Perspektiven für die Zukunft

Den Berufsstart Bau stellte das Berufsförderwerk e.V. des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg vor. Foto: Kokel

Werder (Havel), 20. März 2018 – „Ich werde Gärtner im Fachbereich Zierpflanzenbau!“ – Für Jona Goesmann steht bereits seit vielen Jahren fest, wohin es beruflich gehen wird. In verschiedenen Praktika manifestierte sich der Wunsch, außerdem ist sein Vater auch Gärtner. Jona besuchte in der vergangenen Woche seine alte Schule – die Schule am Plessower See. Dort fand der 1. Berufsorientierungstag der Schule statt. Und als Jona hörte, dass das Rotkreuz-Institut Berufsbildungswerks (RKI BBW), Bereich Gartenbau, sich an diesem Tag in Werder vorstellen wird, war klar, dass er dabei sein wird. Dort absolviert Jona derzeit sein berufsvorbereitendes Jahr. Sein Weg liegt also klar vor ihm.

Und genau das erhofft sich die Schule am Plessower See für alle ihre Schützlinge, die die Schule nach der 10. Klasse verlassen. An diesem 1. Berufsorientierungstag wurden Betriebe aus der Region aus verschiedenen Bereichen eingeladen, um sich und die Ausbildungsmöglichkeiten vorzustellen. Mit vielen Möglichkeiten, auch die Praxis zu testen.

1. Berufsorientierungstag in der Schule am Plessower See

Die Werder Frucht GmbH, die Strabag, das Berufsförderwerk des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg, das Berufsbildungswerk im Oberlinhaus, das OSZ Werder, die nh Hotels GmbH, Recura Kliniken GmbH, das Team Fachkräftesicherung der Handwerkskammer Potsdam und das Berufsbildungswerk im Rotkreuz-Institut waren eingeladen, sich und ihre Möglichkeiten der Ausbildung vorzustellen.

Liane Engelhardt, Lehrerin und Koordinatorin Praxislernen an der Schule, organisierte mit der Lehrerin Maritta Krütze diesen Tag. „Üblicherweise gelangen die Schüler unserer Schule über die Agentur für Arbeit in ihr Berufsleben. Nach dem Schulabschluss machen sie ein berufsvorbereitendes Jahr, in dem sie auch noch in Mathe und Deutsch unterrichtet werden. Erwerben können sie dabei die einfache Berufsbildungsreife. Aber auch dort müssen sie Voraussetzungen mitbringen und die legen wir hier. Umso vertiefender diese Voraussetzungen in der Praxis sind, desto besser können die Schüler später in der Ausbildung bestehen“, erläutert Liane Engelhardt den üblichen Weg.

Dennoch gelänge es immer öfter, Schüler ohne das Vorbereitungsjahr über die Agentur für Arbeit in eine Ausbildung zu bringen, berichtet die mit 27 Jahren Schulzugehörigkeit inzwischen dienstälteste Lehrerin der Schule. „Die Idee ist, Schüler in Betrieben über ein Praxisseminar unterzubringen. Die Schüler haben im Vorfeld recht wenig Informationen über die einzelnen Betriebe. Aus diesem Grund versuchen wir, hier Wirtschaft und Schule zusammen zu bringen“.

Maritta Krütze ergänzt: „Wir müssen unser vorhandenes Konzept von Berufsorientierung anpassen an die Möglichkeiten, die die Schüler haben. Noch vor einigen Jahren haben die Firmen kaum Auszubildende gesucht. Das ist jetzt anders, überall gibt es einen Fachkräftemangel. Wir legen hier in der Schule den Grundstein für das, was die Betriebe ja fordern: Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Kommunikationsfähigkeit“.

In der Schule am Plessower See beginnen die Schülerinnen und Schüler in der 7. Klasse, in die Praxis zu schnuppern. Das zeigt immer wieder Erfolge, so hat beispielsweise ein Schüler nach einem Praktikum im Seminaris-Hotel dort eine Ausbildung zum Koch begonnen. „Solche Erfolge geben Schwung“, freut sich Maritta Krütze. „Wir haben ein richtig gutes Konzept für Praxislernen an unserer Schule“.

Um den 1. Berufsorientierungstag störungsfrei für die anderen Klassen gestalten zu können, konnten sich die Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen außerhalb in verschiedenen Firmen umschauen und Berufe kennenlernen. So besuchten die Klassen beispielsweise die Feuerwehr, die gläserne Produktion von Katjes in Potsdam oder das Gartencenter in Geltow. „Auch das Erkunden von Betrieben in der Region ist eine gute Möglichkeit, in die Praxis zu schnuppern“. Dankbar sei man Firmen, die das ermöglichen.

Die Schulleiterin Annette Becker lobt die Initiative von Liane Engelhardt und aller Kolleginnen und Kollegen. „Der Tag ist phantastisch vorbereitet. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, dass das eine Tradition wird“. Becker: „Ich verspreche mir sehr viel von diesem Tag. Wir sehen für das Ende der schulischen Laufbahn unserer Schülerinnen und Schüler die Vermittlung in die Ausbildung. Das Aufzeigen beruflicher Perspektiven motiviert sie, zeigt ihnen Chancen – das ist unser Ziel“.

Sie erhofft sich für die Zukunft ihrer Schützlinge – rund 50 sind es in den Klassen 7 bis 10 – dass auch die Firmen erkennen, welches Potenzial es hier gibt. „Unsere Schülerinnen und Schüler haben viele Fertigkeiten, gerade im praktischen Bereich, und soziale Kompetenzen, die im Arbeitsleben gebraucht werden. Es müssen vielleicht nicht alle Jugendlichen den Mittlere-Reife-Abschluss haben, die einfache Berufsbildungsreise reicht in einigen Berufszweigen aus – das müssen die Firmen vielleicht neu lernen und bei bestimmten Fragen die Ansprüche überprüfen“, regt sie an. Der Fachkräftemangel sei ja da. Klar sei, dass ihre Schülerinnen und Schüler nicht jeden Wunschberuf erlernen könnten. Es seien eben Schüler, denen das Lernen etwas schwerer fällt. Dennoch hätten sie jede Chance verdient, ihre Fertigkeiten und Kompetenzen im Berufsleben zeigen zu können. Denn eine Ausbildung, eine Arbeit zu haben, sei die Grundlage, sein Leben gestalten zu können. (wsw)