Neunzig Jahre Elisabethhöhe

Mit einer Festschrift wird an Siedler und ihre Geschichte erinnert

Neuzig Jahre Elisabethhöhe - Die Festschrift des Gemeindeteils ist jetzt erschienen.

Werder (Havel), 17. Dezember 2016Wir schreiben das Jahr 1888. Da lebte in Glindow ein Ziegeleibesitzer. Der hieß Fritze. Die Öfen seiner Ziegelei wurden mit Holz befeuert. Und da der Fritze viel Holz brauchte, übernahm er ein Gut in der Nähe, auf dem es fast sechs Hektar Wald gab –  mit gutem Eichenholz für seine Öfen. Er nannte das Vorwerk Elisabeth, denn so hieß seine Frau. Und weil man zu dem Wald auf den Berg fahren musste – der Höhenunterschied betrug immerhin 40 Meter – setzte er das Wörtchen „Höhe“ an den Namen seiner Frau Elisabeth.

Was wie ein Märchen klingt, ist der Anfang der Geschichte von Elisabethhöhe. Das ist der jüngste Ortsteil und dennoch lohnt es sich, einen Blick in diese ungewöhnliche Geschichte zu werfen. Der Förderverein zur Heimatpflege, der im kommenden Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, ist seit vielen Jahren aktiv darum bemüht, die 90-jährige Geschichte des Glindower Gemeindeteiles aufzuschreiben und öffentlich zu machen. „Noch gibt es einige Zeitzeugen, die sich an ihre Kindheit hier erinnern“, berichtet Dr. Brigitte Wilhelm vom Förderverein. „Jeder ist ein Zeitzeuge“, ergänzt Vereinsvorsitzender Hermann Bobka. „Denn auch die, die dazu kommen, schreiben die Geschichte der Siedler auf Elisabethhöhe weiter“.

Bereits vier Hefte mit Erinnerungen und Gegenwart sind erschienen. Die Festschrift zum 90-jährigen Bestehen von Elisabethhöhe, das im kommenden Jahr am 26. und 27. August gefeiert wird, ist extra umfangreich, aufwändig gestaltet und eine wirkliche Bereicherung für jeden, der sich für die lokale Geschichte interessiert. Anderthalb Jahre Recherchearbeit stecken darin – Brigitte Wilhelm hat mit vielen Bewohnern gesprochen, viele alte Fotos gefunden und neue Bilder fotografiert.

Die ersten Häuser der Siedlung selbst entstanden ab 1927. Zuvor wurde auf Elisabethhöhe 1921/22 eine Villa durch den Grafen Rambaldi errichtet – angeblich für eine Filmschauspiererin. Die wechselvolle Geschichte der Villa – ebenso spannend – wurde bei der Chronik vorerst ausgespart. „Das wären 20 eigene Seiten“, so Brigitte Wilhelm. Aus der Villa wurde unter anderem ein Heilerziehungsheim für seelisch kranke Mädchen und später auch ein Arbeitslager für Mädchen des Nazi-Arbeitsdienstes. Aber Frau Wilhelm wird ja weiter recherchieren und Gespräche führen und schreiben und fotografieren …

Viele bekannte Namen, die Geschichte vieler Häuser, beispielsweise Schule, Konsum oder der Kult-Gaststätte „Zum letzten Siedler“ und der lebendige Schreibstil lassen die Festschrift für die Bewohner der Siedlung überaus interessant werden. Die, die nicht auf Elisabethhöhe wohnen, werden von Brigitte Wilhelms akribischer Recherche und den vielen historischen Bezügen begeistert sein.

„Ohne die Bereitschaft unserer Zeitzeugen, Fotos herauszusuchen und sich mit ihren Erinnerungen zu beteiligen, gäbe es die Festschrift wie die vorangegangenen Beiträge zu Erinnerungen und Gegenwart nicht“, stellt Hermann Bobka fest. Das mache die Siedler damals wie heute aus – ein guter Zusammenhalt in der Gemeinschaft. Und so soll auch das Fest zum 90. Jubiläum gefeiert werden – zusammen. Die Vorbereitungen für das angemessen große Fest im Sommer sind längst in vollem Gange. (low)


„Neuzig Jahre Elisabethhöhe“ – die Festschrift kann für 5 Euro bei Hermann Bobka bestellt werden. Anfragen per E-Mail: bobka-hermann@t-online.de oder telefonisch 03327 40402.