach der Eröffnung der Geschäftsstelle, die mit Stefan Demuth zu einer wichtigen und zentralen Schnittstelle für viele Werderaner geworden ist, gab es jetzt die nächste Neuigkeit: Hannes Lindt ist seit dem 1. Juli 2017 Geschäftsführer des Handballvereins aus der Blütenstadt. Im Interview – geführt von Maria Ulrich – stellt er sich kurz vor, schildert seine Pläne und die Herausforderungen, die er in Angriff nehmen will.

Hannes – für viele von uns bist du ein völlig neues Gesicht. Deswegen starten wir sogleich mit einem kleinen Steckbrief: Erzähl uns doch einmal von deiner Herkunft, von deiner Beziehung zum Handball und – vor allen Dingen – welche Motivation dich in unser kleines Werder verschlagen hat?!

Hannes Lindt: Ich bin in Cottbus geboren, wo ich von klein auf das Handballspielen erlernt habe. Mein erster Verein war der HC Cottbus (heute LHC Cottbus), der in der kommenden Saison auch ein Gegner von uns sein wird. Von der Lausitzer Sportschule Cottbus bin ich dann mit 17 Jahren nach Delitzsch gewechselt. Hier habe ich den Sprung in den Männerbereich geschafft und auch gleich das erste Mal in der Handball-Bundesliga spielen dürfen.
Stationen beim SC Magdeburg, in Frankfurt, Dormagen, beim Tusem Essen, Bietigheim und Dresden haben es mir ermöglicht, circa 100 Spiele in der Bundesliga und ungefähr 300 Spiele in der 2. Handball-Bundesliga zu absolvieren.
Nach zwei Kreuzbandrissen und diversen anderen Schäden im rechten Knie konnte ich leider nicht mehr auf dieses Niveau zurückkommen und habe in diesem Sommer meine aktive Laufbahn als Sportler beendet.
Werder hat mich im Januar dann kontaktiert und angefragt, ob ich nach meiner Reha in der 3. Liga aushelfen kann. Danach stand ich mit Uwe Daßler regelmäßig im Kontakt und wir haben schnell zueinander gefunden. Für mich ist diese Aufgabe eine tolle Möglichkeit, meine Erfahrungen und Ideen an erfolgreiche und motivierte Menschen weiterzugeben und umzusetzen.

Neben dem Handball hast du auch noch ein anderes spannendes Hobby, bzw. ein zweites Standbein: Die Stiftung und das Fair Fashion Modelabel BeTuk. Wie man liest und hört, ist bei euch alles nachhaltig, fair und bio. Ein großer Teil eurer Einkünfte (5 Euro pro Einkauf) werden sogar für gemeinnützige Zwecke gespendet. Wie schaffst du den Spagat zwischen Unternehmerdasein eines Labels und deiner neuen Aufgabe als Sportdirektor/Geschäftsführer?

Hannes Lindt: Ich glaube, wenn man für eine Idee oder einen Job Liebe entwickeln kann, dann braucht man keinen Spagat oder eine Zeituhr. Mir ist nie langweilig und ich habe auch schon neben meiner sportlichen Laufbahn gern an meiner Aus- und Weiterbildung, dem Fachabitur, meinem Fair Fashion Label und der Stiftung gearbeitet. Ich liebe es, viele verschiedene Bereiche miteinander zu verbinden und neue Wege zu kreieren. Mein Label geht genau so weiter. Fabian Böhm und ich haben eine neue Unternehmensform gegründet und uns in diversen Bereichen professionelle Helfer ins Boot geholt.

Mit welchen Gedanken blickst du auf die neue Saison – im Hinblick auf die Entwicklung aller Erwachsenen- und Jugendteams?

Hannes Lindt: Wir sollten alle Teams weiter entwickeln können. Gerade die Trainingsbedingungen und die bessere Förderung des Nachwuchses müssen wir in Angriff nehmen. Bei den TOP-Teams in der Ostsee-Spree-Liga versuchen wir so gut es geht, auf höchstem Niveau zu arbeiten. Das bezieht sich auf das Training, Videostudium, Therapeutisches Arbeiten und auf die persönliche Entwicklung der Athleten. Es gilt, zwischen Beruf und Sport Brücken zu bauen.
Des Weiteren ist es extrem wichtig, stabile und funktionierende Strukturen zu schaffen. Besonderes Augenmerk legen wir hier auf unsere Unterstützer und Sponsoren, die uns schon seit vielen Jahren die Treue halten. Mit diesem Fundament können wir als Grün- Weiß Werder gestärkt in die Zukunft blicken.

Welche neuen Akzente willst du in Zukunft setzen? Wo siehst du – so kurz nach Beginn deiner Amtszeit – besonders starken Handlungsbedarf?

Hannes Lindt: Ein wichtiger Aspekt ist, dass wir alle Vereinsbereiche viel stärker unter einem Wappen vereinen müssen. Werder hat sehr erfolgreiche Cheerleader und auch die Frauen haben durch den Aufstieg gezeigt, wie wichtig sie für die Stadt und den Verein sind.

Ganz aktuell müssen wir den Kader der Ersten Männermannschaft analysieren und besprechen. Sollte es noch Baustellen geben, können wir sicher noch schnell den einen oder anderen Spieler davon überzeugen, für uns aufzulaufen. Dann müssen wir auch sehr zügig das schwierige Hallenthema in Werder klären. Alle Teams leiden unter den wenigen Hallenzeiten – das ist aber ein Problem, welches nicht nur in Werder besteht. Ich weiß noch aus Bietigheim, dass wir als Bundesligateam mittwochs immer erst um 20.15 Uhr trainieren konnten, weil die Halle vorher mit Jugendteams und anderen Sportarten belegt war. Man erlebt immer wieder, dass gerade in Kleinstädten sehr viel Sport getrieben wird, die Infrastruktur aber nicht mitkommt. Wir arbeiten an einer Lösung für den Verein.

Unsere Saisoneröffnung steigt am 16. September 2017. Kribbelt es schon in Bezug darauf, was da kommen mag oder siehst du der Sache entspannt entgegen? Stimmt es, dass du hin und wieder auch als Spieler für die 1. Männermannschaft eingesetzt wirst?

Hannes Lindt: Ich werde nicht als Spieler dabei sein. Die Jungs, die wir am 16. September auf‘s Feld schicken, haben unser vollstes Vertrauen. Ich werde also nur unterstützend dabei sein. Ich freue mich darauf, wie es sein wird, ein Spiel als Offizieller zu sehen. Die letzten 16 Jahre stand ich immer auf der Platte und konnte direkt und aktiv in das Spiel eingreifen. Das wird eine ganz neue Erfahrung werden.

Die 1. Männermannschaft hatte nach einem einjährigen Intermezzo und dem Abstieg aus der 3. Liga zunächst einen schweren Stand, wohingegen der Verein ab sofort aber gleich doppelt in der 4. Liga vertreten ist: Nach einer erfolgreichen Saison haben auch unsere Frauen den Sprung in die OSL geschafft. Gehen wir mal davon aus, dass du all deine Pläne umsetzen kannst. Was hoffst du, wird man nach einem Jahr über uns sagen können?

Hannes Lindt: Die Frage kann ich nach der Vorbereitung vielleicht genauer beantworten. Dafür kenne ich die meisten Spieler und Spielerinnen noch zu wenig. Das Trainerteam der Ersten Männer und ich nehmen jetzt unsere Arbeit auf und dann gucken wir, wo die Reise hingeht. Bei den Frauen sollte unser Ziel der Klassenerhalt sein. Als Aufsteiger ist man mit diesem Ziel meist maximal ausgelastet – das ist von der ersten Bundesliga bis hin zum Amateurhandball so.

Danke für dieses umfangreiche Interview, Hannes. Wir wünschen dir eine lehr- und auch abwechslungsreiche Zeit in unserem Verein und freuen uns schon, mit dir ganz nah am Geschehen zu wirken und zu arbeiten. Viel Erfolg, gutes Gelingen und auf eine enge Zusammenarbeit!